Das damals letzte faschistische Regime in Europa: Spanien
FIR
Berlin (Weltexpresso) - Am 20. November 1975 jubelten in ganz Europa spanische Antifaschisten, als sie vom Tod des damals letzten noch lebenden faschistischen Herrschers Franzisco Franco, der sich selber als „caudillo“ („Führer“) bezeichnen ließ, erfuhren. In vielen Ländern Europas waren spanische Antifaschisten im Exil, die nach dem spanischen Krieg 1936-39 vor dem politischen Terror, der Geheimpolizei und anderen Repressalien ins Ausland geflohen waren und von dort den Kampf um die Befreiung des Landes unterstützten.
Francisco Franco, 1892 im galicischen Ferrol geboren, hatte sich Mitte der 1920er Jahre im Kolonialkrieg in Marokko einen Namen als erbarmungsloser Offizier gemacht. 1926 wurde er mit 33 Jahren zum damals jüngsten General Europas befördert. Als Mitte Juli 1936 eine Handvoll Generäle einen Putsch gegen die spanische Republik inszenierten, war Franco die populärste Gestalt der Gruppe. Folgerichtig übernahm er bereits in den ersten Monaten des Bürgerkrieges die Kontrolle über die putschenden Teile der Armee. Am 1. Oktober 1936 ließ er sich zum »Regierungschef des Spanischen Staates« mit allen Vollmachten küren; die ursprünglich vorgesehene Einschränkung, dass dies nur für die Dauer der Auseinandersetzung gelten würde, kam in der Ernennungsurkunde nicht mehr vor. Nach dem Ende des Krieges proklamierte er sich selbst als »generalísimo« und herrschte fortan bis zu seinem Tod mit absoluter Macht.
Das Fundament seiner Herrschaft bildete die faschistische Partei, die Falange. 1933 von José Antonio Primo de Rivera gegründet, repräsentierte sie die Ideologie eines reaktionären Nationalkatholizismus. Falangisten übten Straßenterror aus, verhafteten angebliche Feinde des katholischen Spanien, folterten und ermordeten sie. Bis 1939 flüchteten eine halbe Million Spanier ins Exil, danach verwandelte sich das Land in ein riesiges Straflager. An die 300 Konzentrations- und Arbeitslager wurden angelegt, Strafbataillone mit republikanischen Häftlingen mussten – bis heute wichtige – Infrastrukturbauten errichten: Straßen, Kanäle, Eisenbahntrassen, ja ganze Ortschaften. Mehr als 230.000 Personen, ein Prozent der Bevölkerung, waren 1940 in Gefängnissen oder in Lagern inhaftiert. Neben dem politischen Terror wurde eine ideologische Gleichschaltung mit der „franquistischen Dreifaltigkeit“ betrieben: ein Kruzifix, flankiert von je einem Bild von Franco und von José Antonio Primo de Rivera. Dass mit der Franco-Herrschaft alle sozialen Fortschritte der Republik rückgängig gemacht wurden, versteht sich fast von selber. Immer wieder gab es internationale Solidaritätskampagnen für von der Todesstrafe bedrohten Antifaschisten, gleichzeitig setzten die westlichen Regierungen ihre „Nichteinmischungspolitik“ fort, so dass der Terror unbeschadet stattfinden konnte.
Der Tod von Franco 1975 bedeutete noch nicht das Ende der franquistischen Herrschaft. Arias Navarro war bereits im Dezember 1973 als Ministerpräsident ernannt worden. Am 22. November 1975 schwor Juan Carlos vor der Cortes, die Prinzipien der »Nationalen Bewegung«, also des Franquismus, einzuhalten. Daraufhin wurde er von eben diesem Parlament zum König erklärt. Damit begann ein Prozess, der bis heute als „transición“ (Übergang von der Diktatur in eine parlamentarische Monarchie) immer noch für Kontroversen sorgt. Amnestiegesetze von 1976 und 1977, die offiziell verabschiedet wurden, um politischen Gefangenen die Freiheit wiederzugeben, werden bis heute dazu genutzt, die franquistischen Folterer und Mörder vor gerichtlicher Verfolgung im In- und Ausland zu schützen. Ein wirklicher Bruch fand nicht statt. Die franquistische Gesetzgebung wurde in die neue Zeit übernommen und die Regierenden setzten 30 Jahre lang keine Maßnahmen um, mit denen die Spuren der Diktatur überwunden würden. Stattdessen gründete der vormalige Franco-Minister Manuel Fraga 1989 als wichtigste bürgerliche Partei die konservative Partido Popular (PP), heute in der EVP-Fraktion im Europaparlament.
Seit einigen Jahren gibt es die „Bewegung des historischen Gedächtnisses“, in deren Rahmen Massengräber exhumiert wurden, um die Opfer des Franquismus in Würde bestatten zu können. In diesem Jahr verkündete die Regierung das Programm »España en libertad. 50 años« (Spanien in Freiheit. 50 Jahre) mit Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen in Schulen und Bildungseinrichtungen sowie Dokumentarfilmen, das von den Mitgliedsverbänden der FIR aktiv unterstützt wird.
Doch die Franquisten geben nicht auf. Für den 29. November 2025 war in Paris eine große Messe zu Ehren Francos und José-Antonio Primo de Rivera angekündigt. Aufgrund öffentlicher Proteste musste die Veranstaltung abgesagt werden. Sie zeigt aber, auch 50 Jahre nach seinem Tod sind Anhänger Francos noch einflussreich und aktiv.
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Info:
Quelle: FIR Newsletter 2025-48 dt.
FIR: Fédération Internationale des Résistants, internationale Dachorganisation von Verbänden antifaschistischer Widerstandskämpfer