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Kategorie: Kunst

HesseKunsthalle Messmer zeigt Hermann Hesse als Maler

Sabine Zoller

Riegel (Weltexpresso) - Den „Steppenwolf“ oder „Siddhartha“ kennt fast jeder. Doch dass der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse (1877–1962) ohne Pinsel und Palette seine Schreibkrisen kaum überwunden hätte, ist vielen neu. Die Kunsthalle Messmer widmet dem weltberühmten Autor nun in Kooperation mit der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim Calw eine umfassende Sonderausstellung.


„Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch
  vom 21.03. bis 11.10.2026

Unter dem Titel „Hermann Hesse – Bereit zum Aufbruch“ rückt ab dem 21. März ein bisher oft unterschätzter Aspekt seines Schaffens in das Zentrum der Aufmerksamkeit: Der Grenzgänger Hesse als bildender Künstler. Rund 130 Exponate, darunter leuchtende Aquarelle, feine Tuschezeichnungen, illustrierte Briefe und Erstausgaben lassen die Besucher in die farbgewaltige Welt des Wahltessiners eintauchen.

Rettung in der Malerei

„Als Dichter wäre ich ohne das Malen nicht so weit gekommen“, gestand Hesse einst. Die Malerei war für ihn weit mehr als ein Zeitvertreib; sie war ein therapeutischer Anker. Inmitten persönlicher Schicksalsschläge und unter dem Eindruck der Psychoanalyse bei J.B. Lang und C.G. Jung fand Hesse ab 1916 zur Kunst. Was in Bern mit Selbstbildnissen und Traumbildern begann, entfaltete sich nach seinem Umzug nach Montagnola im Jahr 1919 zu einer wahren Explosion der Farben.

Die Sehnsucht nach Harmonie

Die Ausstellung führt die Besucher durch Hesses verschiedene Lebensphasen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Inspiration durch die Tessiner Landschaft. Beeinflusst von Künstlern wie August Macke oder Louis Moilliet, schuf Hesse Werke, die von einer tiefen Sehnsucht nach Harmonie und Naturverbundenheit zeugen. Seine Bilder spiegeln dieselben Themen wider, die auch seine Literatur prägen: Die Suche nach der eigenen Identität, der Aufbruch zu neuen Ufern und das Leben im Einklang mit der Umwelt.

Ein Dialog der Sinne

Besonders reizvoll ist die Verknüpfung der Medien: Die Schau lässt Hesses Wort- und Farbwelten direkt miteinander korrespondieren. Zitate aus seinen Gedichten und Romanen begleiten die malerischen Werke und zeigen auf, wie untrennbar Geist und Auge bei Hesse verbunden waren. Auch seine Berührungspunkte mit der Lebensreform-Bewegung auf dem Monte Verità werden thematisiert, ein Ort, der Hesses Ideal eines authentischen Lebens fernab bürgerlicher Zwänge befeuerte.

 

Foto:
Hermann Hesse  Häuser am Hang, Aquarell, 1927, 
©Kunststiftung Sparkasse Pforzheim Calw

„A Family“, © Jasper Wolf
 www.kunsthallemessmer.de