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Kategorie: Bücher

horstDie zwei norwegischen Krimiautoren Jørn Lier Horst und Jan-Erik Fjell schreiben zusammen den Auftakt einer neuen Reihe

 

Claudia Schulmerich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Schon interessant, wenn zwei erfolgreiche Krimiautoren beschließen, zusammen einen Helden zu erfinden: Krimi-Podcaster Markus Heger, und zum Auftakt dieser neuen Reihe einen alten Fall aufleben und aufklären zu lassen. Und sagen wir es gleich: Der Titel des Romans ist bescheuert, der Krimi selbst ungewöhnlich, sowohl von der Geschichte her, wie auch der Verquickung von ganz unterschiedlichen Leuten, von denen die meisten in der Kleinstadt Fagernes, gut von Oslo aus zu erreichen, wohnen.


Nur in einem schließt dieser Krimi, der endlich einmal nicht als Thriller auf dem Titel daherkommt, an eine derzeitige Tendenz an. Schon wieder stirbt ein Kind, schon wieder ein kleines Mädchen, das auf dem Weg zur Schule verschwand. Leah war zu Fuß von zu Hause in die Schule aufgebrochen, kam dort aber nicht an, was erst am Nachmittag auffällt. Der Ort ist aufgebracht, das Kind war beliebt, die Mutter auch, der Vater dagegegen wurde eher mißtrauisch beäugt, weil er aufbrausend und auch gewalttätig war. ‚War‘, denn er brachte sich um. Im Gefängnis , denn er wurde als Mörder seiner Tochter angeklagt und verurteilt.

Ein sogenannter Cold case, von dem Mathilde Wold, angehende Journalistin, die für ein Jahr in der örtlichen Zeitung von Fagernes das Schreiben so richtig lernen will, im Crimecast von Markus Heger hört. Seine Stimme gefällt ihr, die Sendung auch, nur findet sie die angekündigte Fortsetzung nicht. Und da sie spürt, dass da etwas dran ist, ruft sie den Podcaster der Sendung DER SCHREI, DEN NIEMAND HÖRT an, wo sie die Fortsetzung findet. Doch Markus Heger muß sie enttäuschen, erklärt ihr aber, warum es keine Fortsetzung gab, die er vorhatte und ja auch angekündigt hatte. Es gab eine Frau, die Beweise hatte, dass der verurteilte Vater im Gefängnis nie und nimmer der Mörder hat sein können. Doch als er sie traf, trat sie von ihrer Aussage zurück und ohne sie konnte er den Fall nicht weiterverfolgen.

Das erzählt er ihr kurz am Telefon, doch sie forscht weiter, es fällt ihr etwas auf und sie versucht immer wieder, ihn telefonisch zu erreichen, doch er nimmt nicht auf, sie ist ihm lästig, er hat gerade ganz andere Probleme. Doch dann wird die junge Frau tot im Wald aufgefunden und obwohl die Polizei von einem Unglücksfall ausgeht, weiß er genau, dass sie umgebracht wurde. Was stimmt. Das weiß man aber erst am Schluß. Sie hatte nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern war von alleine auf seine damalige Zeugin gestoßen, die, die ihn erst heiß gemacht hatte und dann ihre Aussage zurückgezogen hatte.

Markus Heger kann gar nicht anders, als sich jetzt erneut auf den alten Fall zu stürzen, denn er hat ein verdammt schlechtes Gewissen, dass er die Journalistin so hat hängen lassen, was sich verstärkt, als er später immer wieder erkennt, dass sie auf dem richtigen Weg war.

In einem kleinen Ort kennen sich die Leute, Leah abgeblieben ist, hatte er fallen gelassen, als die Zeugin einknickte. Daß er nicht stärker nachhakte, das weiß er im Nachhinein, liegt auch an seiner ungeklärten Situation, was seinen Vater angeht. Der sitzt wegen Dreifachmord im Gefängnis und es herrscht seither Funkstille zu ihm. Doch jetzt ist seine Mutter gestorben und beim Räumen der Wohnung, die er verkaufen will, kommen die Erinnerungen hoch, die ihn belasten, weshalb er nicht schlafen kann und endlich eine Psychologin aufsucht, die ihm zuhört, denn er hat viel zu erzählen.

Geschickt verquicken die Autoren, die Geschichte des Podcasters mit den handelnden Personen des Falls, wobei der Mann, der schon für Mathilde Wold so wichtig wurde, immer wichtiger wird. Es ist Karl Verndal, der damals für genau die Zeitung über den Vermißtenfall schrieb, in der Mathilde nun arbeitet und der alle seine Quellen in einem Karton gesammelt hatte, den er nun zur Verfügung stellt, erst ihr, nach Mathildes Tod, der natürlich kein Unfall war, sondern ein glatter Mord, übernimmt ihn Markus und wird in insgesamt vier Tagen tatsächlich die richtig komplizierte Geschichte klären und den Mörder überführen. Traurig, aber wahr. Und Markus hatte seinen Vater im Gefängnis besucht, der ihm entscheidend bei der Aufklärung der Morde helfen konnte, und sich erstaunlich gut mit ihm verstanden. Da kommt also noch was, denn dass dieser sympathisch dargestellte Mann ein Dreifachmörder sei, erscheint einem kaum möglich.

Ach so, der Titel. Der des Podgast wäre sinnvoller und wahrer auch: „DER SCHREI, DEN NIEMAND HÖRT“.

Hörst Du den Schrei?

Die zwei norwegischen Krimiautoren Jorn Lier Horst und Jan-Erik Fjell schreiben zusammen den Auftakt einer neuen Reihe

 

Claudia Schulmerich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Schon interessant, wenn zwei erfolgreiche Krimiautoren beschließen, zusammen einen Helden zu erfinden: Krimi-Podcaster Markus Heger, und zum Auftakt dieser neuen Reihe einen alten Fall aufleben und aufklären zu lassen. Und sagen wir es gleich: Der Titel des Romans ist bescheuert, der Krimi selbst ungewöhnlich, sowohl von der Geschichte her, wie auch der Verquickung von ganz unterschiedlichen Leuten, von denen die meisten in der Kleinstadt Fagernes, gut von Oslo aus zu erreichen, wohnen.

Nur in einem schließt dieser Krimi, der endlich einmal nicht als Thriller auf dem Titel daherkommt, an eine derzeitige Tendenz an. Schon wieder stirbt ein Kind, schon wieder ein kleines Mädchen, das auf dem Weg zur Schule verschwand. Leah war zu Fuß von zu Hause in die Schule aufgebrochen, kam dort aber nicht an, was erst am Nachmittag auffällt. Der Ort ist aufgebracht, das Kind war beliebt, die Mutter auch, der Vater dagegegen wurde eher mißtrauisch beäugt, weil er aufbrausend und auch gewalttätig war. ‚War‘, denn er brachte sich um. Im Gefängnis , denn er wurde als Mörder seiner Tochter angeklagt und verurteilt.

Ein sogenannter Cold case, von dem Mathilde Wold, angehende Journalistin, die für ein Jahr in der örtlichen Zeitung von Fagernes das Schreiben so richtig lernen will, im Crimecast von Markus Heger hört. Seine Stimme gefällt ihr, die Sendung auch, nur findet sie die angekündigte Fortsetzung nicht. Und da sie spürt, dass da etwas dran ist, ruft sie den Podcaster der Sendung DER SCHREI, DEN NIEMAND HÖRT an, wo sie die Fortsetzung findet. Doch Markus Heger muß sie enttäuschen, erklärt ihr aber, warum es keine Fortsetzung gab, die er vorhatte und ja auch angekündigt hatte. Es gab eine Frau, die Beweise hatte, dass der verurteilte Vater im Gefängnis nie und nimmer der Mörder hat sein können. Doch als er sie traf, trat sie von ihrer Aussage zurück und ohne sie konnte er den Fall nicht weiterverfolgen.

Das erzählt er ihr kurz am Telefon, doch sie forscht weiter, es fällt ihr etwas auf und sie versucht immer wieder, ihn telefonisch zu erreichen, doch er nimmt nicht auf, sie ist ihm lästig, er hat gerade ganz andere Probleme. Doch dann wird die junge Frau tot im Wald aufgefunden und obwohl die Polizei von einem Unglücksfall ausgeht, weiß er genau, dass sie umgebracht wurde. Was stimmt. Das weiß man aber erst am Schluß. Sie hatte nicht nur ausgezeichnet recherchiert, sondern war von alleine auf seine damalige Zeugin gestoßen, die, die ihn erst heiß gemacht hatte und dann ihre Aussage zurückgezogen hatte.

Markus Heger kann gar nicht anders, als sich jetzt erneut auf den alten Fall zu stürzen, denn er hat ein verdammt schlechtes Gewissen, dass er die Journalistin so hat hängen lassen, was sich verstärkt, als er später immer wieder erkennt, dass sie auf dem richtigen Weg war.

In einem kleinen Ort kennen sich die Leute, Leah abgeblieben ist, hatte er fallen gelassen, als die Zeugin einknickte. Daß er nicht stärker nachhakte, das weiß er im Nachhinein, liegt auch an seiner ungeklärten Situation, was seinen Vater angeht. Der sitzt wegen Dreifachmord im Gefängnis und es herrscht seither Funkstille zu ihm. Doch jetzt ist seine Mutter gestorben und beim Räumen der Wohnung, die er verkaufen will, kommen die Erinnerungen hoch, die ihn belasten, weshalb er nicht schlafen kann und endlich eine Psychologin aufsucht, die ihm zuhört, denn er hat viel zu erzählen.

Geschickt verquicken die Autoren, die Geschichte des Podcasters mit den handelnden Personen des Falls, wobei der Mann, der schon für Mathilde Wold so wichtig wurde, immer wichtiger wird. Es ist Karl Verndal, der damals für genau die Zeitung über den Vermißtenfall schrieb, in der Mathilde nun arbeitet und der alle seine Quellen in einem Karton gesammelt hatte, den er nun zur Verfügung stellt, erst ihr, nach Mathildes Tod, der natürlich kein Unfall war, sondern ein glatter Mord, übernimmt ihn Markus und wird in insgesamt vier Tagen tatsächlich die richtig komplizierte Geschichte klären und den Mörder überführen. Traurig, aber wahr. Und Markus hatte seinen Vater im Gefängnis besucht, der ihm entscheidend bei der Aufklärung der Morde helfen konnte, und sich erstaunlich gut mit ihm verstanden. Da kommt also noch was, denn dass dieser sympathisch dargestellte Mann ein Dreifachmörder sei, erscheint einem kaum möglich.

Ach so, der Titel des Krimis? Den des Podcast zu nehmen,  wäre sinnvoller und wahrer auch: „DER SCHREI, DEN NIEMAND HÖRT“.

Foto:
Umschlagabbildung

Info:
 Jørn Lier Horst, Jan-Erik Fjell, Hörst Du den Schrei?, blanvalet, 2026
ISBN 978 3 7645 0952 1