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Kategorie: Heimspiel

ganze grußßeDer Frankfurter Polizeichor, Teil 2/2

Nicolai Bockelmann

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Bewölkt aber trocken begann unser Ausflug von Frankfurt am Main nach Traben-Trarbach an der Mosel in Rheinland-Pfalz. Wir standen hinter dem Polizeipräsidium an der Ecke Bertramstraße/Polizeimeister-Kaspar-Straße und unser Geschäftsführer Scherah erzählte uns, daß er mit dem Enkel von Polizeimeister Kaspar Streife gefahren ist.


Kleine private Erinnerung: diesen Polizeimeister Kaspar hat der Fernsehredakteur und Schriftsteller Valentin Senger - ein Kollege und Freund meines Vaters Dr. Andrej Bockelmann - in seinem autobiographischen Roman „Kaiserhofstraße12“ beschrieben, wie er heldenhaft der jüdischen Familie Senger geholfen hat: Er warnte sie vor der Gestapo und manipulierte zu ihrem Schutz vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten die Einwohnermeldekarten der Familie.

Unser weißer Mercedes Reisebus aus Offenbach am Main hatte eine halbe Stunde Verspätung, um 13:30 Uhr ging es dann los. Wir waren 16 Sänger, und der „Baron“ hat im Bus für jeden ein Getränk ausgegeben.

Über die A 66 sind wir entspannt über Wiesbaden und Mainz, dann auf der A 60 – an Bingen vorbei – durch den Hunsrück auf die A 61 nach Trarbach gefahren. Durch das Jugendstilstadttor ging es über die Moselbrücke nach Traben zum Zentralen Omnibus- und DB Bahnhof. Auf der Fahrt habe ich meinen Mitgliedsantrag ausgefüllt und diesen - nach Rücksprache mit unserem Vereinsvorsitzenden Rainer Wagner - unserem Geschäftsführer Gerhard Wäger überreicht.

 

Am Bus hat uns unser Reiseführer Gerd Stieler abgeholt. Er ist Önologe, also Fachmann für Weinbau und Weinherstellung. Er ist in Traben-Trarbach aufgewachsen und hat in Geisenheim am Rhein und in den USA studiert. Auf dem idyllischen Stadtrundgang durch Traben, vorbei an dem ausgezeichneten „Romantik Jugendstilhotel Bellevue“, fing es kräftig zu regnen an. Unser „Sonnenschein“ und Chorleiter Dr. Steffen Bücher, auch Regierungsdirektor im hessischen Kultusministerium, war noch rechtzeitig in seinem Kleinwagen angereist und zu uns aufgeschlossen.

Unter der ehemaligen Jugendstilbrücke, erbaut durch den Stararchitekten Bruno Möhring, im zweiten Weltkrieg zerstört, befindet sich der Eingang in die „Traben-Trarbacher Unterwelt“. Gerd Stieler führte uns durch den ersten von drei Weinkellern - mit Erzählungen zur Geschichte des historischen Weinbaus, der alten Kellertechnik, sowie Wissenswertem über die Kellereiwirtschaft und den Weinhandel. Nach der französischen Stadt Bordeaux war Traben-Trarbach mit seinem Riesling Wein um 1900 der zweitgrößte Weinumschlagplatz Europas.

Gegenüber dem letzten Weinkeller unserer Führung - also vis a vis der Moselle, wie Franzosen die Mosel nennen - befindet sich das „Buddha-Museum“ im Stadtteil Trarbach, Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, - ein vielleicht lohnenswerter Abstecher für Fluggäste, die als Touristen zum nur ca. zwanzig Autominuten entfernten Flughafen Hahn in Lautzenhausen mit dem Auto unterwegs sind.

Dann ging der Ausflug mit dem Polizeichor-Frankfurt im Reisebus weiter, als zweite Tagesetappe stand auf dem Programm eine Käse- und Wein-Degustation mit ausgewählten Spezialitäten und Weinen des Weingutes C.H. Berres in Ürzig an der Mosel.

Die Fahrt dahin ist an sich eine Talfahrt, denn in Koblenz fließt die Mosel in den Rhein, das Navi des Busfahrers hat uns aber in die Höhen der schönen Weinberge an der Mosel geführt. Ab dem Ortseingang von Ürzig hat uns der Busfahrer sicher durch ein wahres Nadelöhr aus engen Gassen in einer kurvenreichen Ortschaft gebracht.

Im Weingut C.H. Berres erwartete uns schon der Winzer mit seinem Partner an gedeckter Tafel, - auf den Tellern uhrförmig angerichtete Käsesorten. Zu den acht unterschiedlichen Käsen gab es verschiedene Rieslings aus unterschiedlichen Jahrgängen. Für mich gab es Traubensaft, da ich keinen Alkohol mehr trinke. Die Käsesorten hatten klangvolle Namen wie z.B. Berdorfer Vieux, Zickorino oder Troufleur. Bei den Weinen handelte es sich um Riesling Sekt, Erdener Treppchen und vor allem Ürziger Würzgarten Riesling.

Die Degustation fand in zwei Abschnitten statt, unterbrochen von einer Pause, in der wir singen konnten. Schnell war das Keyboard von Meister Dr. Steffen Bücher aufgebaut, und dann haben wir kurzfristig den Busfahrer mit unserer weinseligen Interpretation vom „Eintrachtlied“ vom Tisch „vertrieben“, weil er Fan eines anderen Fußballvereins ist. Für uns war es eine gute Probe für unseren damals noch bevorstehenden Auftritt im Polizeibistro zum Hessentag in Bad Vilbel.

Da sich die Degustation ein wenig in die Länge gezogen hatte, durfte ich die Mitfahrgelegenheit bei Dr. Steffen Bücher in Verbindung mit einer Bahnfahrt nutzen, um dann, wie sich später herausstellte, doch ungefähr gleichzeitig mit dem Reisebus in Frankfurt anzukommen, um dort meinen Nachtdienst an der Rezeption im Hotel Villa Orange in Frankfurt am Main antreten zu können.

Herzlichen Dank den Organisatoren und Veranstaltern des schönen und interessanten Ausflugs an die Mosel.

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