Was macht die „Frankfurter Künstlergesellschaft“ in der Rhön?Hanswerner Kruse
Kleinsassen/Rhön (Weltexpresso) – Kurz vor dem Jahresende begannen in der Kunststation die beiden umfangreichen Winterausstellungen. In einer präsentieren 21 Mitglieder der „Frankfurter Künstlergesellschaft“ ihre Arbeiten unter dem Titel „Nähe aus Distanz“.
Nach dem Eintritt begegnet man der überlebensgroßen weiblichen Skulptur „Hurdy Gurdy“. Übersetzt heißt der englische Titel „Drehleier" – im übertragenen Sinn steht sie also für Bewegung und Dynamik. Das Reisigbündel in ihren Händen verweist auf Hurdy-Gurdy-Girls: arme junge Frauen, die im 19. Jahrhundert aus dem Hessischen in die USA auswanderten und dort hart arbeiten mussten.
Ein üppig gemaltes Weib hält auf einem Acrylbild eine Schlange fest in der Hand und verweigert offensichtlich den Suizid. „Cleopatra hat sich*s anders überlegt“ heißt der Titel. Inszenierte Fotos unter Acrylglas zeigen einzelne einsame Frauen, die coole riesige Gebäude durchstreifen. Auf grellroten dramatischen Pigmentdrucken, „Me Somewhere Else“, von Mojgan Razzaghi sind die Frauen gar nicht mehr sichtbar. Deren Abwesenheit symbolisiert gesellschaftliche Ausgrenzung und Unterdrückung, welche die Künstlerin in ihren Werken oft thematisiert.
Doch zugleich öffnet sich der Blick rasch über das Feminine hinaus. Etwa auf androgyne und tierische Gestalten, wild gepinselt auf große Maltücher. Verwandeln sich die dargestellten Menschen in andere Wesen? Durch kleine Bronzefiguren werden männlich-weibliche Beziehungen dargestellt. Humorvoll sind weitere farbenfrohe Bilder wie die die comicartigen Tusche-Aquarellarbeiten „Sonntagsspaziergang“ oder „Street View“. Oder sie muten einfach nur schön an wie die Makrofotos von „Passionsblumen“ oder „Rotfrüchtigen Zauberrüben“, die wie Schmuckstücke wirken.
Wahrnehmbar sind hier sehr viele unterschiedliche künstlerische Zugriffe auf vielfältige Themen. Es entsteht „Nähe aus Distanz.“ Der Titel dieser Ausstellung charakterisiert weniger ihr Thema als die Haltung der Kunstschaffenden zueinander. Die Mitglieder – einer der ältesten aktiven Künstlervereinigungen Deutschlands – setzen sich mit ihren Werken auseinander. Sie entdecken neue Blickwinkel, kommen auf innovative Ideen, präsentieren ein breites Themenspektrum.
Die Distanz ist durch die Fülle unterschiedlicher Techniken, Materialien, Gestaltungen vorhanden. Dennoch entsteht trotz dieser Vielfalt Nähe – durch Kommunikation oder Kontraste der ausgestellten Arbeiten und durch die spürbare Akzeptanz der Unterschiedlichkeit. Dadurch fordern sie zwangsläufig auch die Besucherinnen und Besucher heraus. Natürlich setzt das die gelungene kuratorische Komposition der gesamten Schau voraus.
Es stellen aus:
Martina Bernasko, Heidi Böttcher-Polack, Claus Delvaux, Barbara Dickenberger, Joerg Eyfferth, Inge Helsper-Christiansen, Yuriy Ivashkevich, Achim Katzberg, Martin Konietschke, Matthias Kraus, Uli Mai, Klaus Puth, Mojgan Razzaghi, Achim Ribbeck, Anna Schamschula, INK Sonntag-Ramirez Ponce, Carmen Stahlschmidt, Clemens Maximillian Strugalla, Nicolas Vassiliev und Andreas Wald und als Gast Edelgard Bogner.
Fotos:
Hanswerner Kruse
Service:
Alle Ausstellungen bis zum 22. Februar 2026. Geöffnet Do. bis So / Feiertage von 13 – 17 Uhr
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