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Kategorie: Zeitgeschehen

hiasDie internationale Flüchtlings- und Einwanderungsorganisation HIAS hat überraschend ihre seit Jahrzehnten bestehende Niederlassung in Wien geschlossen  

Redaktion tachles

Wien (Weltexpresso) - Die Entscheidung beendet eine historische Ära, in der die Stadt am Ende des Zweiten Weltkriegs und in den Jahrzehnten danach für viele Verfolgte – insbesondere jüdische Flüchtlinge – eine erste Anlaufstelle auf dem Weg in ein neues Leben war. 


Die Schließung ist eine direkte Folge der Entscheidung der Regierung von US-Präsident Donald Trump, das U.S. Refugee Admissions Program auszusetzen und die staatliche Förderung für das Resettlement Support Center in Österreich zu streichen, das HIAS seit über 25 Jahren betrieb. Dadurch wurden die Mittel für zentrale Flüchtlingsaufnahme- und -vermittlungsprozesse gestrichen. 

Bildschirmfoto 2026 02 06 um 02.43.12Nach Angaben von HIAS bleiben nun mehr als 14 000 religiöse Minderheiten aus Iran – darunter Hunderte jüdische Menschen, die bereits für eine US-Neuansiedlung zugelassen waren, ohne Perspektive auf einen Ausweg aus Verfolgung und Gefahr. Auch mehrere hundert Menschen aus Eritrea und weitere Asylsuchende in Israel verlieren durch die Schließung ihre Möglichkeit auf eine sichere Weiterreise. 

„Diese Entscheidung lässt tausende Familien in grosser Gefahr zurück, ohne einen legalen Weg in Sicherheit“, erklärte HIAS-Geschäftsführerin Beth Oppenheim in einer schriftlichen Stellungnahme. Die Organisation kündigte gleichzeitig an, weiter für die Wiederaufnahme des Flüchtlingsprogramms und rechtmäßige Fluchtwege einzutreten. 
Die Wiener HIAS-Stelle war über Jahrzehnte ein zentrales Drehkreuz für jüdische Migration – von Überlebenden des Holocaust über Flüchtlinge aus dem Ostblock bis hin zu den modernen iranischen Minderheiten. Ihre Schließung gilt als symbolisches Ende dieser historischen Funktion Wiens als „Ellis Island Europas“. 

Fotos:
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©Hias
Flüchtlinge aus Ungarn versammeln sich im Büro von HIAS in Wien. Einige äußern den Wunsch, in die Vereinigten Staaten auszuwandern, andere nach Australien, wo sie Verwandte haben
©tachles

 
Info: 
Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 5. Februar 2026