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Kategorie: Kulturbetrieb
Milos12Eine Veranstaltung in der Reihe »Deutsch-tschechische Familiengeschichten« anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026

Klaus Hagert

Berlin (Weltexpresso) - Der Krieg ist vorbei, aber die Welt wird nie mehr dieselbe sein. Dieses Stimmungsbild prägt die »Dokumentarerzählungen« von Miloš Doležal. Die Dämonen verschwinden nicht, sie nehmen nur eine andere Gestalt an. Der Autor schildert Ereignisse und Schicksale – darunter Raubmorde an deutschsprachigen Geistlichen –, wobei er sie durch seine Recherchen in einen breiteren geschichtlichen Kontext setzt.

Das Handeln seiner Protagonistinnen und Protagonisten wird dadurch in seinen Voraussetzungen und Folgen nachvollziehbar. Der nach einer tschechischen Rezension »bedeutendste Vertreter des Genres der dokumentarischen Erzählung in unserem Land« befragte selbst Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Zudem fotografierte er Tatorte, die im Bildteil des Buchs neben historischen Aufnahmen zu sehen sind. Das sensible und meisterhaft geschriebene Mosaik der direkten Nachkriegszeit ist Spiegelbild einer Epoche, die nur selten einen gerechten Umgang mit dem vorausgegangenen Unrecht fand.

 

Miloš Doležal, geb. 1970, ist tschechischer Lyriker, Schriftsteller und Journalist, der sich vor allem in seinem publizistischen Werk den Schicksalen von vergessenen, durch das kommunistische oder das nationalsozialistische Regime verfolgten Personen widmet. Sein Roman mit dem tschechischen Originaltitel Léto běsů erschien 2022 im Verlag Host. Für die Veranstaltung wurden Auszüge von Kathrin Janka ins Deutsche übersetzt.

Lesereihe »Deutsch-tschechische Familiengeschichten«

Anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Leipziger Buchmesse 2019 rief das Deutsche Kulturforum östliches Europa gemeinsam mit dem Tschechischen Zentrum Berlin und dem Adalbert Stifter Verein eine Reihe von Lesungen mit tschechischen Autorinnen und Autoren, die in ihren Werken die deutsch-tschechische Geschichte des 20. Jahrhunderts thematisieren, ins Leben. Die NS-Herrschaft, die Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung, die Vertreibung der Deutschen und das Leben der Verbliebenen spiegelt sich in den persönlichen Schicksalen der Figuren. Die Reihe wird auch 2026 gemeinsam mit dem Adalbert Stifter Verein anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse fortgesetzt.

Foto:
©DeutschesKulturforumÖstliches Europa

Info:Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforum östliches Europa in Kooperation mit dem Adalbert Stifter Verein und dem Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin. Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.