Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 31. Dezember 2025, Teil 1Redaktion
Paris (Weltexpresso) - „Jeder Mann, der bei der Beerdigung seiner Mutter nicht weint, läuft Gefahr, zum Tode verurteilt zu werden.“ So fasste Albert Camus, Nobelpreisträger für Literatur, sein Werk „Der Fremde“ (L’Étranger) zusammen, als er gebeten wurde, ein Vorwort für die amerikanische Übersetzung seines berühmten Romans zu schreiben.
Das von Gallimard herausgegebene Buch war nach seinem Erscheinen im Juni 1942 sofort ein Erfolg. Nachdem André Malraux das Manuskript gelesen hatte, erklärte er beeindruckt: „Merken Sie sich meine Worte: Das wird ein großer Schriftsteller.“ Jean Paulhan, ein einussreicher Lektor, schrieb in seinem Gutachten: „Das ist ein erstklassiger Roman.“
Das Werk hat Epochen überdauert und Generationen so fasziniert, dass es zu einer legendären Geschichte wurde, die in fast jede Sprache und unzählige Dialekte übersetzt wurde. Bis heute gehört es – neben „Der kleine Prinz“ – zu den drei meistgelesenen französischsprachigen Romanen der Welt. In Frankreich wurden allein von der Taschenbuchausgabe fast
zehn Millionen Exemplare verkauft.
„Der Fremde“ gilt als einer der größten Romane der Welt und war Gegenstand zahlreicher Adaptionen, darunter sogar eine Tanzaufführung. Dennoch gab es nur eine wirklich erfolgreiche Verlmung: Luchino Viscontis DER FREMDE aus dem Jahr 1967. Es handelte sich um eine italienisch-französische Koproduktion unter der Produktion von Dino De Laurentiis, mit
Marcello Mastroianni und Anna Karina in den Hauptrollen. Zu Camus’ Lebzeiten hatte Ingmar Bergman den Wunsch geäußert, „Der Fremde“ zu verlmen, doch das Projekt wurde nie verwirklicht.
Bezugnehmend auf seinen Roman schrieb der Autor:
„Ich wollte lediglich sagen, dass der Held meines Buches verurteilt wird, weil er nicht mitspielt. In dieser Hinsicht ist er der Gesellschaft, in der er lebt, fremd; er wandert am Rande, in den Vororten eines privaten, einsamen, sinnlichen Lebens.“
Mehr als 80 Jahre später hat das Werk nichts von seiner Faszination verloren.
(Quellen: Brève histoire illustrée de la publication, Gallimard / Albert Camus’ Vorwort zur amerikanischen Ausgabe)
Foto:
©Verleih
Info:
DER FREMDE
Ein Film von
FRANÇOIS OZON
Originaltitel: L’Étranger
Frankreich 2025
Kinostart: 1. Januar 2026
Laufzeit: 122 min
FSK: ab 12 Jahren (beantragt)
Besetzung
Meursault Benjamin Voisin
Marie Cardona Rebecca Marder
Raymond Sintès Pierre Lottin
Salamano Denis Lavant
Der Geistliche Swann Arlaud
Richter Christophe Malavoy
Staatsanwalt Nicolas Vaude
Untersuchungsrichter Jean-Charles Clichet
Meursaults Mutter Mireille Perrier
Djemila Hajar Bouzaouit
Moussa Abderrahmane Dehkani
Céleste Jérôme Pouly
Peger im Altersheim Jean-Claude Bolle-Reddat
Masson Christophe Vandevelde
Leiter des Altersheims Jean-Benoît Ugeux
Stab
Regie & Drehbuch François Ozon
Drehbuch Philippe Piazzo
basierend auf dem gleichnamigen Roman von Albert Camus
Abdruck aus dem Presseheft