Querschnittsausstellung 2025 des Fuldaer KunstvereinsHanswerner Kruse & Hannah Wölfel
Fulda (Weltexpresso) - Im Vonderau-Museum wurde am letzten Sonntag die alljährliche jurierte Querschnittsausstellung des Fuldaer Kunstvereins eröffnet. 70 Kunstschaffende zeigen ihre Werke zum Thema NATUR: NATÜRLICH – ABSTRAKT.
Der Titel ruft zunächst ‚natürlich‘ Verwirrung hervor oder suggeriert Beliebigkeit, könnte aber bedeuten: Ausgehend von der erlebbaren Natur führt er über das „Natürlich“ in das Abstrakte. So zeigt der Titel selbst den Weg von der sinnlichen Wahrnehmung zur künstlerischen Gestaltung.
Gleich beim Betreten der Ausstellung fällt ein gemalter Hirschkopf mit einem echten umgehängten Pirschglas ins Auge. „Hirsch auf Pirsch“ heißt das Werk. Es folgt eine große „Obstschale“ mit vielen Früchten. „Bedienen Sie sich!“ heißt es, aber das ist schwierig, denn die leckeren Objekte sind aus gefärbtem Bienenwachs. Ein Acrylbild zeigt „Fuchs und Hase“ in verträumter Eintracht. Etwas weiter ein menschenhohes Paar aus löcherigen kräftigen Eschenstämmen, „Karlheinz“ und „Gertrud“ heißen die beiden Skulpturen (Bild oben). Später folgen „Strichcode“-Bilder mit Hirsch und Pflanzen.
Schnell wird deutlich, Kunst darf auch ironisch sein und das vorgegebene Thema humorvoll angehen. Doch diese und weitere Arbeiten changieren ebenso zwischen der Abbildung von Natur, dem Spiel damit oder sie gehen bewusst in die Abstraktion. „Upcycling“ heißen die aus Holzresten gefertigte „Eulen“ und anderes „Federvieh“ (Bild oben). Viele Malereien und Fotografien in der Schau feiern die Natur, verklären ihre Schönheit und fordern die Bewahrung.

In der ersten Etage bedrängen uns 34 schwarze Raben aus Textil. Von Nahem wirken einige niedlich. Doch sie nehmen viel Raum ein, wirken als düsterer Schwarm bedrohlich. Im Titel werfen sie die mahnende Frage auf: „Wo sind die bunten Vögel?“ Ebenfalls entstehen spannende Konfrontationen, ein kleiner Teil des schwarzen Schwarms hockt vor verschieden gestalteten Aktzeichnungen. Ist der Mensch, wenn er denn nackt ist, Natur?
Der kleine Saal im zweiten Geschoss präsentiert ungewöhnliche Arbeiten wie Quallen und andere hängende Filzobjekte, Keramikexponate, Marmorfiguren, sogar eine Video-Installation mit dem „Song der Elemente“. Dort hängen auch allerlei Werke zum Thema „Meer“, eine Künstlerin präsentiert drei Bilder, in denen sie das Element Wasser nicht darstellen will, sondern dessen Wirkung auf sie.
141 Beiträge im Vonderau-Museum sind in ihrer Fülle beeindruckend, machen die gesamte Bandbreite des künstlerischen Schaffens zum Thema Natur und die Vielfältigkeit der genutzten kreativen Mittel deutlich. Einige Arbeiten greifen auf direkte Naturerfahrungen zurück, andere verfremden oder abstrahieren diese und entwickeln eine eigene Formsprache.
In der Vernissage paraphrasierten im Wechsel ein Tonkünstler und ein literarischer Rezitator das Thema der Ausstellung. Eigenartige Percussion-Klänge muteten tatsächlich an wie die vier Jahreszeiten.
„Sie haben das Paradies asphaltiert“, meinte unter anderem der Vorleser. Beeindruckt von der Vielfalt der Kunstwerke zeigte sich der Direktor des Vonderau-Museums. Festredner Dr. Thomas Heiler verwies in seiner Laudatio auf Goethe und Kandinsky, die – im weitesten Sinne – eine Unterwerfung der Natur für künstlerische Zwecke forderten. Und empfahl den Gästen der Eröffnung doch eher „innerlich bereichert“ nach Hause zu gehen.
Auf dem Heimweg kommt man noch einmal am Eingang der Ausstellung vorbei, sieht das kleine Modell eines aufgerissenen Zimmers, voller umgekippter Möbel und daraus aufbrechenden Bäumen. Der mahnende Titel verheißt „Natur kommt zurück“ – sie wird sich holen, was ihr gehört.
Fotos
© Hanswerner Kruse
Service
NATUR: NATÜRLICH – ABSTRAKT im Vonderau-Museum Fulda bis zum 11. Januar 2026.
Geöffnet Di bis So 10 – 17 Uhr. Ausführliches Rahmenprogramm unter www.kunstverein-fulda.de