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Kategorie: Kulturbetrieb
eins2026 trägt Frankfurt RheinMain als erste Region Deutschlands den von der World Design Organization (WDO) verliehenen Titel World Design Capital (WDC), Teil 2/3

Matthias Wagner K

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Auf der Pressekonferenz zum Auftakt als World Design Capital 2026 hielt auch dessen Initiator Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst in Frankfurt, eine Rede, der schon vor Jahren etwas auf den Weg brachte, was sich damals die wenigstens als Wirklichkeit vorstellen konnten, nämlich im Wettbewerb der vielen Städte um die Auszeichnung als Design Capital tatsächlich ausgewählt zu werden. Wagner K wurde dann Leiter der Bewerbung um den Titel World Design Capital 2026; ihm gelangen teils ungewöhnliche, ja aufsehenerregenden Aktionen, wie beispielsweise der Bus, der mit dem Projekt in der Region herumkurvte und es unter die Leute brachte. Und dann tatsächlich die Wahl FrankfurtRheinMains als erste deutsche World Design Capital im Jahr 2026. Die Redaktion

 

zweiAls ich im November 2020 mit der Leitung der Bewerbung betraut wurde, aufbauend auf die bereits im Jahr 2014 von der Werkbundakademie Darmstadt gestartete Initiative und viel Vorleistung beispielsweise von Elisabeth Budde und Roland Lambrette, gab es noch kein Leitthema.

 

Das Thema „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ kam mir dann im August 2021 auf Wanderungen an der Nordseeküste, weil ich meinte, die Folgen der zwei größten systemischen Krisen unserer Zeit unmittelbar vor Augen zu haben, die von uns Menschen verursachte Erderwärmung und der Verlust an Tier- und Pflanzenarten. Weil ebendies aber geleugnet wird, von jenen Kräften, die wiederholt für eine nationalistische, neo-protektionistische oder rechtspopulistische Orientierung stehen, dass überhaupt Modelle autokratischer Staatsführung in Ost und West zunehmend Anhängerschaften finden, die freiheitliche, demokratische Ordnung von systemfeindlichen Gruppierungen unterwandert wird, Algorithmen Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit reproduzieren, die Gesellschaft sich zerspaltet – Prozesse die sich in den letzten vier Jahren noch verstärkt haben.

 

Vor diesem Hintergund Design als einen Veränderungsprozess zu verstehen, den der Mensch an seiner Umwelt vollzieht, als ein Werkzeug, das ein friedliches, vielfältiges und demokratisches Miteinander fördern kann, das geeignet ist, den enormen Herausforderungen unserer Zeit konkret zu begegnen und sich als Design for Democracy als eine Einladung zur aktiven Beteiligung an der Gestaltung unserer Region, unserer freiheitlichen Demokratie zu verstehen gibt, das hat, so dachte ich, vielleicht doch eine Chance für den Erhalt des Titels World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026.

 

dreiWeswegen wir unsere Bewerbungsschrift als Vision, die Anna Scheuermann und ich geschrieben haben, auf eben jene, in dieser unserer Region zu findende gestalterische, gesellschaftliche, soziale und demokratische Prozesse aufgebaut haben, wie zum Beispiel der Beginn einer Medienrevolution durch den von Johannes Gutenberg revolutionierten Buchdruck in Mainz, wie die Deutsche Nationalversammlung 1848 in der Paulskirche, die Reformbewegung des Jugendstils auf der Mathildenhöhe in Darmstadt oder die Moderne am Main, der der Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann 1925 den Namen „Das Neue Frankfurt“ gab. Ein Gestaltungsprogramm mit dem universalen Anspruch mit neuen Formen alle Bereiche des menschlichen Lebens zu erfassen, eine neue demokratische Gesellschaft zu formen – ein Anspruch an Gestaltung, der nach dem Zweiten Weltkrieg und der Schoa von der neu gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm wiederum aufgegriffen wurde.

 

Wir haben erinnert an den gestalterischen Neubeginn beim Wieder-, Um- und Neubau der Johann Wolfgang von Goethe-Universität in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vorherigen Jahrhunderts, daran, dass von hier aus die bundesdeutsche, juristische Aufarbeitung der Verbrechen im Nationalsozialismus mit den Auschwitzprozessen begann und hier 1970 das Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung gegründet wurde.

 

Eben daran anzuknüpfen, an diese Energien in nicht weniger problembehafteten Zeiten, das zeichnete unsere erfolgreiche Bewerbung aus und auch, dass wir der internationalen Jury der WDO, der World Design Organization mit Sitz in Kanada, glaubhaft machen konnten, dass diese Region, Frankfurt RheinMain, wiederum zu einem Labor, einer Werkstatt werden kann, für ein von Verantwortung geprägtes Design, für ein Gestalten guter, partizipativer Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit, die – als gute Probleme definiert – ebenso gute gestalterische Lösungen verlangen.

 

Zuversicht also, Gestaltungswille und viel Zukunft, viel Wir – in diesem Jahr wo wir als Region diesen internationalen Titel tragen.

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