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Kategorie: Kulturbetrieb

Goethe UniversitätttStudiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zeigt Videoarbeit „Tropenkoller“ (2017) von Marcel Odenbach.

Redaktion

Frankfurt am Main (WEltexpresso) - Der Begriff Tropenkoller etablierte sich Ende des 19. Jahrhunderts, um deutsche Kolonialverbrechen zu rechtfertigen. Er aktiviert den rassistischen Mythos einer klimatischen Beeinflussung von Geist und Gesundheit in den Tropen Zentral- und Westafrikas. Die physische und sexuelle Gewalt der deutschen Besatzer wurde gezielt als ein durch den Tropenkoller ausgelöster “Kontrollverlust“ relativiert. Marcel Odenbach wählt den Begriff als Titel seiner zwei-Kanal-Videoinstallationen Tropenkoller (2017), die ab dem 3. Dezember in der Studiengalerie 1.357 an der Goethe-Universität zu sehen ist.  


Am Beispiel von Togo konfrontiert der Künstler darin koloniales Archivmaterial aus dem Jahre 1913 mit gegenwärtigen Aufnahmen der Hauptstadt Togos, Lomé. Es geht Odenbach um die kritische Auseinandersetzung mit der Kontinuität deutscher Kolonialverbrechen und ihre Verleugnung durch den white gaze (weißer Blick) – die ursprüngliche Funktion des Tropenkollers. Die Collage von Vergangenheit und Gegenwart entsteht in Kollaboration mit dem togolesischen Organisation WoeLab, dass im Kollektiv urbane Projekte in Lomé verwirklicht.

Ausstellungseröffnung Studiengalerie 1.357:
Marcel Odenbach, TropenkollerTopical Frenzy, 2017,
Courtesy Galerie Gisela Capitain
3.12.2025, 20.00 Uhr,
IG-Farben-Haus, Raum 1.357

Marcel Odenbach (* 7. Juli 1953 in Köln) ist ein deutscher Videokünstler, Collagist und gelernter Architekt. Seine Arbeit umfasst eine intensive Auseinandersetzung mit der Verdrängung und den Bildpolitiken der deutschen Kolonialgeschichte und NS-Zeit. Odenbach lebt aktuell in der Stadt Biriwa, Ghana, die zeitweise immer wieder zu seiner Wahlheimat wird. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen wie dem MoMA, New York, dem Centre Pompidou, Paris, dem Hamburger Bahnhof, Berlin, und dem MMK, Frankfurt. Zu Odenbachs jüngsten Ausstellungen zählt die Retrospektive „So oder so“ (2023) im K21, sowie zahlreiche internationale Ausstellungen wie in der National Gallery of Modern Art (Mumbai 2019) und dem MAIIAM- Contemporary Art Museum, Chiang Mai (2022). Im Jahre 2021 wurde der Künstler mit dem Wolfgang Hahn Preis ausgezeichnet.

Foto:
©Goethe Universität Frankfurt

Info:
STUDIENGALERIE 1.357

Öffnungszeiten im Semester: Montag bis Donnerstag 12–17 Uhr, freier Eintritt.

Goethe-Universität, Campus Westend, IG-Farben-Haus, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main.


Die seit 2010 existierende STUDIENGALERIE 1.357 ist ein Lehr- und Lernprojekt an der Goethe-Universität Frankfurt am Main am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften. Die Studiengalerie versteht sich als Lehr- und Lernort, in dem durch Kunst aktuelle gesellschaftspolitisch relevante Themen in die Universität hineingetragen werden. Studierende lernen komplexe Thematiken international anerkannter Künstler*innen aufzubereiten. Die Studiengalerie 1.357 ist öffentlich zugänglich und richtet sich sowohl an ein universitäres Publikum als auch an die Frankfurter Öffentlichkeit. studiengalerie.uni-frankfurt.de