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Kategorie: Kulturbetrieb
DAM Preis 2026 ZK U Berlin Foto YizhiWang 15 400x284Serie: DAM PREIS 2026: Die 23 besten Bauten in\aus Deutschland, Teil 1

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) -  Die Jury zeigte sich besonders beeindruckt von der Herangehensweise, die ehemalige Lagerhalle eines Güterbahnhofs in einen einladenden Treffpunkt zu verwandeln: Das Team von Peter Grundmann Architekten hat hier in enger Kooperation mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK e. V. mit überdurchschnittlich viel eigener Handarbeit sowie bescheidenem (und eingehaltenem!) Budget die vormals eingeschossige Halle mit einer leichten Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt und um ein Geschoss erweitert.

Die Räume auf allen Ebenen einschließlich Gewölbekeller und Dachterrasse sind nun flexibel nutzbar. Architektonische Standards werden hier neu definiert oder gleich über Bord geworfen.

Seit 2007 werden mit dem DAM Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2026 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum (DAM) bereits zum zehnten Mal in enger Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner vergeben.


DIE LONGLIST

Für die Longlist des DAM Preis nominiert wurden rund 100 Bauwerke aus Deutschland und – auf einer separaten Liste – acht Projekte deutscher Architekten in anderen Ländern. Die Auswahl ist das Ergebnis einer umfangreichen Recherche, an der ein Beirat aus Experten beteiligt war. Dieser bestand aus Ursula Baus, Christina Beaumont, c/o now, Lukas Fink, Florian Fischer, Florian Heilmeyer, Angelika Hinterbrandner, Christian Holl, David Kasparek, Katja Knaus, Moritz Kölling, Mario Krämer, Katharina Matzig, Eun-A Pauly, Elina Potratz, Jan O. Schulz, Something Fantastic, Heiner Stengel, Finn Warncke, Christian von Wissel und Uta Winterhager. Außerdem wurden Projekte von den Architektenkammern der Länder Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Thüringen vorgeschlagen. Grundsätzlich bestand für die Nominierung der Bauten keine Einschränkung auf eine bestimmte Bautypologie, Mindestgröße oder Bausumme. Die nominierten Bauwerke für den DAM Preis 2026 sollten zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2025 fertiggestellt worden sein.

Neu seit 2017 ist, dass alle Bauten dieser Nominierungsliste, geographisch sortiert, jährlich im Architekturführer Deutschland vorgestellt werden. Die Ausgabe 2026, von DOM publishers verlegt, ist bereits im Handel. Gleichzeitig ist die Longlist auch im Internet unter dam-preis.de einsehbar. Über die Jahre entsteht so zusätzlich ein digitales Archiv bemerkenswerter Gebäude in Deutschland.


DIE SHORTLIST

Eine Expertenjury unter dem Vorsitz der Leipziger Architektin Aline Hielscher bestimmte aus dem Feld der Longlist 21 Projekte für die engere Wahl der Shortlist zum DAM Preis 2026. Eine Auswahl von zwei Bauten deutscher Architekten im Ausland und die Sanierung und Erweiterung der Gründervilla JUNG kommen außer Konkurrenz hinzu.

DAM Preis 2026 – Die 23 besten Bauten in/aus Deutschland Frankfurt am Main, 30.01.2026 PRESSEINFORMATION Seite 3 Eine Konstante auch im Jahrgang 2026 bildet der hohe Anteil an Wohnungsbauten, häufig mit der Weiterentwicklung konventioneller Grundrisse für sich ändernde Lebensentwürfe. Bei den Kulturbauten setzt sich ein Trend fort: Es geht nicht mehr vorrangig darum, spektakuläre Solitäre in den (Stadt-) Raum zu stellen, sondern „Dritte Orte“ mit einem erweiterten Angebot zu schaffen. Außerdem bestätigt sich der Stellenwert zweier wichtiger Themen: Die Anzahl der Holz- und Holzhybridbauten nimmt ebenso zu wie die Bedeutung des Weiterbauens in Kombination mit Sanierungen und Umbauten. Letzteres gerne auch, um etwa aus vernachlässigten Ortszentren wieder beliebte und belebte Treffpunkte zu machen.


DIE FINALISTEN

Auf einer gesonderten Juryfahrt wurden die fünf gewählten finalen Bauensembles von der Jury vor Ort besichtigt:
ARETZ DÜRR ARCHITEKTUR – Wohnen F // 9, Modulare Nachverdichtung, Köln
ETAL. – Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer128, München
HILD UND K ARCHITEKTEN – Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München
PETER GRUNDMANN ARCHITEKTEN – ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
PPAG ARCHITECTS – Doppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin



DIE BAUTEN IM AUSLAND

Nicht in der Auswahl für den DAM Preis, aber seit vielen Jahren ein fester Bestandteil dieser Übersicht zur deutschen Gegenwartsarchitektur, sind die Bauten von Architekturbüros aus Deutschland in anderen Ländern: Sie befinden sich dieses Mal in Österreich und Südkorea. Peter Haimerl . Architektur und Studio Clemens Bauder haben an den Linzer Mariendom einen luftigen Pavilion mit baldachinartigem Dach gesetzt, der als Café und barrierefreie Willkommensgeste fungiert. In einem aufstrebenden Stadtteil Seouls haben behet bondzio lin architekten mit W-Mission Headquarters einen prägnanten Ort für ein Textilunternehmen in Kombination mit Cafés, Pop-up stores, Büros, Gemeindesaal und Wohnen geschaffen.


DAM Preis 2026 –  PREISTRÄGER

PETER GRUNDMANN ARCHITEKTEN
ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin

Dieser ungewöhnliche Bau vereint Gestaltungswillen und Können, Haltung und Gestaltung. Vorausgegangen war 2012 die Gründung des Vereins KUNSTrePUBLIK, der in einem leer stehenden Güterbahnhof in Berlin-Moabit ein breites Programm von Public Viewing über Reparaturworkshops und Nachbarschaftsmärkte bis zu Ausstellungen, Performances und Künstler-Residencies etabliert hat. Eine Erweiterung musste her. Nach der Bewilligung von sechs Millionen Euro Fördermitteln ging aus einem europaweiten Vergabeverfahren das Berliner Büro Peter Grundmann Architekten 2019 erfolgreich hervor.

Sorgfältige Fügung
Der Bau ist fein und sorgsam gefügt. Lasten werden sichtbar und ablesbar auf neuen Stützen abgetragen. Alte Wände, die nicht mehr belastet werden, durften stehenbleiben. Der Bestand insgesamt blieb unverändert. Die komplexesten Anschlüsse der Fassaden hat der gelernte Schiffsbauer Peter Grundmann nicht den Baufirmen überlassen, sondern selbst gebaut. Auch um Kosten zu sparen – die lediglich bei gut 2.000 Euro pro Quadratmeter liegen.

Ephemere Raumschicht
Die alte Lagerhalle im Erdgeschoss wurde als Hülle stehen gelassen und definiert den Veranstaltungsraum. Darunter befindet sich ein atmosphärischer Gewölbekeller mit Ausstellungsfläche und Bar. Der Bestand wird von einer ephemeren zweiten Raumschicht aus Glas und sehr wenig Stahl umfasst. Diese Hülle dient als Wärmeschutz und erreicht die energetischen Vorgaben auch ohne Dämmung. Auf der Eingangsseite bildet sie Foyer und Windfang. Auf der Gartenseite ist sie sechs Meter tief und nimmt einen Raum mit Bar auf. Das neue zweite Geschoss liegt auf einer vorgespannten Decke. Durch die zurückgesetzten Fassaden wird der Sonnenschutz hergestellt. Es entstand zudem ein breiter Laubengang, der alle Räume erschließt und dadurch eine große Nutzungsflexibilität auch im Inneren ermöglicht. Umlaufende Stahltreppen führen nach oben und verbinden beide Ebenen mit der großen Dachterrasse. Eingebettet ist das ZK ? U in einen öffentlichen Park, um dessen Pflege sich der Verein kümmert.

Neu definierte Architektur
Das Gebäude überzeugt architektonisch-räumlich ebenso wie konstruktiv-ästhetisch. Es demonstriert, dass ehrliche, haptische Konstruktion und ökonomische Planung nicht im Widerspruch zueinander stehen können – sondern sich vielmehr ergänzen, um großartige Architektur neu zu definieren. (Originaltext: Peter Cachola Schmal) 


STIMMEN AUS DER JURY

„Architekten seien keine Performer, meint Peter Grundmann. Und doch lässt das ZK/U vor allem eines erkennen: wie stark das Handeln Einzelner, weit über das hinaus was wir im klassischen Sinne als Architektur-Arbeit verstehen, unsere Städte prägen kann. Zwischen Umnutzung, Weiterbauen und Kritik am Status Quo der deutschen Bauverordnungen ist das Zentrum das Ergebnis eines trotz allem angenehm subtilen performativen Ungehorsams.” (Teresa Fankhänel)

„Das ZK/U ist dank der behutsamen energetischen Sanierung und Bestandserweiterung ein Ort für die Gesellschaft wie Gemeinschaft geworden. Mit einer zeitgemäßen Architektur, die über die folgenden Jahre flexibel an den Bedarf angepasst werden kann, und öffentlichen Grünflächen zeigt das Projekt, wie Architektur der Ungleichheit entgegenwirken und sinnstiftend dem `Wir´ dienen kann.” (Anna Moldenhauer)

„Ein Haus, das auf eine ganz besondere Weise die Geschichte eines ehemaligen Güterbahnhofs fortschreibt: der filigrane und selbstbewusste Einsatz von Stahl und Glas und die entstehenden Räume nehmen den Bestand ernst, respektieren und vervollständigen ihn. Architektur ist hier Hülle und Raum – und noch viel mehr: die Begleitung der Programmatik der Nutzenden, des ZK/U selbst. Das Haus wächst mit der Nutzung und umgekehrt, innen wie außen.” (Aline Hielscher)

„Peter Grundmann und das ZK/U sind ein ideales Paar. Der experimentierfreudige Architekt und die Avantgarde-Institution haben sich zusammengetan und auf einer Brache am Rand der Berliner Innenstadt eine Kulturmaschine geschaffen, wie sie so nur in der deutschen Hauptstadt möglich ist.” (Dijane Slavic, Uwe Bresan)

„Ist das schon illegal? Oder einfach mutig, wie hier Standards locker über Bord geworfen werden? Endlich diskutieren wir über die basics des heutigen Bauens!” (Oliver Elser)

„Zwischen festgelegter Planung und situativer handwerklicher Umsetzung, zwischen Haus und Objekt sucht das Projekt eine architektonische Unbestimmtheit, die konstante Dynamik und potenzielle Fehlbarkeit möglich macht. Inmitten des Moabiter Stadtgartens entrückt schwebend, findet die Architektur damit eine exakte Entsprechung zur Nutzung und Arbeit des Kulturzentrums als lebendiger, offener und zeitgenössischer Ort in Berlin.” (Martin Rein-Cano)

„Peter Grundmann erfrischt und zeigt uns wieder die Möglichkeiten von Architektur und architektonischem Raum, Sinn zu stiften und Gemeinschaft zu feiern. Für wenig Geld, dafür aber mit sehr viel Mut, klarer Haltung und Optimismus. Dafür vielen Dank.” (Peter Cachola Schmal)

„Auf den ersten Blick wirkt es so, als wäre hier jenseits aller Regeln gebaut worden. Doch sobald man die Räume durchläuft, merkt man: Alles folgt einem klaren Plan, und genau das überzeugt.« (Sven Fröhlich)

Foto:
©Yizhi Wang 

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Quelle: DAM