Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 29. Januar 2026, Teil 7Redaktion
Berlin (Weltexpresso) - War die Herangehensweise bei Teil zwei eine andere, was die Arbeit mit den Tieren betraf?
Katja Elsässer: Eigentlich nicht. Das Gute war, dass wir im zweiten Teil genau wussten, wie wir es umsetzen. Beim ersten Teil standen wir vor einer Mammutaufgabe und mussten uns erst mal herantasten. Beim zweiten Teil sind wir nun sehr viel entspannter reingegangen, weil wir genau wussten, auf was es ankommt und wie die Tiere reagieren.
Dennoch war einiges anders. Sie haben zum Beispiel einige neue Tiere dabei. Gleich am Anfang in der Schulszene wuselt es regelrecht…
Katja Elsässer: Das stimmt. Hier mussten wir schauen, welche Tiere kompatibel mit vielen Menschen sind,
welche Tiere das vom Gemüt her gut mitmachen, ohne in Panik zu geraten. Außerdem mussten es Arten
sein, die auch in Nordamerika leben, weil die Story bekanntermaßen dort spielt. Wir hatten
Kanadakraniche, die sehr dominant sind und dadurch angstfrei, wir hatten Otter, die in Katja Brandis‘
Büchern sehr beliebt sind, einen Waschbären, einen kleinen Luchs und sehr viel Kleingetier. Außerdem spielt
ein Baby-Wolf mit.
Bei Teil zwei gibt es wesentlich mehr Interaktion zwischen Mensch und Tier. Was bedeutete das für Ihre Arbeit?
Katja Elsässer: Wir haben gezielt geschaut, wo wir Menschen und Tiere öfter gemeinsam ins Bild bekommen. Wir mussten überlegen und abwägen, was funktioniert. Das weiß man anfangs nicht 100 Prozent. Dass der junge Wolf mit den jungen Darsteller:innen dann in einem Raum sein wollte, war ganz wunderbar. Oder auch, dass der größere Wolf mit Emile durch die Stadt läuft… Das sind ungewöhnliche Bilder, die dem Tier zu verdanken sind, das so toll mitgemacht und Emile akzeptiert hat. Auch in der Szene, in der die Kids Milling beobachten, war der Wolf bei ihnen. Das war sehr besonders. Dann gab es dennoch viele Szenen, die man am Set der First Unit zeitlich gar nicht geschafft hätte, die in der Animal Unit oder teilweise zuhause bei uns auf dem Filmtierhof vor Green Screen entstanden sind.
Haben Sie auf Ihrem Filmtierhof mittlerweile ein richtiges Studio?
Katja Elsässer: Beim ersten Teil war unser Studio noch nicht fertig. Da waren wir in einer Scheune unseres Nachbarn. Für Teil zwei konnten wir unser Studio benutzen. Es misst 50 Quadratmeter und ist nur für unsere Tiere. Dort trainieren wir sie. Es ist wie ein Wohnzimmer, in dem sie oft mit uns zusammen sind, sich entsprechend wohlfühlen und entspannt sind. Es ist ein viel entspannteres Arbeiten, als wenn man an einen neuen Ort kommt, wo die Tiere erst eine Eingewöhnungszeit benötigen.
Es spielt diesmal auch eine Klapperschlange dabei. Wie arbeitet man mit einer Klapperschlange und was waren die Herausforderungen?
Katja Elsässer: Die Herausforderung war das Wetter. Es war sehr kalt, wir hatten Ende November. In unserer Halle war es bitterkalt, was für viele der Tiere gut war, für die Schlange nicht. Wir mussten Tische von oben und unten beheizen. Wir haben mit mehreren Klapperschlangen gearbeitet, damit wir abwechseln konnten. Sobald eine Schlange leicht an Körpertemperatur verloren hat, hat sie pausiert und die nächste hat übernommen. Da gab es einen häufigen Wechsel.
Welche Tiere sind noch herausfordernd?
Katja Elsässer: Der Fuchs ist immer eine kribblige Sache, weil Füchse unsicher, eigenständig und misstrauisch sind und man für die Arbeit große Ruhe braucht. Und auch die Rothörnchen sind herausfordernd. Man weiß nie, wie sie mitmachen und performen und ob sie, zum Beispiel in der Milling Lodge, dann die richtigen Strecken laufen… Da gehört eine große Portion Glück dazu.
Hat sich an der Zusammenarbeit mit den VFX-Spezialisten von Pixomondo etwas verändert aufgrund der gestiegenen Interaktion zwischen Mensch und Tier?
Katja Elsässer: Da hat sich nichts verändert. Bevor die Dreharbeiten starteten, wussten wir schon ganz genau: Bis wohin arbeitet das Tier und ab wann greift die Arbeit der VFX-Kolleg:innen. Wir haben Monate im Voraus Bild für Bild, Szene für Szene durchgesprochen. Wenn wir dann mit unseren Tieren ans Set kommen, kann es länger dauern als geplant, weil die Tiere sich erst alles anschauen müssen, noch Durst haben oder Pippi machen müssen. Sie können auch nicht lange am Set warten oder in der Sonne stehen – auch das muss man bedenken. Die Arbeit mit den Schauspieler:innen ist deshalb eine ganz andere Herausforderung, als wenn wir die Sachen separat in der Animal Unit oder bei uns vor Green Screen drehen.
Gab es Situationen, bei denen Sie sich die Haare raufen mussten?
Katja Elsässer: Mit den Vögeln war es diesmal nicht einfach. Die waren aufgrund der Wettersituation etwas schwerfällig von den Flügen her. Locations wie der Tagungsort des Tier-Rats im Wald lagen für uns etwas ungünstig. Das Set war etwas unübersichtlich für uns, es war warm und es gab viele wilde Krähen. Ich erinnere mich, wie die First Unit bereit war und schwupp ist der Falke weggeflogen! Da warten dann alle wie bestellt und nicht abgeholt. Dennoch haben wir alles im Zeitrahmen geschafft und insgesamt war es für uns Tiertrainer:innen leichter als bei Teil eins.
Die Otter haben Sie für Teil zwei extra aufgezogen. Wie fühlt man sich als Otter-Mama?
Katja Elsässer: Die Tiere sind sehr jung zu uns gekommen. Sie sind bei uns eingezogen, schliefen anfangs bei uns im Bett. Ansonsten kann man sich junge Otter so vorstellen: Sie verwüsten den ganzen Tag das Haus, tauchen im Klo, rollen im Badezimmer das ganze Klopapier ab, setzen alles unter Wasser, nagen die Schläuche der Waschmaschine an, zerlegen Müllsäcke, schlafen zwischen Tischdecke und Tisch, schmeißen Sachen runter. Und sie sind laut. Das ist nervig aber auch süß. Finanziell war das für uns kein gutes Geschäft. (lacht)
Pumas stehen in WOODWALKERS im Mittelpunkt mit Protagonist Carag als Puma-Wandler. Seine Puma-Familie spielt in Teil zwei auch einen größeren Part. Wie hat sich die Arbeit mit diesen besonderen Wildkatzen diesmal bewerkstelligen lassen?
Miguel de la Torre: Die Pumas durften an unterschiedlichen Locations arbeiten. Für jede Location brauchen diese Tiere allerdings fünf Tage der Eingewöhnung. Damit sie sich wohlfühlen und keine Angst haben. Sonst kann man mit Pumas nicht arbeiten. Während dieser fünf Eingewöhnungstage findet natürlich Training statt. Wir gehen detailliert nochmal die Szenen durch, die gedreht werden sollen. Man braucht Zeit und Muße und muss am Ende hoffen, dass es funktioniert. Es gibt viele Variablen, die nicht nach Erfolg schreien. Aber am Ende des Jahres ist man glücklich, weil man sieht, dass sich der Aufwand gelohnt hat.
Haben Sie das Gefühl, beim zweiten Film hat alles besser geklappt?
Miguel de la Torre: Beim ersten Film hat es auch schon super geklappt, aber beim zweiten hat es sich einfacher angefühlt. Wie Katja sagte: Wir wussten, was auf uns zukommt. Die Choreographien für die Pumas waren in Teil zwei definitiv anspruchsvoller. Wir haben im Bild teilweise vier oder fünf unterschiedliche Pumas, was bedeutete, dass die Tiere mehrere Rollen auf sich vereinen mussten. Das war choreographisch nicht ohne. Wenn zwei unterschiedliche Tiere miteinander reden, ist das eine Sache. Aber hier musste ein Puma oft zwei Rollen spielen. Sich einmal links hinstellen, einmal rechts hinstellen und quasi in Action oder Kommunikation mit sich selbst stehen. Das war schon irre kompliziert. Wir haben für alles eine Lösung gefunden. Wichtig ist uns, dass diese Lösung nie zu Lasten des Tieres ging. Das war zu keinem Zeitpunkt der Fall. Unsere Tiere liegen uns am Herzen.
In der Story ist Puma-Vater Xamber verletzt. Er blutet am Hinterlauf und humpelt. Wie wurde das umgesetzt?
Miguel de la Torre: Das wollten und mussten wir komplett digital machen. Wir können an einen Puma keine
Patches kleben und kriegen ihn auch nicht zum Humpeln. Das musste digital umgesetzt werden. Diese Entscheidung wurde sehr früh getroffen.
Der Tikaani-Wolf hat einen besonderen Auftritt: Er darf von Emile an der Leine geführt werden…
Miguel de la Torre: In der Produktion hatten wir insgesamt vier bis sechs Wölfe im Einsatz. Der Tikaani-Wolf hatte in der Tat einen größeren Auftritt und viel mehr Interaktion mit Menschen. Wir sind mit ihm nach Belgien gefahren, wo die Szene in der Stadt gedreht wurde. Emile führt ihn an der Leine, sie gehen in eine Apotheke, müssen sich vor der Polizei verstecken… da war einiges geboten. Für die Zuschauer:innen sind das tolle Schauwerte.
Das Wohlergeben Ihrer Tiere steht über allem. Wie sorgt man dafür, dass es allen gut geht?
Miguel de la Torre: Wir waren wie ein Wanderzirkus. Dafür gibt es Auflagen wie Haltungsrichtlinien, die die Größe und den Sicherheitsstatus der Gehege vorgeben. Unsere Gehege waren stets doppelt so groß wie in den Auflagen vorgegeben. Außerdem gab es eine Person, die sich einzig und allein um die Sicherheit gekümmert und täglich mit Checkliste abgearbeitet und kontrolliert hat.
Katja Elsässer: Für unsere Tiere war es toll, dass sie oft nur kurze Einsätze hatten. Deshalb hatten sie auch immer Spaß. Einem Hund oder einem Pferd kann man auf Kommando sagen: Das wird jetzt gemacht. Bei Wildtieren geht das nicht. Wenn die keine Lust haben, laufen oder fliegen sie weg. Sie arbeiten alle frei mit uns. Das würden sie nicht tun, wenn sie keine Lust hätten.
Foto:
©Verleih
Besetzung
Carag EMILE CHÉRIF
Brandon JOHAN VON EHRLICH
Holly LILLI FALK
Lou SOPHIE LELENTA
Jeffrey EMIL BLOCH
Tikaani OLIVIA SINCLAIR
Mia LARA AMÉLIE ROSA
Andrew Milling OLIVER MASUCCI
Lissa Clearwater MARTINA GEDECK
Mr. Crump TOM SCHILLING
Tucker Jones MORITZ BLEIBTREU
Xamber DAVID SCHÜTTER
Anna Ralston HANNAH HERZSPRUNG
Donald Ralston LUCAS GREGOROWICZ
Melody Ralston LUNA ARWEN KRÜGER
Marlon Ralston JOHANNES DEGEN
Mr. Ellwood DAVID WURAWA
Bill Brighteye EUGEN BAUDER
Stab
Regie SVEN UNTERWALDT
Produzentinnen CORINNA MEHNER, CAROLIN DASSEL
Drehbuch DAVID SANDREUTER
Buchvorlage KATJA BRANDIS
TECHNISCHE DATEN
Lauflänge 103 Minuten
Format 2,39:1 (Scope), 4K
Tonformat 5.1, Dolby Atmos
FSK Freigegeben ab 6 Jahren