vorsxSerie: Frankfurt liest ein Buch vom 24. April bis 7. Mai: Deniz Ohde STREULICHT, Teil 2

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Sabine Baumann (links), Vorsitzende FRANKFURT LIEST EIN BUCH hatte zur Pressekonferenz in einen besonderen Ort eingeladen: Villa Orange in der Hebelstraße 1 im Nordend. Angenehm, dachte ich beim Hineinkommen und war dann verblüfft, daß das Hotel seit Anfang an ein wesentlicher Unterstützer des Frankfurter Lesefestes ist und die jeweiligen Protagonisten zum Übernachten einlädt. Prima. Nur die kleine Bibliothek im Souterrain, die kann jetzt STREULICHT von Deniz Ohde gut gebrauchen.

 


Zum 14. Mal findet das Lesefest statt, ein guter Termin, denkt man, allerdings fällt leider die Leipziger Buchmesse vom 27. bis 30. April hinein, die für Literaturbegeisterte ein Muß ist.

2. vorsitzBei jedem neuen Buch, um das es gehen wird, fallen einem die bisherigen ein, die allesamt guten Anlaß für die vielen Termine boten, selbst dann, wenn es um literarisch Fragwürdiges ging, war das Thema, vom naziverseuchten Frankfurt im Nationalsozialismus zu lesen, einfach überfällig. Genauso überfällig ist es, nach viel Historischem nun ein Buch auszuwählen, das für die meisten Frankfurter in ihre eigene Lebenszeit fällt. Die 1988 geborene Autorin beschreibt ihr Aufwachsen in einer Umgebung, die vom durchaus lebensfeindlichen  Industriestandstandort im Westen sowie dem dortigen Wohnen von Arbeitern und Migranten geprägt ist. Für beide Gruppen steht auch die Autorin, deren Vater Arbeiter und die Mutter Türkin ist. Man hätte gerne die Diskussion zwischen den Eltern gehört, falls es eine gab, die Tochter Deniz zu nennen, eine Helga Ohde beispielsweise hätte keine Fragen aufgeworfen.

Genau um diese Grauzone zwischen selbstverständlicher Heimat, aber dem Vielleicht-doch-nicht-Dazuzugehören, einerseits als Arbeiterkind, andererseits mit türkischer Mutter, geht es im Roman der Autorin, wobei es eben nicht nur um die gesellschaftlichen Probleme geht, sondern die hartwigLethargie und Alkoholsucht des Vaters, der die Mutter irgendwann entflieht, was die Tochter erst mal nicht kann. Schwierige Gemengelage.

Nach den vier Frauen als Vorrednerinnen, Silke Haug ( links) als 2. Vorsitzende des Vereins, Ina Hartwig (rechts), Kulturdezernentin, Julia Cloot (unten) für den mittelgebenden Kulturfonds Frankfurt, kam mit Lothar Ruske (oben rechts)  der zu Wort, der das Programm geplant und organisiert hat.

clootWir hören von 77 Veranstaltungen, die im diesmal DIN-A-5 Heft aufgeführt sind – es kommen immer weitere dazu, weshalb man die Webseite www.frankfurt-liest-ein-buch.de verfolgen sollte - , die man im Rahmen eines Artikels gar nicht würdigen kann, weshalb wir heute nur auf drei Auffälligkeiten verweisen:

- An (bisher) 24 Veranstaltungen wird die AutorinDeniz Ohde  persönlich teilnehmen.

- Es sind außerordentlich viele Schulveranstaltungen dabei.

- Filmemacher Gregor Praml hat mit Schülern und Schülerinnen der Ludwig-Erhard-Berufsschule ein Filmprojekt zu Themen des Romans erarbeitet.

Das ist für die Zukunft des Lesefestes eine wichtige Entwicklung. Denn so wird hoffentlich bald in allen Deutschkursen der Oberstufe das jeweilig ausgesuchte Buch gelesen. Dieses Jahr kann man auf jeden Fall  bei den Veranstaltungen in Buchhandlungen und den anderen Veranstaltungsorten – selbst das Geldmuseum ist mit dabei - mit einem verjüngten Publikum rechnen. Gut so.

Fortsetzung folgt

Fotos:
©Redaktion


Info:
Deniz Ohde, Streulicht, Suhrkamp Verlag, Festivalausgabe mit Nachwort der Autorin 2022
ISBN 978 3 518 43129 0

www.frankfurt-liest-ein-buch.de

Damalige Buchbesprechung in WELTEXPRESSO
https://weltexpresso.de/index.php/buecher/20122-deniz-ohde-streulicht-suhrkamp-verlag_544_544