Andreas Schmidt läßt Mia Sommer in Wuppertal ermitteln
Claudia Schulmerich
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – In der Danksagung am Schluß liest man dann, dass dieser Krimi sozusagen Auftragsarbeit ist, weil der Verlag den Autor gebeten hatte, einen Krimi zu schreiben, der in Wuppertal spielt. Und ganz ehrlich, das Allerbeste an dieser grausigen, mit Morden gespickten Geschichte ist das, was man alles über Wuppertal erfährt. Denn gemeinhin kennt man die Schwebebahn, dass dort Pina Bausch ihr Tanztheater erfand und für mich wichtig: Else Lasker-Schüler (1869–1945) kommt von dort und liebte ihre Stadt.
Ungewöhnlich viele Schauspieler kommen aus Wuppertal oder wohnen dort. Da kann sich der Autor für seine Fortsetzungen, von denen er ausgeht, noch allerhand überlegen. Diesmal hat er eine Geschichte, die man sich gut als Tatort vorstellen kann, einfach weil so viel passiert, auch ein Mord nach dem anderen. Auf der einen Seite hat man ganz schön damit zu tun, die vielen Kriminalen – ha, da will mir das Rechtschreibprogramm ständig einen Kriminellen daraus machen und erst nach Beharren darf der Begriff unbeanstandet stehen bleiben, wo er doch nur den beschreibt, der bei der Kriminalpolizei Dienst tut. Also die vielen Kriminalen auseinander zu halten und erst recht, wer mit wem im Streifenwagen unterwegs ist, braucht ein gutes Gedächtnis. Auf der anderen Seite wird von Anfang an vom Verlies des Mörders berichtet, wo er eine Frau unter schlimmsten Bedingungen gefangen hält, aber nicht ermordet. Das wundert einen schon. Denn mit drei Frauen hat er kein Mitleid, die schlachtet er ab, inszeniert aber die Toten auf den ersten Blick so, dass sie gestürzt seien.
Der Beginn ist besonders grauslich. Die bekannte Psychologin Tessa Winkler wird spätabends, nahe ihrem Zuhause an einem Brunnen vom noch unbekannten Mörder stranguliert und dann mit dem Kopf ins Wasser gedrückt, so dass sie offiziell ertrunken ist und es auch erst einmal dauert, bis klar ist, dass sie ermordet wurde und nicht ein Unglücksfall ist. Dann wird auf einer bekannten Brücke eine Tote gefunden und auch da denkt man erst einmal an einen Unglücksfall. Doch die Messerstiche verraten den Täter. Und dann gibt es eine Dritte. Waren die beiden bisherigen Opfer aus völlig unterschiedlichem Milieu, trifft das auf die Dritte erst recht zu: eine junge Frau, von der man schnell weiß, dass sie diejenige ist, die nachts mit einem Messer die Reifen der Reichenautos aufschneidet, was viel Kraft kostet. Aber nicht das ist das Mordmotiv für den Täter. Das findet sich – clever gemacht – in einem Verein, dem die erste Tote vorstand, ein Verein, der sich für menschliche Kontakte zu Strafgefangenen, zu den bad boys genannten, ausspricht und diese Kontakte herstellt. Tatsächlich haben alle drei Tote damit zu tun und die zweite, die Ballettmaus, hatte sogar ihren Freund verlassen, weil sie sich erst über Briefe mit einem Häftling austauschte und sich dann verliebte, als er entlassen wurde.
Klar, so ein Freund ist ein potentieller Täter, aber auch die erste Tote hatte Männer um sich, die nun ein Alibi brauchen. Einen geschiedenen Ehemann, mit dem sie aber noch im Haus lebte, dicht dabei ihr neuer Liebhaber, aber schlafen tat sie mit beiden. Da geht es also locker zu, aber die Strafe, der Tod, folgt auf dem Fuß.
Bleibt noch die Frage, was mit der Frau ist, die den Anfang bestimmt, und über deren Überleben in einer Art Fabrik man ständig zwischendurch informiert wird. Letzten Endes liegt hier der Schlüssel zum Täter. Aber mehr kann und darf man nicht verraten.
Aber ein Wort noch zu den Polizisten. Ein wenig geht einem die Eifersucht der Kollegengattin und das pure gleichgeschlechtliche Glück der Mia Sommer auf die Nerven. Andreas Schmidt sollte sich nicht so ausgiebig mit lesbischer Liebe beschäftigen, das wirkt ein bißchen dahergeholt, brav runtererzählt, aber eben konstruiert.
Schon wegen Wuppertal würde ich den Fortsetzungsband auf jeden Fall lesen.
Foto:
Umschlagabbildung
Info:
Andres Schmidt, Hass ist meine Liebe, Kommissarin Mia Sommer ermittelt, Band 1, Knaur, Oktober 2025
ISBN 978 3 426 56130 0