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Kategorie: Film & Fernsehen
wikipediaDie Preisträger:innen des 47. Filmfestival Max Ophüls Preis, Tei1/2

Redaktion

Saarbrücken Weltexpresso) - Nach einer ereignisreichen Woche voller Filmkunst, Austausch und Begegnung wurden am gestrigen Abend im E Werk Saarbrücken in einer feierlichen Preisverleihung die Gewinner:innen der diesjährigen Festivalausgabe bekanntgegeben.

Die Gäste im Saal wurden von der künstlerischen Leiterin Svenja Böttger und der Gesamtleitung Programm Theresa Winkler begrüßt. Unter ihnen waren die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die saarländische Ministerin für Bildung und Kultur Christine Streichert-Clivot, der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Saarbrücken Uwe Conradt sowie die Saarbrücker Kultur- und Bildungsdezernentin und Co-Geschäftsführerin des Filmfestivals Dr. Sabine Dengel. Zahlreiche weitere Gäste aus der Film- und Kulturbranche begleiteten den Abend.

Rückblickend auf die Festivalwoche betonte Svenja Böttger die besondere Atmosphäre in den Kinos und in der Stadt:
„Die Festivalwoche war geprägt von Begegnungen, offenen Gesprächen und emotionalen Momenten. Es war wunderbar zu beobachten, wie die Filme und ihre Macher:innen hier Menschen zusammengebracht haben. Unser großer Dank gilt den Filmteams, die ihre Arbeiten mit uns geteilt haben, ebenso wie unserem neugierigen und weltoffenen Publikum.“

Auch Theresa Winkler zog ein positives Fazit der vergangenen Tage und hob die Offenheit des Festivals hervor:
„In dieser Woche wurden viele Türen weit geöffnet und die Zuschauer:innen sind mit großer Neugier in neue Räume, neue Filmwelten und Perspektiven eingetreten. Unser Dank gilt unseren Jurymitgliedern sowie den zahlreichen Gästen aus der Filmbranche, die ihre Erfahrung großzügig geteilt und den Talenten wertvolle Einblicke ermöglicht haben. Nun blicke ich voller Vorfreude auf den letzten Publikumstag am morgigen Sonntag in unseren Festivalkinos in Saarbrücken und im Saarland.“

Insgesamt wurden am Abend 18 Preise mit einer Gesamtdotierung von 123.500 Euro verliehen. Durch den Abend führten Simin Sadeghi und Eugene Boateng, unterstützt von den Gebärdendolmetscherinnen Mirjam Link und Karina Juchem, die zur barrierefreien Gestaltung der Veranstaltung beitrugen.

Nach dem letzten Festivaltag amheutigen Sonntag bleibt das Streaming-Angebot des Filmfestivals noch bis Sonntag, 1. Februar 2026, um 23:59 Uhr verfügbar.
Copyright: ffmop / Oliver Dietze


Die Preisträger:innen im Überblick:

MAX OPHÜLS PREIS: BESTER SPIELFILM

Der Max Ophüls Preis für den besten Spielfilm ist mit 36.000 Euro dotiert und wird vom Filmfestival Max Ophüls Preis zusammen mit der Landeshauptstadt Saarbrücken vergeben. Die Preissumme wird zu drei gleichen Teilen an den/die Regisseur:in, den/die Produzent:in und an den Verleih ausgezahlt, der einen Kinostart des Films innerhalb von zwölf Monaten realisiert.
Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTER SPIELFILM geht an den Film GROPIUSSTADT SUPERNOVA von Ben Voit.

Begründung:
Dieser Film erzählt über: Liebe. Liebe als treibende Kraft. Mit großer filmischer Intensität entsteht ein Sog, der uns mit existenziellen Entscheidungen konfrontiert. Ein warmer Blick auf vermeintlich bekannte Welten, die sonst oft von oben herab betrachtet werden. Die Figuren sind lebendig und so glaubwürdig interpretiert, dass wir gar nicht mehr wegschauen wollen. Man hofft mit ihnen und fürchtet um sie.
Jury Wettbewerb Spielfilm: Piet Baumgartner, Thelma Buabeng, Jutta Feit, Nina Frese, Simon Dat Vu


MAX OPHÜLS PREIS: BESTE REGIE (Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin)

Der Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger geht an eine herausragende Regieleistung im Wettbewerb Spielfilm und ist mit 5.500 Euro dotiert. Ergänzt wird der Preis durch eine Verleihförderung in Höhe von 5.500 Euro, wenn der Film innerhalb von zwölf Monaten in die deutschen Kinos kommt.
Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTE REGIE (Filmpreis der saarländischen Ministerpräsidentin) geht an Magdalena Chmielewska für TERESAS KÖRPER.

Begründung:
Präzise beobachtet dieser Film das Abgründige im Alltäglichen. Mit radikaler Poesie und visueller Eleganz wird unser Blick gelenkt: Auf das Unausgesprochene, auf Verletzlichkeit und Zusammenhalt. Mit intimen Bildern und fragmentarischer Montage wird eine ganz eigene filmische Sprache entwickelt, die das Publikum herausfordert und dabei lange nachhallt. Ein feines, aber umso kraftvolleres Porträt einer eigenwilligen Heldin.
Jury Wettbewerb Spielfilm: Piet Baumgartner, Thelma Buabeng, Jutta Feit, Nina Frese, Simon Dat Vu


MAX OPHÜLS PREIS: BESTES DREHBUCH (FRITZ-RAFF-DREHBUCHPREIS)

Der mit 13.000 Euro dotierte Drehbuchpreis wird vom Saarländischen Rundfunk und dem ZDF vergeben und zeichnet ein Buch aus dem Wettbewerb Spielfilm aus.
Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTES DREHBUCH (FRITZ-RAFF-DREHBUCHPREIS) geht an Ali Tamim für NOAH.

Begründung:
Beeindruckend dicht, nah an den Figuren und sprachlich präzise arbeitet der Film mit einer zentralen Leerstelle, die das Schicksal seiner Protagonist:innen bedingt. Jede Figur verfolgt ein eigenes Ziel und muss am Ende schmerzlich erkennen, dass es etwas gibt, das größer ist als sie selbst. Und dennoch sind sie keine bloßen Opfer ihrer Verhältnisse: Sie changieren zwischen Ohnmacht und Handlungsspielräumen. Alle erleben Brüche – was zu Beginn als Gesetz erscheint, entlarvt sich am Ende als falsche Verheißung. Das Drehbuch scheut weder große Referenzen noch archetypische Erzählungen und bezieht dabei eine klare Position. Ein Film, der Betroffene rassistischer Gewalt konsequent zentriert und zugleich die Ambivalenzen ihrer Erfahrungen spürbar macht.
Jury Bestes Drehbuch: Daniel Blum, Raquel Dukpa, Oliver Hottong


MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS SPIELFILM

Der Publikumspreis im Wettbewerb Spielfilm geht an das Filmteam, dessen Film im Durchschnitt die höchste Zuschauer:innenwertung erhält. Er ist dotiert mit 5.000 Euro und geht stellvertretend an die Produktionsfirma des Projektes. Gestiftet wird dieser von der Saarland Sporttoto GmbH. Der Preis geht stellvertretend an die Produktionsfirma des Projektes.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS SPIELFILM geht an den Film WOVON SOLLEN WIR TRÄUMEN (Produktion: Riva Film, Produzent: Michael Eckelt).
MAX OPHÜLS PREIS: PREIS FÜR DEN GESELLSCHAFTLICH RELEVANTEN FILM

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird von Deutschlandfunk Kultur gestiftet und zeichnet einen Spielfilm aus, der durch einen unkonventionellen Zugang zu einem gesellschaftsrelevanten Thema auf sich aufmerksam macht. In der Vergabe des Preises ist die Jury frei. Sie kann den Preis einem Gewerk oder mehreren des ausgezeichneten Films zusprechen.


Der MAX OPHÜLS PREIS: PREIS FÜR DEN GESELLSCHAFTLICH RELEVANTEN FILM geht an Ali Tamim (Regie & Drehbuch) für NOAH.

Begründung:
Dieser Film steht für eine neue Generation, die nicht wartet, sondern handelt.
Radikal, kompromisslos und kampfbereit gelingt es den Spieler:innen, uns von der Dringlichkeit zu überzeugen, dass das Alte zerstört werden muss. Wir als Publikum werden durch die unterschiedlichen Perspektiven unausweichlich herausgefordert. Denn das Anliegen dieses Films ist nichts Geringeres als die Erfindung einer neuen Gesellschaft, von der die überzeugenden Figuren zurecht träumen.
Jury Wettbewerb Spielfilm: Piet Baumgartner, Thelma Buabeng, Jutta Feit, Nina Frese, Simon Dat Vu


MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER JUGENDJURY

Eine gemeinsam mit der Volkshochschule des Regionalverbandes einberufene Jugendjury ermittelt aus den Filmen des Wettbewerbs Spielfilm den Preis der Jugendjury. Das Preisgeld beträgt 2.500 Euro und wird von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Landeszentrale für politische Bildung Saarland getragen.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER JUGENDJURY geht an den Film WOLVES von Jonas Ulrich.

Begründung:
Unser Gewinnerfilm lässt uns darüber nachdenken, wie schnell wir dazu bereit sind, unsere persönlichen Grenzen zu verschieben.
Auf der Suche nach Zuneigung, Abenteuer und Zugehörigkeit muss die Hauptfigur wieder zurück zu sich selbst und ihren eigenen Werten finden.
Ein raffiniertes Zusammenspiel von laut und leise, intensive Bilder und außergewöhnliche Musik machen den von uns ausgewählten Film, gemeinsam mit seinem sehr relevanten Thema, zu einem wichtigen Kinoerlebnis, nicht nur für unsere Generation.
Jugendjury: Klara Bernardy, Maximilian Dietz, Lynn Levke Heidekrüger, Johanna Müllers, Iwan Struk


MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY

Ausgezeichnet wird ein Film aus dem Wettbewerb Spielfilm, dem es mit ausgesprochen künstlerischer Begabung gelingt, die Zuschauer:innen für spirituelle, menschliche oder soziale Fragen und Werte zu sensibilisieren. Der Preis von INTERFILM und SIGNIS ist mit 2.500 Euro dotiert und wird von der Katholischen Erwachsenenbildung Saarland-Landesarbeitsgemeinschaft e.V. und der Landesarbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung im Saarland e.V., vertreten durch die Evangelische Akademie im Saarland, gemeinsam gestiftet.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY geht WOVON SOLLEN WIR TRÄUMEN von Milena Aboyan und Constantin Hatz.

Begründung:
Was tragen wir in uns? Was geben wir weiter? Unsere Geschichte, unsere Verletzungen, unsere Menschlichkeit? Der Film zeigt in einem behutsamen Erzählfluss, dass alles zusammenhängt. Dass Empathie und Nähe möglich und zugleich schwierig sein können. Er lädt mit klaren Bildern dazu ein, genauer hinzusehen: auf Gewalterfahrung, Ausgrenzung, innere und äußere Kämpfe. Am Ende steht die leise Hoffnung, dass Heilung möglich wird, wo jemand den Mut hat, aus dem Schicksalhaften auszubrechen.

Ökumenische Jury: Oliver Gross, Alfred Jokesch, Anke Jung, Marion Latz


MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER FILMKRITIK – BESTER SPIELFILM

Eine dreiköpfige Jury der Filmkritikverbände aus Deutschland (BMVJ und VdFk), Österreich (AFCG) und der Schweiz (SVFJ) zeichnet einen Film aus dem Wettbewerb Spielfilm aus. Mit dem Preis wird die Bedeutung der Filmkritik als Motor für soziokulturelle und filmästhetische Diskurse hervorgehoben.


Der MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER FILMKRITIK – BESTER SPIELFILM geht WOLVES von Jonas Ulrich.

Begründung:
Eine Sehnsucht nach Freiheit, Zugehörigkeit und Nähe. Eine schwierige Familie, ein eintöniger Job, Einsamkeit im Wald. Düstere Klänge, eine große Liebe, ein Abenteuer on the road. Schwarze Gestalten im Schnee, schwarze Muster auf der Haut. Dunkle Tendenzen, ein Kipppunkt, viele Kipppunkte. Wie weit kannst du dich verbiegen, bis deine Träume in sich zusammenbrechen?
In Bildern von großer Schönheit erzählt dieses Drama von Grenzen, die sich verschieben, und Abgründen, die sich auftun, wobei die kleine auf die große Welt verweist. Mutig und authentisch blickt der Film in einen unbekannten Kosmos, den wir durch die Augen der Protagonistin erleben. Im Kontrast zwischen weichem Licht und scharfer Musik baut sich eine intensive Kinoatmosphäre auf.

Jury der Filmkritik: Michel Rieck, Cristina Trezzini, Sabina Zeithammer


MAX OPHÜLS PREIS: BESTER DOKUMENTARFILM

Der Dokumentarfilmpreis ist dotiert mit 7.500 Euro und wird von der Saarländische Investitionskreditbank AG (SIKB) anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens zur Verfügung gestellt.
Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTER DOKUMENTARFILM geht an DIE NOCH UNBEKANNTEN TAGE von Jola Wieczorek.

Begründung:
Dieser Film nimmt uns mit auf eine Reise. In einem dichten Gewebe aus Gegenwart und Vergangenheit, aus persönlicher und gesellschaftlicher Geschichte erleben wir den Prozess des Erinnerns.
Mit großem filmischen Einfallsreichtum entsteht ein Erzählfluss, der auf vielen Ebenen berührt, Aufschlüsse gibt und noch lange nachklingt.
Ein Film, der von der Kostbarkeit und zugleich von der Flüchtigkeit von Erinnerung handelt. Der die Härten einer Fluchtgeschichte sichtbar macht und dabei nie im Schmerz stehen bleibt. Durch seine spielerische Offenheit, seinen feinen Humor und den spürbaren Familienzusammenhalt hinterlässt er Wärme und Hoffnung. Die Regisseurin erschafft ein intimes Portrait und gleichzeitig einen wichtigen politischen Beitrag für unsere Gegenwart und eine Einladung, aufmerksam hinzusehen, solange Erinnerungen noch erzählt werden können.

Jury Wettbewerb Dokumentarfilm: Ayşe Alacakaptan, Florian Brüning, Judith Keil


MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER FILMKRITIK – BESTER DOKUMENTARFILM

Eine dreiköpfige Jury der Filmkritikverbände aus Deutschland (BMVJ und VdFk), Österreich (AFCG) und der Schweiz (SVFJ) zeichnet einen Film aus dem Wettbewerb Spielfilm aus. Mit dem Preis wird die Bedeutung der Filmkritik als Motor für soziokulturelle und filmästhetische Diskurse hervorgehoben werden.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PREIS DER FILMKRITIK – BESTER DOKUMENTARFILM geht an TERRE ROUGE - TOPOGRAPHIE DU POÈTE von Fränz Hausemer.

Begründung:
In einer Landschaft aus Bäumen, Hügeln, Mauern und Rost wohnt ein Mann der Worte. Sein ganzes Leben hat er in dieser Region verbracht, wo der Klang des Dialekts verzaubert wie die Märchen der Kindheit.
Dieses Filmporträt schenkt uns die Begegnung mit einem außergewöhnlichen Menschen, der sich die Welt in Poesie und Humor übersetzt hat. Seine Gedanken, vertonten Gedichte und Kurzfilme werden in einen verspielten, makellos geschnitzten Rahmen gestellt. Ein filmisches Denkmal über Vergänglichkeit und Lebenskunst, das tief berührt.

Jury der Filmkritik: Michel Rieck, Cristina Trezzini, Sabina Zeithammer


MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS DOKUMENTARFILM

Dillinger und Saarstahl statten den zu verleihenden Max Ophüls Preis: Publikumspreis Dokumentarfilm mit 5.000 Euro aus. Der Preis wird durch die Abstimmung des Festivalpublikums für einen Beitrag aus dem Wettbewerb Dokumentarfilm vergeben und stellvertretend an die Produktionsfirma des prämierten Projekts verliehen.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS DOKUMENTARFILM geht an den Film EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT (Produktion: MADE IN GERMANY Filmproduktion, Produzent:innen: Melanie Andernach, Knut Losen).

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