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Kategorie: Messe & Märkte
kunsthandHessischer Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk zur Ambiente in Frankfurt verliehen

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Moderne Götter in Gold, ein skulpturales Möbelobjekt, freies Feuer im Raum und ein Federkleid zwischen Kunst und Mode: Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk stellt erneut sowohl das hohe künstlerische Niveau als auch die große Aktualität des zeitgenössischen Kunsthandwerks unter Beweis. Der begehrte Award wurde 2026 zum 74. Mal vergeben.

Die feierliche Verleihung fand am 6. Februar im Rahmen der Ambiente statt, der Leitmesse für die globale Konsumgüterindustrie. Strahlende Gewinner*innen sind die Goldschmiedin Pura Ferreiro (1. Platz), der Möbeltischler Martin Wilmes (2. Platz) und der Schmiede- und Metallbaumeister Günter Matten (3. Platz). Den Förderpreis erhielt der Fashion-Designer Maurizio Paul Hirmer für sein Federkunstwerk „Plumage“.

Überreicht wurde der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk 2026 durch Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. Er betonte: "Kunsthandwerk verbindet handwerkliche Exzellenz, Kreativität und gesellschaftliche Verantwortung. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie viel Qualität, Leidenschaft und Innovationskraft im Kunsthandwerk stecken. Sie machen sichtbar, wie aus traditionellem Können zukunftsweisendes Design entsteht – und warum das Kunsthandwerk ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Pfeiler unseres Landes ist."

Die große transformative Kraft des zeitgenössischen Kunsthandwerks stellte Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, heraus: „Zeitgenössisches Kunsthandwerk findet Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit in seinen eigenen Stärken: Können, Präzision und kulturelles Erbe. Gerade daraus entsteht Neues – zukunftsweisend, relevant und international anschlussfähig. Dieser Anspruch passt perfekt zur Ambiente, die sich als verlässlicher Kompass für die globale Konsumgüterindustrie versteht.“

Trend zur Verjüngung des Deutschen Kunsthandwerks setzt sich fort

Zum Hessischen Staatspreis 2026 gingen rund 140 Einreichungen ein, über 40 davon kamen von Kunsthandwerker*innen, die aufgrund ihres jungen Alters für den Förderpreis infrage gekommen wären. Damit führt die 74. Edition des renommierten Wettbewerbs den inzwischen anhaltenden Trend weiter, bei dem sich das Deutsche Kunsthandwerk sukzessive verjüngt. Diese Entwicklung spiegelt sich sowohl im sinkenden Altersdurchschnitt der Teilnehmenden wider als auch in den konzeptionell starken Ansätzen. Diese vereinen Technologie und Handwerk in einem zukunftsweisenden, schöpferischen Prozess. Alle 25 für den Wettbewerb 2026 nominierten Einreichungen zeigt die große Ausstellung auf der Ambiente (6.- 10. Februar 2026) in der Halle 3.1 im Produktsegment Interior Design.

Die Jury 2026

Die Fachjury wird eigens für den Wettbewerb berufen und vereint herausragende Persönlichkeiten aus Kunsthandwerk, Design und Medien. 2026 saßen der Jury bei:

-    Alexandra Gerlach, Referentin Handwerk, Mittelstand, Handel, Wirtschaftsrecht im
Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum

-    Dr. Sabine Wilp, Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk

-    Matthias Wagner K, Direktor des Museums Angewandte Kunst, Frankfurt

-    Peter-Philipp Schmitt, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

-    Fabio Vogel, Glasgestalter, erster Preisträger im Jahr 2025

Preisträger*innen 2026 – Werk und Jurystatement

1. Preis: Pura Ferreiro | Halskette „Third-Millennium-Revival-Necklace“

Pura Ferreiro steht für exzellentes Handwerk und künstlerisch hochwertiges Design. Ihre Arbeiten sind extrem arbeitsaufwändig, ihr Stil unverwechselbar. Bekannt ist die Münchner Goldschmiedin wegen ihrer Faszination für die Granulation, mit der sie sich bereits seit 1990 beschäftigt. Darin werden winzige Kügelchen aus Gold ohne Löt auf die Schmuckstücke aufgeschweißt. So entstehen feinste Ornamente, Muster, Formen und Linien auf der Oberfläche der Objekte.

Für den Wettbewerb reichte Ferreiro ihr „Third-Millennium-Revival-Necklace“ ein. Der große Halsschmuck besteht aus granuliertem 900er-Gold und schwarz oxidiertem 925er-Silber. Insgesamt 260 Einzelteile bilden eine 100 cm lange Kette, die von antiken, hellenistischen Vorbildern inspiriert ist. Alle goldenen Elemente sind mit unterschiedlichen Mustern granuliert. Besonders reizvoll befand die Jury die Detailfreude des außergewöhnlichen Halsschmucks, denn zwischen den klassischen Bucheckern und Amphoren verstecken sich drei recht zeitgenössische Figuren: ein gottgleicher, geflügelter Geschäftsmann (Eros), eine tanzende Influencer-Göttin (Nike) und ein Astronaut (Der Mensch wird selbst zum Gott und erkundet das Universum). Drei Platzhalter für die Götter und Göttinnen unserer Zeit.

2. Preis: Martin Wilmes | Möbelobjekt „Round About“

Martin Wilmes lebt und arbeitet in Bremen. Er hat eine Lehre als Möbeltischler absolviert und sich 2000 mit einer eigenen Werkstatt selbstständig gemacht, um seinen künstlerischen Ideen Raum zu geben. Seine Möbelkunst wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Kern seiner Tätigkeit und seines künstlerischen Selbstverständnisses ist die Erarbeitung freier Werkstücke aus Massivholz, in denen er seine gestalterischen Ideen und Prinzipien umsetzt und weiterentwickelt.

Martin Wilmes bewegt sich im Grenzbereich zwischen Objekt und Möbel. Frei im Raum stehend, entfalten seine allansichtigen Werkstücke ihre volle skulpturale Wirkung. So treffen sich Funktionalität und ästhetische Wandelbarkeit in den unverwechselbaren Möbelobjekten. Sein jüngstes Stück „Round About“ ist aus europäischem Ahorn gefertigt; der nicht sichtbare Drehkranz besteht aus Stahl. Die mit Kreidefarbe gestalteten Flächen akzentuieren die Strukturen und ermöglichen variable Ansichten beim Vertauschen und Drehen von Schubladen, Platten und Türen. Das Jury-Urteil: „Ein Schrank, der an luftiger Leichtigkeit kaum zu überbieten ist.“

3. Preis: Günter Matten | Feuerstelle „FARO“

Der in Lindau ansässige Schmiede- und Metallbaumeister Günter Matten steht seit 1976 für einzigartige Feuerstellen, die von Hand gefertigt werden. Dafür wurde er bereits 1988 mit dem Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk ausgezeichnet. 2026 konnte er sich mit der von ihm gestalteten Feuerstelle „FARO“ erneut in dem renommierten Wettbewerb durchsetzen.

Die Jury überzeugte vor allem der ästhetisch behutsame Umgang mit dem Element Feuer, welcher Ästhetik, Sicherheit und hohe Funktionalität auf elaborierte Weise vereint. Die klare Form und die Metallfarbe zeigen sich als besonders gut geeignet, das lebendige Formenspiel und die glühenden Farben der Flammen zur Geltung zu bringen. Das Exponat stellt eine ungewöhnliche, sowohl innen wie außen um 360 Grad drehbare Feuerstelle dar. Die Außenverkleidung besteht aus Tombakrohren. Besonders faszinierend präsentiert sich der Blick direkt ins Feuer bei geöffneter Front oder alternativ durch die Zwischenräume der senkrechten Stäbe bei geschlossener Front.

Förderpreis: Maurizio Paul Hirmer | Federkunstwerk „Plumage“

Maurizio Paul Hirmer ist einer der ganz wenigen Kunsthandwerker in Deutschland, die sich der Federkunst verschrieben haben. Seit seiner Kindheit faszinieren ihn organische Formen aus der Natur. Bis heute prägt dies seinen gestalterischen Ansatz. Inspiriert von Flora und Fauna verbindet Maurizio Paul Hirmer in seinen Arbeiten Ästhetik mit Verantwortung: ökologisch, gesellschaftlich und kulturell. Während seines Fashion-Design-Studiums entwickelte er ein nachhaltiges Materialverständnis und den Wunsch, handwerkliches Wissen in zeitgenössische Kontexte zu überführen. Im Fokus stehen handgefertigte Arbeiten, die sich mit der Beziehung von Mensch, Natur und Identität auseinandersetzen.

Seine Federkunstwerke „Plumage“ basieren auf einer von ihm weiterentwickelten Variante der Puttawus-Knotentechnik, inspiriert von der Federkunst nordamerikanischer Ureinwohner. Daraus entstehen Netzstrukturen, auf denen Federn einzeln vernäht werden. Neben der hohen kunsthandwerklichen Finesse schätzt die Jury das Gesamtkonzept: Hirmers Objekte bewegen sich zwischen tragbarer Dekoration, Wandobjekt, traditionellem Handwerk und zeitgenössischem Design mit dem Ziel, nachhaltige Alternativen aufzuzeigen und kulturelles Erbe erfahrbar zu machen.

Hessischer Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk

Der Hessische Staatspreis für das Deutsche Kunsthandwerk zählt zu den bedeutendsten Auszeichnungen, die Kunsthandwerker*innen in Deutschland erhalten können. 2026 wird er bereits zum 74. Mal verliehen. Der Staatspreis wurde ins Leben gerufen, um einen besonderen Anreiz für herausragend kreative Leistungen zu schaffen. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die durch eigenständige Gestaltungsansätze, Innovationskraft, die souveräne Beherrschung von Material und Technik sowie ein stimmiges Gesamtbild überzeugen. Seit seiner Einführung wird der renommierte Preis im Rahmen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt vergeben.

Foto:
Gewinner des 74. Hessischen Staatspreises für das Deutsche Kunsthandwerk, verliehen im Rahmen der Ambiente 2026
(v.l.): Halskette „Third-Millennium-Revival-Necklace“ von Pura Ferreiro, Möbelobjekt „Round About“ von Martin Wilmes,
Feuerstelle „FARO“ von Günter Matten und Federkunstwerk „Plumage“ von Maurizio Paul Hirmer Paul Hirmer.