WREDE Waldbrand JuterbogWÄLDER. VON DER ROMANTIK IN DIE ZUKUNFT. Drei Ausstellungen im Romantik-Museum und Senckenbergmuseum in Frankfurt sowie dem Sinclair-Haus in Bad Homburg, Teil 3

Corinne Elsesser

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Das Museum-Sinclair-Haus als dritter Station der über drei Museen in Frankfurt und Bad Homburg angelegten interdisziplinären Ausstellung zum Thema Wälder nimmt künstlerische Positionen in den Blick.

Die Wechselausstellungen, die das von der Stiftung Kunst und Natur in Bad Homburg und Nantesbuch in Oberbayern getragene kleine, aber feine Museum seit 1982 ausrichtet, thematisieren das vielschichtige Verhältnis von Mensch und Natur in der zeitgenössischen Kunst. Auch die neue Ausstellung, kuratiert von Kathrin Meyer, der Direktorin des Museums, stellt die Gegenwartskunst in den Mittelpunkt und lässt sie mit romantischen und naturwissenschaftlichen Positionen in einen Dialog treten.

Mit der Aufforderung "In die Wälder" spricht die Ausstellung wie auf einem Waldspaziergeng die Sinne an. Nachtigallengesang ist zu hören, unterlegt mit Akkordeon, Cello und Gitarre in einer Komposition des britischen Folksängers Sam Lee, der in seinen akustischen Arbeiten den Kontakt mit dem Gesang der Vögel sucht. Begleitende Texte der Bettina von Arnim (1785-1859) weisen auf das Atmen im Wald und die Künstlerin Agnes Meyer-Brandis macht dieses in ihrem Projekt "One Tree ID" erfahrbar. In Zusammenarbeit mit einem Parfümeur hat sie Duftstoffe von Bäumen zu Parfüms verarbeitet und die Besucher können sie ausprobieren und am geheimnisvollen Kommunikationssystem der Bäume über Botenstoffe teilhaben.

Das Kapitel "Erdlebenbilder" lässt Gemälde und Zeichnungen aus der Romantik zeitgenössischen Fotografien gegenübertreten. Der titelgebende Begriff wurde 1835 von dem Dresdener Maler und Arzt Carl Gustav Carus entwickelt, um die für die Romantik charakteristische malerische Auseinandersetzung mit der Natur von der traditionellen Landschaftsmalerei abzugrenzen. So zeigt August Cappelens "Sterbender Urwald nach dem Sturm" von 1851/52 eine urwüchsige Waldlandschaft, die vom Zerfall gekennzeichnet ist. Sophie Reuters fotografische Dokumentation der Proteste im Hambacher Forst von 2018 lässt in ihrer bildfüllenden Darstellung an das romantische Motiv des Waldinneren denken. Die Baumhäuser und Transparente werden zu einer zeitgenössischen Staffage. Nah, menschenleer und ohne Horizontlinie zeigt sich noch einmal ein Waldinneres in der raumgreifenden Fotografie "Paradise 21" von Thomas Struth, die 2001 im brasilianischen Urwald entstanden ist. Struths westlichem, im Grunde romantischem Blick treten feine botanische Zeichnungen des kolumbianischen Künstlers Abel Rodriguez gegenüber. Der um 1944 im Amazonasbecken geborene Künstler und Aktivist heisst eigentlich Mogaje Guihu und gehört den Nonuya an. Er versucht in seinen Zeichnungen sein tiefes Wissen über die Flora des Regenwaldes festzuhalten. Einen dokumentarischen Ansatz verfolgen auch die Künstler Rasa Smite und Raitis Smits in ihrem Video "Athmospheric Forest", wenn sie in ihren Messungen zu flüchtigen organischen Teilchen und zur Harzproduktion die komplexen Beziehungen der Bäume und Pflanzen am Beispiel des schweizerischen Prynwaldes visuell erlebbar machen.

"Waldangst und Waldlust" führt schliesslich das Bedrohliche und Unheimliche des Waldes in Märchen und Sagen vor Augen. Heute allerdings kehrt sich die Angst vor der Natur eher um in eine existentielle Angst um die Natur. Fotografien von Waldbränden von Julius von Bismarck betonen ästhetische Aspekte des den Wald bedrohenden Feuers und die eigens für die Ausstellung aufgenommenen Fotografien von Wäldern nach Waldbränden von Thomas Wrede vermitteln Zerstörung und auch Zuversicht. In einem Freilandlabor in Brandenburg, wo sie entstanden, untersucht man, wie sich Wälder nach verheerenden Bränden wieder regenerieren. In der 2022 entstandenen Videoarbeit "Le Sacre du Printemps (Tandvärkstallen)" von Zheng Bo mutet eine tänzerische Interaktion von Menschen und Waldpflanzen an wie das Suchen nach Einklang mit der Natur - ein Motiv, das zurückweist auf seine Anfänge in der Romantik.

Fortsetzung folgt

Foto: 
Thomas Wrede, Waldbrand, Jüterbog #1, 2023, Pigmentdruck
© Thomas Wrede / VG Bild-Kunst, Bonn 2024. Courtesy Beck & Eggeling, Düsseldorf
 

Info:
Museum-Sinclair-Haus, Löwengasse 15, Bad Homburg v.d. Höhe 

Laufzeit:
16. März bis 11. August 2024 im Deutschen Romantik-Museum, im Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt sowie im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg

Magazin zur Ausstellung: Wälder zwischen Romantik und Gegenwart in Text und Bild, 176 Seiten, 152 Abbildungen, 12 €, exklusiv erhältlich in den beteiligten Museen.
Diese Publikation ist sehr zu empfehlen. Wunderbar, daß kein teurer Kunstkatalog daraus wurde, sondern ein Arbeits-und Erkenntnisbuch, das wegen seines Preises wirklich jeder erwerben, auch verschenken kann. Ein dickes Heft für’s Leben.
 
Blattwerke – Wälder: Ideenheft der Kunstvermittlung, hrsg. vom Museum Sinclair-Haus 6 €, in den beteiligten Museen erhältlich. Kostenfreier Download: museum-sinclair-haus.de/blattwerke
 
3-Wälder-Ticket
18 €, gültig für den Ausstellungsbesuch in allen drei Museen. Einzeltickets sind in den beteiligten Museen ebenfalls erhältlich.
 
waelder-ausstellung.de
www.museum-sinclair-haus.de