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Kategorie: Film & Fernsehen
alleSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 29. Januar 2026,  Teil 4

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ spielt auf der ganzen Klaviatur des Lebens. „Die großen Themen sind natürlich Tod und Verlust. Dass man einen geliebten Menschen verliert, auch früh im Leben, und dass man damit irgendwie zurechtkommen muss“, so Simon Verhoeven. Den Filmemacher sprach zudem der Coming-of-Age-Aspekt an, wie Joachim als junger Mann versucht, seinen Weg zu finden, mit Anfang 20, nach dem tragischen Unfalltod seines Lieblingsbruders Philipp, der eine klaffende Lücke in seinem Leben hinterlässt. „Er muss sich fragen: Was mache ich jetzt? Wie gehe ich mit dieser Lücke in meinem Leben um, mit diesem Schmerz?“, so Verhoeven.

Joachim entscheidet sich zu einem radikalen Schritt, nämlich auf die Schauspielschule zu gehen, nach München, weg aus dem heimischen Schleswig. „Er zieht zu den sehr einzigartigen und seltsamen Großeltern nach München, wunderbar beobachtete Figuren, wunderbare Menschen“, unterstreicht der Filmemacher. Obwohl die Geschichte auf realen Lebenserinnerungen beruht, ist sie literarisch geformt, mit einer großen Prise Fantasie gewürzt. „Das gab uns Freiheit“, sagt Janine Jackowski. „Uns geht es nicht um exakte Nachzeichnung, sondern darum, die emotionale Wahrheit zu bewahren, aber tatsächlich mit größter Sorgfalt und Liebe zu dem Stoff in allen Details zu agieren. Wir wollten den Figuren liebevoll und mit größter Hochachtung begegnen, dafür war Simon Verhoeven prädestiniert. Außerdem spiegelt seine eigene Biografie manche der autobiografischen Eckpfeiler, wodurch
er immer den richtigen Ton gefunden hat.“

Die Geschichte ist auch eine Hommage an die Schauspielkunst. Ein Großteil des Films spielt in Joachims Ausbildungsstätte, der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München, in der er angenommen wurde, obwohl er anstatt drei, nur eine Vorsprechrolle einstudiert hatte und es den Lehrern dort alles andere als leicht machte. „Wir feiern Schauspielerinnen und
Schauspieler, ihre einsamen Kämpfe, ihre oft verzweifelten Stunden. Dieser Beruf, der so oft mit Glamour in Verbindung gebracht wird, geht auch mit viel Einsamkeit einher, dem Erleben von Rückschlägen und Enttäuschungen“, sagt Simon Verhoeven. „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ zeigt, wie hart der Weg eines Schauspielers ist und wie die Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, eine Entscheidung für das ganze Leben ist.

Die Entwicklung des Projekts hat Joachim Meyerhoff eng begleitet. „Er war von Anfang an in regem Austausch mit uns und Simon Verhoeven“, erinnert sich Janine Jackowski. Meyerhoff unterstützte den Entstehungsprozess, hat Drehbuchfassungen gelesen und Impulse gegeben, wo es um Ton und Authentizität ging. „Er hat uns aber auch die Freiheiten gegeben, die wir für eine filmische Übersetzung brauchten, und ich bin ihm für diese Zusammenarbeit sehr dankbar“, so die Produzentin weiter. Einen besseren Kreativpartner als Simon Verhoeven für Adaption und Regie hätte sich Janine Jackowski nicht vorstellen können. „Simon bringt die seltene Fähigkeit mit, tief emotionale Themen mit Leichtigkeit, Humor und großem Gespür für Rhythmus zu erzählen. Er versteht es, Figuren mit Empathie und Tempo zu inszenieren. Sein familiärer Bezug zum Theatermilieu, seine Liebe für die Charaktere und seine Erfahrung als Regisseur und Schauspieler machen ihn zum idealen Drehbuchautor und Regisseur dieses Romans. In der Zusammenarbeit ist er sehr genau, offen und strukturiert – jemand, der Figuren psychologisch ernst nimmt und trotzdem großen Unterhaltungswert schafft.“

Die besondere Herausforderung bei der Entwicklung war, den Roman in eine filmische Struktur zu bringen. „Der Roman ist anekdotisch erzählt und springt in den Zeitebenen wild hin und her. Das fällt einem gar nicht so auf, wenn man das Buch liest, aber tatsächlich ist es so“, sagt die Produzentin. Ein Drehbuch folgt anderen Gesetzen, gleichzeitig galt es, den Kern von Meyerhoffs Geschichte zu bewahren. „Das war für uns, aber natürlich vor allem für Simon, ein Balanceakt“, so Jackowski weiter. Der Roman spielt zwischen Theaterwelt, Familiengeschichte und innerer Reise – diese Vielschichtigkeit filmisch zu fassen, ohne an Leichtigkeit zu verlieren, war die größte Aufgabe des Teams. „Es ging darum, die Tonalität
zu halten: gleichzeitig komisch, melancholisch und emotional wahrhaftig“, bringt die Produzentin es auf den Punkt.

Die Drehbuchentwicklung hat Joachim Meyerhoff in guter Erinnerung: „Es gab einen steten und regen Austausch, und ich durfte zusammen mit meiner Frau auch an diesem Prozess mitwirken, und eventuelle Anregungen wurden stets mit Freude angenommen.“ Für ihn als Schriftsteller die eigene Geschichte in andere Hände zu übertragen, in denen man selbst im Mittelpunkt steht, bezeichnet er als „großes Geschenk und gleichzeitig große Seltsamkeit: Ich habe jedes authentische Detail vor Augen. Es ist aber auch eine Freude zu sehen, wie das eigene Leben erst zum Buch wird – dann zur Lesung – dann zum Hörbuch – und dann zum Film.

Das sind tolle Metamorphosen, und jede legt eine andere Schicht meiner Geschichte frei.“ Wichtig war den Produzenten und Simon Verhoeven, ein Ensemble zu finden, das Humor und Tiefe gleichermaßen zum Ausdruck bringt und verkörpert. Für den Regisseur stand früh fest, dass Bruno Alexander die Hauptrolle übernehmen sollte. Bruno Alexander wurde mit den  
Comedy-Produktionen seiner Freunde Emil und Oskar Belton bekannt und bildete mit ihnen bei Formaten wie „Die Discounter“ und „Intimate“ eine kreative Einheit vor wie hinter der Kamera. Abseits davon hat er sich weitere Meriten verdient wie etwa mit seiner Rolle als Boris Becker in dem TV-Film „Der Rebell“, für die er für die Romy und den Blauen Panther
nominiert war.

„Mein 15-jähriger Sohn David hat mich auf Bruno aufmerksam gemacht, und ich fand ihn sofort sehr spannend. Bruno hat eine ganz eigene kreative Kraft als Schauspieler“, so Verhoeven, beschreibt ihn als einen sehr intensiven Darsteller, „der es wirklich fühlen muss. Er hat sich in manchen Sequenzen sogar selbst wehgetan, weil er nicht zu bremsen war,
er alles selbst erleben muss und deshalb nach keiner Choreografie gehen wollte.“ Gleichzeitig sei Bruno Alexander ein purer Mensch, ein sensibler Mensch, der versucht, den Emotionen gerecht zu werden. „Er will nicht nur 08/15 sein, er will keine vorgefertigten Mimiken anbieten. Er will nicht nur Handwerk und Technik abspulen, er will tiefer gehen als Schauspieler, er
will es wirklich fühlen, jeden Tag. Das kann anstrengend sein, für ihn, für mich. Aber was dabei entsteht, ist toll.“

Bruno Alexander erinnert sich, dass er erst nicht wusste, ob das Buch von Joachim Meyerhoff seinen Humor treffen würde. Nach der Lektüre war er ziemlich überrascht: „Ich fand irre, wie er nur mit der Satzstruktur Humor erzeugt. Ich habe mehrmals lauthals losgelacht.“ Bei der Vorbereitung auf die Rolle hat er Joachim Meyerhoff auch persönlich getroffen. „Ich fand ihn
sehr sympathisch und witzig. Immer wenn ich ihn etwas gefragt habe, war es, als würde er noch mal ein neues Kapitel in sein Buch schreiben. Er war so enthusiastisch und voll drin, dass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte.

Aber im Prinzip haben mir seine Bücher als Recherche gereicht. Denn alles, was er über sich erzählen wollte, hat er ja niedergeschrieben. Dinge, die er nicht erzählen wollte, stehen da auch nicht drin.“ Für Produzentin Janine Jackowski hätte es wie für Simon Verhoeven keinen besseren Darsteller für die Rolle des Joachim geben können: „Bruno ist eine unfassbar
tolle Entdeckung für die Kinoleinwand.“

Ebenso glücklich war das Komplizen-Film-Team, dass Senta Berger von Beginn an als Großmutter zugesagt hatte. „Mit Bruno Alexander und Senta Berger hatten wir den Kern der Geschichte gesetzt“, so Janine Jackowski. Simon Verhoeven gesteht, dass er den Film direkt schon mit seiner Mutter als Inge Birkmann im Kopf entwickelt hat. „Natürlich hätte es auch noch andere Schauspielerinnen gegeben. Aber es ist schon großartig, was meine Mutter in diese Rolle reingelegt hat, was in jedem Augenblick bei ihr passiert, was sie auch Persönliches hineingeben konnte. Sie wollte der Figur Inge Birkmann gerecht werden. Davor hatte sie großen Respekt, weil es eine reale Person ist, die sie spielt.“ Wobei, räumt der Filmemacher ein, er seiner Mutter immer gesagt habe, dass man von ihr keine Eins-zu-eins-Version von Inge Birkmann erwarte. „Bereits die Schilderung von Joachim Meyerhoff im Roman ist eine Form
der Übersetzung. Seine Sprache als Schriftsteller ist in gewisser Weise seine Fantasie, seine Kreativität. Wir haben die Welt und die Figuren abermals übersetzt, ins Filmische.“ Als Regisseur sehe er es als seine Aufgabe an, etwaige Unsicherheiten bei Schauspieler*innen abzubauen. „Alle richtig guten Schauspieler*innen haben Zweifel und Unsicherheiten. Sie
stellen infrage, sie überprüfen sich und die Szenen. In diesem speziellen Fall war das auch meine Aufgabe als Sohn, meiner Mutter immer wieder Zweifel und Bedenken zu nehmen, um sich immer wieder mit voller Lust und Kraft in ihre Rolle zu stürzen.“

Senta Berger sagt, dass der Roman immer ein Lieblingsbuch der Familie war: „Wir haben viel darüber geredet, wie man in einem Künstlerhaushalt über Literatur und über Filme spricht. Am Mittagstisch, ganz nebenbei. Und dann verfestigt sich so etwas. Und das wird dann tatsächlich zu einem kleinen Ereignis. Und dieses Buch war so ein kleines Ereignis an unserem
Mittagstisch und begleitet uns, die Familie Verhoeven, seitdem.“ Das weitere Ensemble wurde gemeinsam Schritt für Schritt mit der renommierten Casting Director Nina Haun aufgebaut. Die Rolle von Inges Ehemann Hermann, dem Philosophieprofessor, spielt Michael Wittenborn.

Die Entscheidung sei rasch gefallen, nachdem sowohl Simon Verhoeven als auch seine Mutter Senta Berger den versierten Mimen in dieser Rolle sahen. „Michael ist ein großartiger Bühnenschauspieler, der handwerklich mit allem ausgestattet ist, was man braucht. Aber er hat auch einen ganz eigenen Charme, ein Charisma, das umwerfend ist“, so Simon Verhoeven. „Man kann es auch Zauber nennen. Wenn die Kamera auf seinem Gesicht ruht, passiert so viel. Es liegt so viel dahinter. Ein Blick von Michael Wittenborn ist einfach viel wert.“
Michael Wittenborn empfand die Arbeit mit Senta Berger an seiner Seite und Bruno Alexander als jungem Gegenpol sehr erfrischend: „Ich habe Bruno sehr zu schätzen gelernt durch seine impulsive, direkte Art. Er ist eine gute Ergänzung zu uns beiden älteren Schauspielern. Ich lasse inzwischen auch viel laufen vor der Kamera, lasse Dinge direkt beim Drehen entstehen. Aber Bruno ist da noch mal impulsiver und direkter. In dieser Kombination war es eine schöne Bereicherung für die Geschichte.“

Joachim Meyerhoff ist voll des Lobes für das Hauptdarstellertrio aus Bruno Alexander, Senta Berger und Michael Wittenborn. Die Darstellung von Bruno Alexander habe ihn „voll erwischt“: „Er macht das schlicht und ergreifend großartig. Ihn durch den Film zu begleiten ist eine Freude. Es gibt eine Szene, da singt er ein Lied, obwohl ihm alle immer sagen auf der Schauspielschule, dass er nicht singen kann – ich will nicht zu viel verraten –, da habe ich Rotz und Wasser geheult – genau so ging es mir damals! Er ist lustig, ernsthaft, glaubhaft – in jedem Augenblick.“ Auch den Großeltern zuzusehen sei phänomenal, so Meyerhoff weiter: „Senta Berger ist eine wundervolle und würdige Großmutter, hat die Grandezza und auch den Schmerz, den sie mit sich trug. Der Großvater war im wahren Leben ein doch sehr viel strengerer Mann, den ich als Kind geradezu gefürchtet habe, ein hoch intellektueller, erzkatholischer Philosoph. Michael Wittenborn zeigt ihn nahbarer und warmherziger, und es passt sehr gut so für mich. Alle zusammen sind ein tolles Trio.“

Zum Cast der Meyerhoffschen Familie gehören auch Laura Tonke und Devid Striesow als Mutter und Vater von Joachim. Die beiden renommierten Darsteller waren in diesen Rollen bereits in der ersten Meyerhoff-Verfilmung, „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“, zu sehen, die Sonja Heiss inszeniert hatte. Tonke ist mit Meyerhoffs Büchern bestens vertraut, kannte auch bereits „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. „Die Welt bei den Großeltern ist toll erzählt. Wie Joachim dort wohnt, Teil ihrer Rituale wird und gleichzeitig seinen eigenen Weg findet als Schauspieler, ist hinreißend. Die dichte Atmosphäre ist einzigartig.“ Kollege Devid Striesow hat den Roman erst zur Vorbereitung auf den Dreh gelesen. „Die Vorlage mit ihrer Skurrilität, lustigen Situationen und tiefen Tragik ist sehr schön. Ich finde aber, dass Simon eine ganz wunderbare Adaption gelungen ist. Er hat wirklich Großartiges geleistet.“ An Joachim Meyerhoff, mit dem er einst sogar in Hamburg auf der Bühne stand, fasziniert ihn, dass sein Leben so viel Potenzial für emotionale Geschichten birgt. 

Die übrige Welt von „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ wurde bis in die kleinsten Rollen hinein mit einem genauen Auge für Stimmigkeit besetzt und besteht gleichermaßen aus hochkarätigen Darsteller*innen wie neuen Talenten. Zu den weiteren großen Namen gehören unter anderem Tom Schilling, Karoline Herfurth oder Anne Ratte-Polle. „Besonders die  Besetzung der Schauspielschüler*innen bot die Möglichkeit, viele neue Gesichter zu entdecken und frische Energie ins Ensemble zu bringen. In der Mischung aus etablierten Schauspieler*innen und jungen Talenten entstand ein spannendes Ensemble, das den Film trägt“, unterstreicht Produzentin Janine Jackowski.

Es kam so eine Klasse aus jungen Darstellenden zusammen, die wirklich unlängst erst die Schauspielschule abgeschlossen haben. Unter ihnen sind Dana Herfurth, die gerade in „Call My Agent Berlin“ zu sehen ist sowie in Hille Nordens „Smalltown Girl“, Momo Beier, mit der Verhoeven bereits bei „Alter weißer Mann“ arbeitete, Maeve Metelka, Max Wolter, Frida Lang,
Benedikt Kalcher oder Mouataz Alshaltouh. „Ich bin sehr stolz auf unsere Schauspielklasse. Teilweise haben wir auch ihre Erfahrungen in die Szenen mit einfließen lassen“, so Simon Verhoeven.

Foto:
©Verleih

Info:
Regie : Simon Verhoeven
Drehbuch: Simon Verhoeven
Besetzung: Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn, Anne Ratte-Polle, Katharina Stark, Tom Schilling, Johann von Bülow, Viktoria Trauttmansdorff, Laura Tonke, Devid Striesow, Friedrich von Thun….
Länge : 135 Minuten

Abdruck aus dem Presseheft