zhaleika24. goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films (24. April bis 30. April 2024), Teil 10

Claudia Schulmerich

Wiesbaden (Weltexpresso) – Es sind Gegensätze, die das Leben der 17jährigen Lora erst einmal bestimmen. Sie lebt in Bulgarien in einem pittoresken Bergdorf, das, was wir als Sehnsuchtsort empfinden, malerisch an den Berg gedrängt. Doch für Lora ist es nur einengend, sie fühlt sich vereinnahmt und wehrt sich gegen die ausgesprochenen, aber vor allem unausgesprochenen Moral- und Verhaltensvorstellungen der kleinbürgerlichen Dorfbevölkerung. Es ist das typische Protestverhalten Jugendlicher, wenn sie mit der Zigarette und den Klamotten ihre Umgebung aufbringt.

Stimmt, ihre T-Shirts sind zu kurz und die Löcher in den Jeans sind nur in der Großstadt modern, hier zeugen sie von Armut und Verwahrlosung. Und warum sollte sie um zehn Uhr zu Hause sein. Nachts unterwegs ist doch viel aufregender. Auch ihr Vater stimmt in den Chor der Besserwisser ein und verlangt von ihr nachdrücklich, sofort ihr Leben zu ändern. Das geht beim einen Ohr rein, beim anderen raus. Verstanden fühlt sie sich nur von ihrem Freund Todor, der andererseits auch der Grund des Anstosses für die Dorfbevölkerung ist. Und dann stirbt ihr Vater. Sie merkt erst jetzt, daß ihr Vater ein Schutz für sie war, denn jetzt schlägt die Dorfbevölkerung und die bucklige Verwandtschaft erst recht zu.

Wir erleben die Vorschriften, die ihr gemacht werden, aber auch, mit welchen Mitteln sie sich wehrt. Das Gemeinste ist, wenn ihr suggeriert wird, daß der Tod des Vaters Gottes Strafe für ihr renitenten und nicht demütiges Verhalten ist. Denn mit dem Tod des Vaters muß sie jetzt Trauer tragen und soll ihr Leben für ein Jahr ändern, wie es die Kirche vorschreibt, was nicht stimmt, denn es ist die überkommende konservative, ja reaktionäre Moral, dernach sie leben soll. Und leider ist Todor nicht mehr der tolle Freund, der er war.

Dazu gehört auch, daß sie nicht mehr Musik hören soll, ihre Leidenschaft. Und wenn man es einmal ganz durchdenkt, ist es eigentlich der Konflikt, daß sie trauern soll, sich als Waise, als Opfer fühlen soll, aber sich doch so lebendig fühlt und einfach leben will. Sehr eindrücklich findet der Film Bilder für das, was wir einen Emanzipationsprozeß nennen und gut mit- und nachempfinden können.

Foto:
©Verleih

Info:
Stab

Regie Eliza Petkova
Drehbuch Eliza Petkova
Kamera Constanze Schmitt
Schnitt Hannes Marget
Eliza Petkova

Darsteller
Anna Manolova   Lora
Mihail Stoyanov   Todor
Maria Klecheva    Yana
Stoyko Ivanov     Stoyan
Shezhina Petrova    Maria
Asya Popova          Asya
Márton Péter Nagy    Thomas
Boyana Georgieva.   Elena

Produktionsland
Deutschland 2016
Filmlänge 92 Min