b madchenorchesterAm 29. August in Berlin: Musiktheater mit Klassik und Elektronik über das Frauenorchester von Auschwitz

Felicitas Schubert

(Weltexpresso) - Die spreeagenten untersuchen mit der Musiktheaterinszenierung „Mädchenorchester“ die Bedeutung von Kunst und setzen sich mit der Frage auseinander, was passiert, wenn sie missbraucht wird. Dazu widmet sich die Regisseurin Susanne Chrudina mit einem Ensemble aus 30 Darsteller*innen und Musiker*innen Erinnerungen von Zeitzeuginnen der Frauenkapelle Auschwitz und eröffnet nicht nur einen Dialog zwischen Vergangenheit und Zukunft, sondern auch zwischen Text und Musik sowie elektronischer Neukomposition und Klassik.

Man kann Musik nicht beschmutzen.
Musik ist unberührbar, das ist das Wunderbare,
das ist die Kraft der Musik.
(Anita Lasker- Wallfisch, Musikerin des Mädchenorchesters)

Ausgangspunkt der Inszenierung war eine intensive Recherche über das einzige Frauenorchester in einem Konzentrationslager, die Autobiographien und Berichte der Zeitzeuginnen ebenso einbezog, wie eigene Interviews u.a. mit den überlebenden Musikerinnen Anita Lasker-Wallfisch und Esther Bejarano, sowie eine Recherche vor Ort in Auschwitz. Das junge Ensemble, als Vertreter*innen der neuen Generation, begibt sich auf die Suche nach der Kraft und Bedeutung von Musik – damals wie heute. Die Darsteller*innen beziehen zu den historischen Ereignissen mit eigenen Texten, Eindrücken und Haltungen Stellung. Der Blick wendet sich von der Vergangenheit ins Heute.

In einer Collage wird das von der SS angeordnete Repertoire der Frauenkapelle mit der elektronischen Neukomposition der italienischen Komponistin und Sounddesignerin Munsha verwoben und Stimmen der Zeitzeuginnen mit reflektierenden Texten des Ensembles kombiniert. So entsteht ein aktueller Kommentar zur Geschichte, der den Wert der Kunst für das eigene Leben, ihre Wirkmacht für die Gesellschaft, ihre Fähigkeit zur Förderung der Resilienz, aber auch den Missbrauch der Musik durch Ideologie und Diktatur ergründet.

In der Vernichtungsmaschinerie Auschwitz erfüllte Musik zahlreiche Funktionen: Sie war Ausdruck der Macht der Nationalsozialisten, sie koordinierte und rhythmisierte Arbeit, beruhigte, quälte und diente der Unterhaltung der SS-Offiziere. Die Musikerinnen des Frauenorchesters waren dem Dilemma ausgesetzt, durch ihre musikalische Zwangsarbeit das System zu unterstützen, und sich selbst ständig in Lebensgefahr zu wissen. Sie spielten um ihr Leben.

Seit 2007 entwickeln die spreeagenten Theaterprojekte und Performances und suchen dabei den internationalen, interkulturellen und interdisziplinären Dialog. Einen Schwerpunkt bilden recherchebasierte Produktionen und Formen des dokumentarischen Theaters. Dazu arbeiten die spreeagenten häufig mit Ensembles, die aus professionellen und nicht-professionellen Darsteller*innen bestehen. Internationale Koproduktionen führten das Berliner Kollektiv für oder mit Eigenproduktionen häufig auch in Osteuropäische Länder (z.B. Rumänien, Tschechien, Serbien)

30.08., 20 Uhr – Publikumsgespräch im Anschluss
19.09., 19 Uhr – Austausch mit Theaterscoutings Berlin im Anschluss
20.09., 20 Uhr – Publikumsgespräch im Anschluss

Schauspiel Sonja Kessner | Sopran Anna Langner | Junges Ensemble Lea Böhm, Elli (Liam) Drews, Mounir El-mohamad, Denise Priegnitz, Emelie Stein, Rudi Stein, Jardel Tibusseck | Orchester Josephin Berger, Cornelius Bernitzky, Gabriela van Dijk, Jonas Fink, Yves Hachenberger, Anne Hänisch, Luise Homann, Sophie Irmer, Hanna Ittner, Rebecca Meisel, Sophie Oberschmidt , Leon Pester, Adrian Petersen, Lukas Postulka, Tobias Ronneberg, Florian Schumann, Birte Tröger, Emeli Tröger, Therese Wegerich, Nele Wolf, Olga Yanchuk

Konzept, Text, Regie: Susanne Chrudina I Komposition, Musikalische Leitung: Munsha I Orchesterleitung: Till Schwabenbauer I Ausstattung: Stefan Oppenländer I Dramaturgie: Sabine Salzmann I Produktionsleitung, Regieassistenz: Chris Wohlrab I Musikwissenschaftliche Mitarbeit, Dirigat:  Gabriela van Dijk I Pädagogische Begleitung: Jördis Gierig I Filmdokumentation: Branka Pavlović I Grafik: Ulrich Kochinke I Hospitanz Technik: Tjark Lasch

Foto:
©

Info:
www.spree-agenten.de;
www.heimathafen-neukoelln.de
Premiere               29. August 2019, 19 Uhr
Weitere Vorstellungen  30. August & 20. September 2019; 20Uhr
19. September 19 Uhr
Gastspiel in Auschwitz November 2019
Ort                    Heimathafen Neukölln
Karl-Marx-Straße 141|12043 Berlin
Preise                 16,- |ermäßigt 10,-| Schüler 8,- Euro
Reservierungen         030 56821333 oder karten(at)heimathafen-neukoelln.de

Eine Produktion der spreeagenten in Kooperation mit der Ernst-Haeckel-Schule Berlin-Hellersdorf, dem Jugendorchester der Schostakowitsch-Musikschule Berlin-Lichtenberg, dem Jugendkammerorchester Berlin e.V., TATWERK | Performative Forschung und dem Heimathafen Neukölln. Gefördert durch den HAUPTSTADTKULTURFONDS und aus Mitteln des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Wir danken dem "Verein der Bundestagsfraktion DIE LINKE e.V.“ für die finanzielle Unterstützung, dem Staatlichen Museum und Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und dem Theaterhaus Mitte.