Bildschirmfoto 2023 01 31 um 22.23.10Freundlichkeiten, aber auch klare Worte

Jacques Ungar

Tel Aviv (Weltexpresso) - Die Blitzvisiten des amerikanische Außenministers Antony Blinken am Montagnachmittag bei Premier Binyamin Netanyahu und Präsident Isaac Herzog waren sowohl von gegenseitigen Freundschaftsbezeugungen geprägt als auch von klaren Worten, in erster Linie des Gastes aus Washington. Einerseits sprach Netanyahu vom «unberechbaren Band der Beziehungen zwischen Israel und den USA», und Blinken bestätigte Washingtons «eisenhartes» Einstehen für Israels Sicherheit. Dann aber bedrängte der US-Außenminister die Israeli, die steigende Flut der Gewalt mit den Palästinensern zu beenden.

An dieser Aussage konnte auch Netanyahu mit seinem Hinweis wenig ändern, die Beziehungen zwischen Israel und den USA seien «eine der großen Allianzen der modernen Geschichte». Man teile gemeinsame Interessen, fügte der israelische Regierungschef hinzu. Diese würden von Tag zu Tag wachsen. Dann meinte er – ein versteckter Hinweis auf die inner-israelische Debatte bezüglich der umstrittenen bevorstehenden israelischen Rechtsreform - : «Wir teilen gemeinsame Werte; zwei starke Demokratien, die, ich kann es Ihnen versichern, zwei starke Demokratien bleiben werden». Schließlich nannte Netanyahu den amerikanischen Präsidenten Joe Biden, den er schon seit 40 Jahren kennen würde, einen «wahren Freund Israels, ein wahres Mitglied dieser Allianz».

Blinken seinerseits war auch freundlich, behielt aber die ganze Zeit die Realitäten im Auge. So sei das Treffen mit Netanyahu «sehr produktiv und offen» gewesen. Die «wichtige Diskussion» habe viele Themen abgedeckt. Trotz Blinkens Worte der Kondolenz an die Adresse der Hinterbliebenen der Terroranschläge vom Wochenende in Jerusalem, dürfte im vertraulichen Teil der Unterhaltung die Forderungen der USA an die Israeli formuliert worden sein. Vor allem den beinahe an einen Befehl grenzenden Wunsch Washingtons nach konkreten Gesten und Taten Israels zur Beruhigung der Lage.

Das dürfte nicht zuletzt bei den Ministern Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich. den beiden Rechtsextremisten in Israels Kabinett, bitter aufgestossen sein.

Das anschließende Treffen zwischen Blinken und Staatspräsident Isaac Herzog war schon eher von Gemeinsamkeiten geprägt. Nerzog brachte gegenüber Blinken Israels Dankbarkeit für die Botschaften der «Kondolenz und Stärke» unmittelbar nach dem Jerusalemer Terror in einem «Moment des Schmerzens» für Israel zum Ausdruck, in dem «unschuldige Kinder und Bürger abgeschlachtet wurden, einfach nur weil sie Juden und Israeli waren». «Ich möchte Ihnen danken», sagte Herzog, in diesem Kampf gegen Terror und Hass an unserer Seite zu stehen».

Gegenüber Netanyahu erinnerte Blinken, wo der Schuh sowohl Washington als auch Jerusalem am meisten drückt: Die militärische Option, um Iran am Erhalt der Nuklearwaffe zu hindern, bleibe auf dem Tisch, versicherte er und fügte hinzu: «Die Islamische Republik bleibt eine regionale Gefahr».

Eines wurde während Blinkens Kurzaufenthaltes in Jerusalem klar: Washingtons und Jerusalems Freundchaft füreinander ist ehrlich und tief – so ehrlich und tief, dass sie auch durch den allfälligen Austausch von Differenzen vielleicht angekratzt, aber nicht erschüttert werden kann.


Foto:
Außenministers Antony Blinken in Israel
©tachles

Info: 
Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 31. Januar 2023