Bildschirmfoto 2022 11 15 um 02.53.32Itamar Ben-Gvir steht für seine Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung für Meir Kahane in der Kritik

Jacques Ungar

Das US-Außenministerium verurteilt Itamar Ben-Gvir für seine Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung für Rabbi Meir Kahane.

Das US-Aussenministerium bezeichnete die Teilnahme des Otzma Yehudit-Vorsitzenden Itamar Ben-Gvir an einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen rechtsextremen israelischen Politiker Rabbi Meir Kahane als «abscheulich». «Das Erbe einer terroristischen Organisation zu feiern, ist abscheulich - es gibt kein anderes Wort dafür», sagte Sprecher Ned Price am Donnerstag.

«Wir sind nach wie vor besorgt über das Vermächtnis von Kahane und die fortgesetzte Verwendung seiner Rhetorik unter gewalttätigen Rechtsextremisten», sagte er. «Wir haben Aufwiegelung, Gewalt und Rassismus in all ihren Formen verurteilt. Es gibt einen guten Grund, warum Kahanes Partei ‹Kach› weiterhin als speziell gekennzeichnete globale terroristische Organisation eingestuft wird.»

Price forderte alle Parteien auf, «Ruhe zu bewahren, Zurückhaltung zu üben und Handlungen zu unterlassen, die nur dazu dienen, die Spannungen zu verschärfen - und das gilt auch für Jerusalem».

Zuvor war Ben-Gvir am Donnerstag bei der Gedenkfeier für Kahane ausgebuht worden, nachdem er erklärt hatte, dass es Taten des Rabbiners gebe, mit denen er heute «weniger einverstanden» sei. Er fügte hinzu, dass der ermordete Rabbiner im Privaten anders gewesen sei als in der Öffentlichkeit.
«Es ist kein Geheimnis, dass ich heute nicht Rabbi Kahane bin und dass ich die Deportation aller Araber nicht unterstütze», sagte Ben-Gvir und löste damit weitere Buhrufe in der Menge aus. «Aber ich werde mich natürlich für die Deportation von Terroristen aus Israel einsetzen, für den jüdischen Charakter des Staates, für die Siedlungen und die jüdische Identität.»

Der in den USA geborene Kahane war einer der Mitbegründer der inländischen Terrorgruppe Jewish Defense League. Im Jahr 1971 gründete er in Israel die rechtsextreme «Kach»-Partei, die für die Vertreibung der Araber aus dem jüdischen Staat eintrat.
Der «Kach»-Chef wurde dutzende Male verhaftet, schaffte es aber 1984, einen Sitz in der Knesset zu erhalten. 1988 wurde Kahane von der Kandidatur für die Knesset disqualifiziert. Im Jahr 1990 wurde er in New York von El Sayyid Nosair, einem ägyptisch stämmigen US-Bürger, ermordet.

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Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 14. November 2022