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Kategorie: Film & Fernsehen

Steppenwolf TV1Musikdokumentation der Langfassung als TV-Erstausstrahlung am Samstag, 29. November 2025 beim NDR Fernsehen

Margarete Ohly-Wüst

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Steppenwolf ist eine US-amerikanisch-kanadische Hard-Rock Band der späten 1960er und frühen 1970er Jahre und zählt seit dieser Zeit zu den legendärsten und zugleich rätselhaftesten Bands in der Geschichte der Rockmusik. An der Grenze zwischen Mainstream und psychedelischem Underground eröffnete ihr Song "Born to Be Wild" den Kultfilm ″Easy Rider″ (1969) und wurde dabei zur Hymne einer ganzen Generation. Der neue, harte Sound von Steppenwolf war ein Stich ins Herz des "Summer of Love" und beendete das Hippie-Zeitalter. Daneben spielten sie eine entscheidende Rolle bei der Namensgebung eines ganzen Musikgenres, denn sie waren die Ersten, die von ″Heavy Metal″ sangen und diesen Begriff bewusst verwendeten.


Die Band Steppenwolf wurde nach dem Roman von Hermann Hesse benannt. Was aber nur wenige Menschen wissen, ist, dass die Band mit dem aus Ostpreußen stammenden Sänger John Kay - geboren 1944 als Joachim-Fritz Krauledat in Tilsit – er war ein Kriegsgeflüchteter aus Ostpreußen, dessen Familie 1958 nach Kanada emigrierte - und dem Bassisten Nick St. Nicholas - geboren 1943 als Karl Klaus Kassbaum in Plön, der aus einer angesehenen hanseatischen Familie stammt, die nach dem 2. Weltkrieg nach Kanada auswanderte - zwei deutsche Auswandererkinder in ihren Reihen haben bzw. hatten. Sie trafen sich zunächst in Toronto, bevor sie gemeinsam nach Kalifornien weiterzogen.

Steppenwolf wurde 1967 von John Kay, Jerry Edmonton, Michael Monarch und Goldie McJohn gegründet. 1969 stieß Nick St. Nicholas als Bass-Gitarrist dazu.

Kern der Dokumentation ist, wie diese beiden Jungen, die mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen ins Leben gestartet sind, doch über die Musik ihren Weg finden. John Kay trotzt seiner starken Sehbehinderung und Nick – der seit 1980 nicht mehr Teil der Band ist - gelingt es, sich aus dem autoritären Schatten seines Vaters zu befreien. Es ist eine Geschichte, die heute mehr denn je inspiriert, ermutigt und eine universelle Tragweite besitzt.

Steppenwolf TV2In langen intensiven Interviews erzählen John und Nick erstmals ihre Geschichte. So führt diese Dokumentation vom kriegsgebeutelten Deutschland zu den Straßen der Arbeiterklasse in Toronto und weiter nach Los Angeles, wo die Band zu Ruhm aufsteigt und dann jäh abstürzt.

Weitere Bandmitglieder wie Michael Monarch und der geheimnisumwitterte Songwriter Mars Bonfire, der einst "Born To Be Wild" schrieb, ergänzen John Kay und Nick St. Nicholas. Darüber hinaus wartet der Film mit einer Vielzahl an nie gesehenen Filmen aus dem Privatarchiv von Nick St. Nicholas auf.

Die Musik von Steppenwolf provozierte von Anfang an: Die ersten Songs wie ″Sookie Sookie″ waren so stark sexuell konnotiert, dass sie in den puritanischen Südstaaten von den Radiosendern boykottiert wurden. Der Durchbruch gelang Steppenwolf schließlich, als Dennis Hopper und Peter Fonda 1968 zwei Songs – ″Born to Be Wild″ und ″The Pusher″ – für den Soundtrack ihres Films "Easy Rider" auswählten. Von da an kann sich die Band vor Anfragen kaum noch retten.

Steppenwolf hatte seine ganz eigene Ästhetik und brachte Ende der 1960er Jahre einen nihilistischen Zug in den Pop. Schwarze Lederkluft, dunkle Sonnenbrillen, Motorradkult, Soundtrack für Treffen der Hells Angels. Man spürt deutlich: Der ″Summer of Love″ ist endgültig vorbei. Diese Band atmet nicht mehr den Hippie-Geist der früheren Jahre. In den USA gelten Steppenwolfs Songs längst als ″National Treasure″ und werden immer wieder neu belebt, gefeiert und gespielt.

Interviews wurde geführt mit den Steppenwolf-Mitgliedern John Kay, Nick St. Nicholas, Michael Monarch, den Künstlern Mars Bonfire, Alice Cooper, Taj Mahal, Regisseur Cameron Crowe, Klaus Meine (Scorpions), Jello Biafra (Dead Kennedys), Dale Crover (Melvins) und Bob Ezrin (Produzent von u. a. Kiss, Pink Floyd, Taylor Swift).

Steppenwolf TV3Durch diesen Film wird auch die Musik von Steppenwolf wieder entdeckt. Die Band, deren Ruhm durch einen Song zementiert wurde, wird bis heute auf wenige Songs reduziert. Dabei hat Steppenwolf, indem sie verschiedene Stile gemischt hat, musikalisches Neuland erschlossen. Mehr als ein Dutzend Original-Steppenwolf-Songs sind in diesem Film zu hören – und dazu als besonderes, exklusives Extra - das erste, noch nie veröffentlichte Demo-Band von "Born To Be Wild".

Folgende Original-Steppenwolf-Songs sind neben ″Born to Be Wild″ im Film enthalten:
-- Ball Crusher
-- Hodge, Podge, Strained Through a Leslie
-- It’s Never Too Late
-- Lip Service
-- Lovely Meter
-- Magic Carpet Ride
-- Monster
-- The Pusher
-- Renegade
-- Rock Me
-- Sookie Sookie
-- Screaming Night Hog
-- Tighten Up Your Wig

Es lohnt also nicht nur für Fans der Band, sich die spannende Musikdokumentation im Fernsehen oder in der Mediathek anzusehen.

Foto 1: Steppenwolf beim Fotoshooting in München 1969 © MFA Film GmbH / Didi Zill
Foto 2: John Kay bei den Dreharbeiten in Toronto © MFA Film GmbH / Dustin-Rabin
Foto 3: Die Verwendung von ″Born to Be Wild″ als Titelmusik von ″Easy Ride″ (1969) machte Steppenwolf weltberühmt (mit Dennis Hopper und Peter Fonda) © Columbia Pictures/Photofest

Info:
Born to Be Wild - Eine Band namens Steppenwolf (Kanada, Deutschland 2024)
Originaltitel: Born to Be Wild: The Story of Steppenwolf
Genre: Musik, Dokumentation, Biografie
Filmlänge: ca. 100 Min.
Regie: Oliver Schwehm
Drehbuch: Catherine Bainbridge, Oliver Schwehm
Mit: Steppenwolf (John Kay, Nick St. Nicholas, Michael Monarch), Mars Bonfire, Alice Cooper, Klaus Meine, Taj Mahal, Cameron Crowe u.a.
FSK: ab 12 Jahren
Die Originalfassung ″Born to Be Wild - Eine Band namens Steppenwolf″ wird am Sa. 29.11.2025 um 23:15 Uhr als Sender-Erstausstrahlung beim NDR-Fernsehen gezeigt. In der ARD-Mediathek ist die Dokumentation nach der TV-Ausstrahlung exklusiv für 120 Tage abrufbar.

Zusatz: Die auf 54 Minuten gekürzte Fassung ″Born to Be Wild – John Kay und Steppenwolf″ (2024) wurde bereits am Di. 25.11.2025 um 01:25 Uhr als Sender-Erstausstrahlung bei ARTE gezeigt. Die Dokumentation wird dort am Fr. 05.12.2025 um 21:40 Uhr und am Sa. 13.12.2025 um 05.15 Uhr wiederholt. Sie ist in der ARTE Mediathek vom 24.11.2025 bis zum 21.02.2026 verfügbar.