Zwischen Groteske und Zumutung: Udo Breitenbach
Hanswerner Kruse & Hannah Wölfel
Kleinsassen/Rhön (Weltexpresso) – Die dritte Winterausstellung in der Kunststation gestaltet Udo Breitenbach mit weiterbearbeiteten Fundstücken. Vor gut zwei Jahren gewann er mit einem seiner poetischsten Werke diese Einzelschau. Jetzt zeigt er „Sich selbst im anderen sehen“ noch einmal.
Zwei identische Köpfe – einer ist weiß, der andere dunkelhäutig – betrachten sich in Spiegeln. Wenn man um das Objekt herumgeht, wird das weiße Antlitz dunkler oder das dunkle heller. In der damaligen Gemeinschaftsausstellung „Make Art AND Friends“ reagierten Kunstschaffende mit ihren Beiträgen auf die documenta 15 und deren unsägliche Forderung „Make Friends NOT Art“. Breitenbachs Werk schließt Freundschaften UND ist Kunst.
Bereits im Eingang zur Schau wird die Bandbreite seiner Arbeiten deutlich: „Party ist over in Europe“ ist das kleine Überbleibsel eines Wohnwagens, der auf dem ganzen Kontinent herumfuhr. Dieses unbearbeitete Fundstück vom Sperrmüll symbolisiert für den Künstler den Zustand Europas. Das Gebilde daneben setzt Fundstücke als Assemblage zusammen: Der traurige Puppenkopf ist mit einer Weltkarte beklebt, in die ein Vogel piekt. Die Welt piept wohl nicht richtig, könnte man meinen. Aber die Bezeichnung des Objekts verweist ebenfalls auf den Titel der Ausstellung: „Noch zu retten?“
Gleich in Breitenbachs großer Halle liegt eine gefundene zerstörte Jesusfigur auf einem Eisenbett, eine Trauerschleife um seine kaputte Brust verkündet: „Unser Pazifismus / Ruhe in Frieden“. Im Hintergrund hängen feingerahmte Bundeswehrdecken mit der Inschrift: „Bundeseigentum“. Eine „Notunterkunft“ aus alten Landkarten, die früher in Schulen verwendet wurden, ist auf ein Zeltgestänge montiert. Ein Bett darin ermöglicht vielleicht von alten Zeiten zu träumen, als Deutschland noch größer war. Den Künstler erinnert seine Installation jedoch an Flucht und Vertreibung.

Verrätselter und voller Komik sind seine Installationen mit Schaufensterpuppen und anderen Skulpturen im kleinen Saal. Drei in einem Eisengestänge herunterfallende Figuren sind eine komische „Fallstudie“ (Titel). Sein Objekt „Am meisten fehlt mir die menschliche Wärme“ zeigt eine Wesen mit einem alten Kühlgerät. Breitenbach löst keinesfalls alltägliche oder sakrale Dinge aus ihrem Kontext und erklärt sie einfach zur Kunst, wie die Pioniere der objet trouves (französisch für „gefundenes Objekt“). Erst durch Zusammenfügung und Verfremdung werden seine Fundstücke zu autonomen Objekten mit neuer Bedeutung.
Durchweg interessiert den Künstler die Frage, ist diese Welt noch zu retten? Eine große Installation zum Klimawandel oder die von ihm unterstellte Entführung des Jesuskindes aus einer Krippe nach Guantanamo durch Donald Trump sind eher pessimistisch. Aber am Ende der Ausstellung steht seine hoffnungsvolle Zumutung: „Du selbst bist der Retter!“
Fotos:
© Hanswerner Kruse
Info:
Alle drei Winterausstellungen sind noch bis zum 22. Februar geöffnet, Do - So von 13 - 17 Uhr
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