Rede des Oberbürgermeisters Josef zum Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt am Main am 15. Januar im RömerRedaktion
Frankfurt am Main (Weltexpresso) - . Ungewöhnlich lang geriet die Rede des Oberbürgermeisters Mike Josef im Kaisersaal des Frankfurter Römer, der sowieso jeder Rede potentiell einen höheren Stellenwert gibt, weil die Bildnisse der deutschen Kaiser, besser: der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, das seit dem 15. Jahrhundert den Zusatz 'Deutscher Nation' erhielt, den Worten gleich etwas Historisches beimischen. Die Rede war nicht nur lang, sondern kam einem beim Zuhören bedeutend vor. Bei diesem Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt am Main am Donnerstag, 15. Januar, lässt Oberbürgermeister Mike Josef das vergangene Jahr Revue passieren, blickt zuversichtlich auf 2026 und betont die Kraft und das Verbindende der Gemeinschaft.
Sonst gibt es bei den Neujahrsempfängen einen Festredner und es war eine gute Entscheidung, den Gast des Abends, Rudi Völler (Fotol links), - heute Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), mit Vertrag bis zur EM 2028 - nicht eine Rede halten zu lassen, sondern ihn durch den langjährigen Pressechef des DGB, Harald Stenger (linkes Foto rechts), in ein ausführliches Gespräch zu verwickeln, das natürlich um Fußball ging, aber auch um die Stationen im Leben des in Hanau geborenen Rudi Völler. Nur, wenn man die Zeiten miterlebt hat, ist es einem selbstverständlich, daß es für den jungen Fußballer nichts Tolleres gab, als bei den Offenbacher Kickers mitspielen zu dürfen. Die Atmosphäre am Bieberer Berg war unvergleichlich. Das waren die Zeiten, wo Fußball noch vorrangig der Spaß und das Freizeitvergnügen der Arbeiterschaft war, wozu man damals noch Arbeiterklasse sagte, weil es stimmte. Das galt übrigens auch für den FSV, der so zwischen den Offenbacher Kickers und der eher neumodischen Eintracht stand. Völlig veränderte Zeiten heute, wo die Anhängerschaft weit gefächert ist und sich Banker damit brüsten, die Spiele zu verfolgen. Das Gespräch handelte einerseits um das Fußballerleben von Rudi Völler, dann aber auch um die kommende Weltmeisterschaft in diesem Jahr, von der Rudi Völler sich sicher ist: "Werden eine sehr gute WM spielen!"
HIER DIE REDE DES OB MIKE JOSEF
Sehr geehrte Damen und Herren, Ihnen allen wünsche ich auch ein frohes neues Jahr und, was für uns alle das Wichtigste ist, Gesundheit. Wir hören immer wieder, was nicht so gut läuft. In diesem Chor möchte ich aber nicht mitsingen. Wir haben einen friedlichen, stimmungsvollen Weihnachtsmarkt mit 2,3 Millionen Besucherinnen und Besuchern erlebt. Und was das Wichtigste ist: Wir hatten nicht nur den höchsten Baum in Deutschland, wir hatten vor allem den schönsten Baum.
Lieber Herr Feda, nicht nur, weil uns alle Frau Holle in diesem Jahr verzaubert hat, herzlichen Dank Ihnen und allen Kolleginnen und Kollegen, vor allem Dank, den vielen Helferinnen und Helfern der Blaulichtorganisationen: Sie sorgen dafür, dass wir Frankfurterinnen und Frankfurter zusammenkommen, zusammenfeiern, zusammenhalten.
Ja natürlich, wir stehen vor großen Herausforderungen. Dies will auch niemand leugnen. Aber es gibt auch andere, viel positivere Beispiele, bestimmt in Deutschland, aber auf jeden Fall in Frankfurt.
Ein beliebtes Spiel ist jedes Jahr das Ranking zu den lebenswertesten Städten. Nun messe ich normalerweise diesen Rankings nicht allzu viel Bedeutung zu, aber einen Trend zeigen sie auf jeden Fall an. In 2025 gab es drei wesentliche Untersuchungen von „The Economist“, von Mercer und Numbeo. Was macht denn eine Stadt lebenswert? Die Analyse der drei Studien zeigt, es kommt auf mehrere Faktoren an:
1. Politische und wirtschaftliche Stabilität
2. Die Qualität der öffentlichen Infrastruktur von Gesundheitsversorgung bis öffentlichen Nahverkehr
3. Umweltqualität und Nachhaltigkeit
4. Der soziale Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt
Warum sage ich Ihnen das? Weil Frankfurt in der Zusammenfassung der drei Studien im weltweiten Vergleich auf Platz 8 landet. Deutlich vor allen anderen deutschen Städten und vor vielen Millionen-Metropolen dieser Welt.
Ich darf aus der Zusammenfassung zitieren: „Als Sitz der Europäischen Zentralbank und wichtigstes kontinentaleuropäisches Finanzzentrum verbindet sie globale Wirtschaftskraft mit hoher Lebensqualität…Die Mainmetropole überzeugt durch ihre einzigartige Mischung aus internationaler Finanzwelt und lebenswerter Großstadt. Als einzige deutsche Stadt mit einer markanten Skyline verbindet sie Weltstadt-Flair mit überschaubaren Dimensionen.“
Oder etwas salopp, aber irgendwie auch treffend, hat es eine Untersuchung zusammengefasst, die Frankfurt als Top Reiseziel ausgewählt hat: Wir sind eben eine Weltstadt im Taschenformat.
Und darum sind wir auch genau der richtige Ort für die World-Design Capital – auf die wir uns zusammen sehr freuen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Gemeinsam werden wir hart daran arbeiten, unsere Position noch zu verbessern. Wir sind viel stärker als wir es selbst glauben, darum werden wir es auch gemeinsam schaffen.
Machen wir uns nicht kleiner, als wir sind. Frankfurt bringt alles mit, um eine gute Zukunft zu schaffen: Wir haben dafür alle Potenziale, alle Chancen!
Nehmen wir das Thema Sicherheit. Ohne Zweifel haben wir die Situation in Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidenten und des Hessischen Innenministeriums verbessern können. Wir sind aber noch nicht da, wo wir sein wollen. Das haben gerade die Ereignisse an Silvester gezeigt, die Angriffe auf Rettungskräfte und das Abfeuern von Raketen in die feiernde Menge.
Wer unsere Rettungskräfte angreift, greift unsere Gemeinschaft an. Ich begrüße stellvertretend für alle, unseren ehrenamtlich aktiven Vorsitzenden des Frankfurter Roten Kreuzes, Walter Seubert.
Ich will Dir und allen versichern: Hier gibt es Null Toleranz. Justiz und Polizei müssen schnell und hart reagieren. Auch von jedem von uns und unserer ganzen Stadt erwarte ich eine klare Haltung. Es gibt niemals eine Legitimation für Gewalt, und schon gar keine Legitimation für Gewalt gegen Menschen, die unsere Sicherheit schützen.
Liebe Gäste,
Wir haben im Bahnhofsviertel in den vergangenen Jahren vieles getan: Waffenverbotszonen, mehr Videokameras, häufigere Reinigungsintervalle, Aufwertung des Stadtentrees Kaiserstraße und andere Maßnahmen. Aber das alles reicht noch nicht. Die Situation ist nicht zu beschönigen. Die Situation kann so nicht bleiben: Weder im Interesse der kranken Menschen noch im Interesse unserer ganzen Stadt.
Wir müssen noch stärker ausstiegsorientiert arbeiten, für die suchtkranken Menschen. Auch jeder suchtkranke Mensch hat eine eigene Menschenwürde, und das Recht darauf, dass wir uns um ihn kümmern und alles versuchen, um ihn aus der Todesspirale der Drogensucht zu befreien!
Liebe Gäste,
Sauberkeit und Sicherheit hängen eng zusammen, wir wollen eine lebenswerte Stadt: Wir haben darum die Bußgelder für das Vermüllen unserer Stadt deutlich erhöht. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine Respektlosigkeit gegenüber unserem guten Zusammenleben. Hier sind verstärkte Kontrollen notwendig. Neben häufigeren Reinigungsintervalle im Bahnhofsviertel und anderswo ist das Thema Sauberkeit in den zentralen unterirdischen Bahnhöfen der VGF nun in einer Hand. Sicherheit und Sauberkeit prägen nämlich das Bild einer Stadt in erheblichem Ausmaß und sind für das Lebensgefühl der Frankfurterinnen und Frankfurtern zu Recht ein wichtiges Thema.
Liebe Gäste,
es gibt große Infrastruktur-Projekte, die in letzter Zeit entscheidende Schritte vorangekommen sind. Sie sind für die Attraktivität und die Wirtschaftsstärke unserer Stadt von großer Bedeutung. Die großen demokratischen Oppositionsparteien im Stadtparlament sind in die Entscheidungen einbezogen worden. Denn wir können nicht nach jeder Kommunalwahl die Themen immer wieder neu aufrollen.
Die Grundsatzentscheidungen beispielsweise Neubau Städtische Bühnen oder auch Multifunktionshalle mussten deshalb mit breiter Mehrheit getroffen werden. Bei wichtigen Fragen der Stadtentwicklung ist Kontinuität notwendig. Das vergangene Jahr hat gezeigt: Die kommunale Familie stellt das Interesse ihrer Stadt über das Partikularinteresse ihrer Partei. Das zeigt doch, dass Demokratie eben auch funktioniert. Mein Dank an alle, die in diesem Geist gehandelt haben.
Eine funktionierende Demokratie, die sich der Lebensrealität der Menschen stellt, ist die beste Antwort auf extremistische Demagogen, die Probleme nicht lösen, sondern verschärfen wollen. Die immer das Trennende, aber nie das Verbindende suchen. Die von der Angst der Menschen leben und Hass schüren. Aber das ist nicht unser Weg, unser Frankfurter Weg ist das genaue Gegenteil!
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich erinnere mich noch gut, nachdem die Koalition im Sommer vergangenes Jahr zerbrochen ist, dachten viele, jetzt passiert nichts mehr.
Aber das Gegenteil war der Fall. Alle großen demokratischen Parteien beschäftigten sich pragmatisch mit den für unsere Stadt wichtigsten Themen.
Wir konnten mit unterschiedlichen Mehrheiten stadthistorische Entscheidungen für Frankfurt treffen: Der neue „Stadtteil der Quartiere“ und die Einhausung der A661. 5 In dem einen Fall geht es vor allem um den Bau von dringend benötigtem bezahlbarem Wohnraum, in dem anderen geht es um eine längst überfällige städtebauliche Korrektur.
Weitere Entscheidungen über die Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments, in dem sich junge Menschen politisch betätigen können, die Gründung einer Bildungsbaugesellschaft, um den Sanierungsstau an Schulen schneller zu beheben, sowie den Erzieherinnenzuschlag, der der Personalnot in den Kitas entgegenwirken soll, sind mit ebenfalls wechselnden Mehrheiten gefallen. Wie heißt es so schön: Es geht doch, wenn wir die Themen aufgreifen, die den Menschen zu Recht wichtig sind. Wenn wir an den Anfang und an das Ende aller Diskussionen eine einfache Frage
stellen: Was ist gut für Frankfurt?
Das Gemeinwohl muss das Ziel sein, der Streit aber gehört zur Demokratie. Der leidenschaftliche Streit, das Argument, der permanente Versuch das für richtig Erkannte durchzusetzen. Das ist das Wesen einer erfolgreichen Demokratie.
Davon lebt die Demokratie, auch davon keine Angst haben zu müssen, offen seine Meinung zu sagen. Es muss uns dabei immer darum gehen was jemand sagt und nicht wer etwas sagt. Bleiben wir offen und empathisch und unterstellen wir uns nicht immer gleich das schlechtmöglichste Motiv, hören wir einander zu und suchen wir das Gespräch mit Menschen, die eine ganz andere Meinung haben, das ist oft viel interessanter und spannender als die ständige Bestätigung des eigenen Weltbilds.
Liebe Gäste,
gut für Frankfurt ist eine starke Wirtschaft, denn sie ist die Grundlage für sichere Arbeitsplätze. Eine starke Wirtschaft ermöglicht es nicht nur, die Stadt weiter neu zu entwickeln, sondern auch die Menschen zu unterstützen, die sich unsere Stadt kaum noch leisten können.
Dazu gehört neben dem bereits erwähnten „Stadtteil der Quartiere“ mit neuem bezahlbarem Wohnraum auch der Erzieherinnenzuschlag. Er ist notwendig für die Betreuungsgarantie. Nur wenn sie erfüllt wird, kann Arbeit und Familie in Einklang gebracht werden. Schon bisher haben Kinder und Jugendliche freien Eintritt in städtischen Einrichtungen wie Schwimmbäder, die allermeisten in den Palmengarten, das Senckenbergmuseum oder unseren Zoo. Kita-Gebühren haben wir abgeschafft. Den Mietenstopp verlängert. Die Investitionen in bezahlbare Wohnungen drastisch erhöht, so wie auch die Einkommensgrenzen für den Frankfurt Pass.
Das sind wichtige Errungenschaften für die Frankfurterinnen und Frankfurter, denen weitere Entlastungen folgen müssen, denn unser Ziel ist es, die Menschen mitzunehmen bei der rasanten Entwicklung dieser Zeit: Frankfurt ist eine Stadt für alle Menschen, nicht nur für Menschen, die es sich leisten können!
Wir können es uns gemeinsam leisten, in Bildung und sozialen Zusammenhalt zu investieren, weil wir eine starke wirtschaftliche Basis haben.
Wenn Sie in andere Städte schauen, dann werden Sie schnell merken: Wirtschaftliche Stärke und sozialer Zusammenhalt sind keine Gegensätze, sie sind zwei Seiten einer Medaille.
Ich bin darum der IHK dankbar, dass sie die Initiative ergriffen hat, um dafür zu werben, dass wir Menschen eine dauerhafte Perspektive eröffnen, die hier eine Ausbildung erfolgreich absolviert haben, die hier in Frankfurt für uns alle wichtige Arbeit leisten.
Wir werden nicht den Ideologen auf den Leim gehen, deren Politik in kurzer Zeit zu einem Wohlstandsverlust führen, der genau die wirtschaftliche Basis zerstören würde, die für unseren sozialen Zusammenhalt unerlässlich ist.
Wir Frankfurterinnen und Frankfurter sind Herausforderungen schon immer mit pragmatischer Vernunft und lebensnaher Humanität begegnet. Das schließt sich nämlich überhaupt nicht aus. Unsere internationale Vielfalt ist auch Basis unseres wirtschaftlichen Erfolges. Diese Erfolgsgeschichte werden wir gemeinsam fortsetzen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die nächste Legislaturperiode wird bestimmt sein von der Umsetzung der von mir genannten großen Investitionsvorhaben. Darauf müssen wir uns in den kommenden Jahren konzentrieren. Es geht jetzt nicht um Symbolpolitik, Einzelinteressen oder theoretische Debatten, es geht um die konkrete Lebensrealität:
Für bessere Schulen, bezahlbare Wohnungen, Kultur für alle, eine bezahlbare und humane Stadt, für eine Sportstadt – ich freue mich auf unsere Frauen-EM – für eine sichere und sauberere Stadt, für eine Stadt des Engagements und der Vereine, für eine wirtschaftsstarke und soziale Stadt. Wir werden – das ist mein Anspruch an uns alle – immer die ganze Stadt im Blick haben. Immer versuchen das Gemeinwohl im Blick zu haben. Die Menschen in Frankfurt erwarten das zu Recht von uns.
Es gilt in dieser turbulenten Zeit darum die Gruppeninteressen im Sinne des Gemeinwohls zusammenzuführen. Wir suchen nicht die Differenz, wir suchen das Verbindende. Wir wollen keine Gesellschaft der Angst, der Ausgrenzung und der Ungleichheit. Wirtschaftliche Stärke und soziale Gerechtigkeit sind keine Gegensätze. Wie ein Freund von mir immer sagt: Wir sind alle Frankfurter! Unsere Stadt ist so viel mehr als die Summe ihrer Einzelteile.
Großartige Projekte, Menschen, die ehrenamtlich viel bewegen und wenig darüber sprechen, wir alle lieben Frankfurt, wir alle wollen Erfolg, Glück, Zusammenhalt. Wir wollen eine friedliche Stadt, in der unsere Kinder die besten Chancen haben und die niemanden ausgrenzt.
Streiten wir über den Weg, aber nicht über das Ziel.
Nehmen wir an, was dieses Jahr bringen mag. Frankfurt bietet so viele Chancen, ergreifen wir sie – gemeinsam.
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