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Kategorie: Film & Fernsehen
Fluestern Waelder1Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 19. Februar 2026, Teil 1

Margarete Ohly-Wüst

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Michel Munier erzählt seinem Sohn, dem Filmemacher Vincent Munier, und seinem Enkel Simon, dass die wichtigste Eigenschaft während seiner Streifzüge durch die alten, moosbedeckten Wälder der Vogesen die Geduld sei.

Deshalb zieht es ihn immer wieder tief hinein in die Stille des Waldes. Denn nur so kann man mit Rucksack, Stock und einer warmen Jacke ausgestattet den Wald nicht nur zu einem ganz besonderen Ort machen, sondern auch Tiere erkunden, die man sonst nicht zu sehen oder zu hören bekommt.

Dabei ist besonders der Untergrund einer Tanne zu seinem Versteck geworden. Unter ihren Ästen versucht der alte Mann mit der Natur zu verschmelzen. Dort hat Michel in den letzten Jahren über achthundert Nächte zugebracht. Er war während dieser Zeit immer auf der Suche nach Füchsen, Rehen, Hirschen, Luchsen und dem geheimnisvollen König der Wälder - dem zu der Familie der Fasanenartigen gehörenden Auerhahn. Allerdings erzählt er, dass er schon seit Jahren keinen Vertreter der Auerhühner in den Vogesen mehr gesehen oder gehört hat und dass die Vögel inzwischen dort als ausgestorben gelten. Dabei gilt als Hauptgrund für das Zurückgehen der Auerhuhnvorkommen - besonders in Mitteleuropa - der Verlust von geeigneten Lebensräumen, da das Auerhuhn hohe Ansprüche an sein Habitat stellt.

Michel Munier hat mit seiner Faszination auch seinen Sohn Vincent und seinen Enkel Simon angesteckt, so dass die drei nicht nur auf die Suche nach den Tieren in den Wäldern sind, sondern auch viel Zeit zusammen in einer einsamen Hütte mitten im Wald bei Kerzenlicht verbringen.

Vincent Munier hat dabei nicht nur die Faszination seines Vaters geerbt, da er schon seit seinem zwölften Lebensjahr.seinen Vater auf dessen Streifzügen begleitet hat. Da Vincent in dieser Zeit von seinem Vater gelernt hat, die Spuren der Tiere zu lesen, die Plätze zu kennen, an denen sie fressen und wo sie jagen oder ihre Nester bauen und schlafen, hat er das Beobachten der Tiere und Pflanzen zu seinem Beruf gemacht und ist jetzt als Dokumentarfilmer unterwegs.

Fluestern Waelder2Heute arbeitet der 1976 geborene Regisseur hauptsächlich als Tierfotograf, Autor und Dokumentarfilmer. Er ist bekannt für seine Fotografien von Polarwölfen und Schneeleoparden. So führte er Regie - zusammen mit dem Reiseschriftsteller Sylvain Tesson - bei dem im Hochland von Tibet gedrehten Dokumentarfilm ″Der Schneeleopard″ (2021), der mit einem César für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde.

Auch in der hier besprochenen Dokumentation zeigt der Naturexperte zusammen mit seinem Vater die Kunst des Spurenlesens, der Tarnung und des geduldigen Ausharrens, um einen Blick auf die seltenen Tiere zu erhaschen.

Gemeinsam begeben sich Michel, Vincent und Simon Munier auf eine Reise in die atemberaubende Schönheit der Natur. Dabei hat Vincent Munier nicht nur Regie geführt, er hat auch das Drehbuch verfasst und war zusammen mit Antoine Lavorel und Laurent Joffrion selbst als Kameramann aktiv. Die Originalmusik stammt von Warren Ellis, Dom La Nena und Rosemary Standley.

Vicent Munier wollte für diesen Film nicht nur besondere Bilder filmen, sondern er wollte vor allem dem Wald eine Stimme geben. Denn er möchte zeigen, dass der Wald seine eigenen Geräusche hat. Nach Meinung des Regisseur ist es fast ein Gesang – fein, leise aber manchmal auch mächtig.

Dabei öffnet der Ton einen eigenen Raum für die Vorstellungskraft, so dass der Zuschauer glauben kann, er säße selbst in einem Versteck, umgeben von der Dunkelheit. Dadurch ist er vor allem auf sein Gehör angewiesen und hört im Versteck zuerst - bevor er etwas sieht - z.B. die Waldohreule, den Uhu, den Hirsch, den Kranich und natürlich den Auerhahn (allerdings nicht in den Vogesen). Denn besonders nachts nimmt man die Geräusche und die Anwesenheit der Tiere viel deutlicher wahr.

Der größte Teil des Dokumentarfilms wurde in den französischen Vogesen gedreht, der Heimat der Familie Munier. Da aber der Großvater seinem Enkel unbedingt die Balz des Auerhahns zeigen (und hören lassen) wollte, sind die drei zusammen nach Norwegen gefahren, um dort nach Auerhühnern zu suchen und im frühen Frühjahr deren Balz zu filmen, die normalerweise Mitte März beginnt. Denn dann balzen die Männchen vorwiegend an Waldrändern und auf Lichtungen in der Morgendämmerung um die Gunst der Weibchen.

Fluestern Waelder3Dabei gelingt es Vincent Munier in seinem Dokumentarfilm nicht nur die visuelle Pracht, sondern auch die poetischen Klänge des Waldes einzufangen. Dadurch ist ″Das Flüstern der Wälder″ eine Ode an Flora und Fauna der Vogesen. Aber der Film ist auch ein Brückenschlag zwischen Vater, Sohn und Enkel, zwischen Mensch und Natur, zwischen Fotografie und Film, zwischen Tag und Nacht, zwischen Persönlichem und Universellem. Auch wenn die Handlung des Filmes doch recht dünn ist, lohnt es sich, den wunderschön gefilmten Dokumentarfilm im Kino anzusehen, denn ganz bewusst steht hier die visuelle und atmosphärische Kraft im Vordergrund.

Foto 1: Der Luchs hat das Talent zu sehen, ohne selbst gesehen zu werden © Pandora Film
Foto 2: Ein Sperlingskauz in seiner Behausung im Inneren eines Baumes © Pandora Film
Foto 3: Michel Munier und sein Enkel Simon © Pandora Film

Info:
Das Flüstern der Wälder (Frankreich 2025)
Originaltitel: Le Chant des Forêts
Genre: Dokumentarfilm, Natur, Vogesen
Filmlänge: ca. 93 Min.
Regie: Vincent Munier
Drehbuch: Vincent Munier
Mit Michel, Simon und Vincent Munier
Verleih: Pandora Filmverleih
FSK: ab 0 Jahren
Kinostart: 19.02.2026