f nico1Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos am 18. Juli 2018, Teil 5

Romana Reich

Berlin (Weltexpresso) – Vor 30 Jahren ist die deutsche Sängerin Nico mit 50 Jahren gestorben. In dieser filmischen Erinnerung stehen ihre letzten Jahre im Mittelpunkt, wobei die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm derart in die Rolle der Nico schlüpft, daß sie diesen Film zu einem Ereignis macht.

Das sagen wir auch deshalb so deutlich, weil wir mit ihrer Auszeichnung als Beste Schauspielerin dmit dem Silbernen Bären zur Berlinale 2016 für Thomas Vinterbergs DIE KOMMUNE überhaupt nicht einverstanden waren, weil es die Rolle war, die herausstach, nicht die Schauspielerin. Aber hier in NICO staunen wir mit offenem Mund, wie sie sie die Sängerin nicht nur darstellt, sondern auch ihre Lieder selber singt. Sie verkörpert Nico nicht, sie wird zu ihr. Unheimlich ist das, weil der Film dadurch eine Dichte und Atmosphäre gewinnt, die faszinieren. Deshalb muß man vorher gar nichts von Christa Päffgen wissen, wie die Sängerin Nico mit bürgerlichem Namen hieß. Der Film schafft ein Interesse für jeden Zuschauer.

Und das liegt dann doch nicht nur an der herausragenden Darstellung, sondern liegt schon im Leben dieser Nico, die als erstes deutsches Supermodel gilt, für Andy Warhol zur Muse wurde und als Sängerin von THE VELVET UNDERGROUND international berühmt wurde. Die herausgestellten letzten Lebensjahre führen uns mit Nico weit durch Europa, nach Paris und Prag, nach Nürnberg und Manchester, auch nach Polen aufs Land und an die römische Küste. Denn sie war als Sängerin schon abgeschrieben und als Mensch kaputt, als sie in ihren letzten Auftritten erfolgreich eine neue Solokarriere begann und sich am eigenen Schopf aus dem Unglück zog. Daß sie diese, ihre eigene Renaissance so oft nach Osteuropa führte, fällt auf.

f nicosohnWir finden die Wiedergeburt einer Frau, die einst als Ikone der Gegenwart galt, und nun als Künstlerin, als Mutter und als Frau neugeboren erscheint. Man nannte sie „Priesterin der Finsternis“ und ihre Liebschaften waren legendär, ihr Zusammenbruch nach all den Exzessen schien endgültig und mit ihrem Wiederaufstieg beginnt sie auch, mit ihrem Sohn überhaupt eine Beziehung aufzubauen. Der war nämlich bei der Mutter des Vaters aufgewachsen. In Frankreich. Der Vater war Alain Delon und spätestens jetzt spitzen alle die Ohren.

Die Italienerin Susanna Nichiarelli ist Urheberin des Films, sie hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Dabei geht sie in die Vollen, wenn aus den Konflikten im Leben der Nico leinwandfüllende Dramen entstehen.

Seine Weltpremiere feierte der Film auf den Internationalen Filmfestspielen Venedig 2017, wo sie einen Spezialpreis erhielt, wie überall, wo der Film bei Festivals gezeigt wurde. Insbesondere beim italienischen Filmpreis David de Donatella räumte NICO, 1988 vierfach ab, wobei Drehbuch und Sound zu nennen sind. Tatsächlich wird die sängerische Leistung von Trine Dyrholm – ihre Stimme ist rau, tief wie ein Mann – durch das musikalische Gesamtarrangement gestützt, so daß die Emphase des Publikums nachvollziehbar wird und man selbst in den Sog gerät, aus dem man nach 93 Minuten erwacht und kaum glauben mag, wie intensiv man dabei war.

Foto:
© Verleih

Info:
Darsteller:
Nico            Trine Dyrholm
Richard       John Gordon Sinclair
Sylvia          Anamaria Marinca
Ari               Sandor Funtek
Domenico   Thomas Trabacchi
Laura           Karina Fernandez
Alex             Calvin Demba
Francesco   Francesco Colella