einigkeitWolfgang Ainetters neuer Politkrimi „Einigkeit und Recht und Rache“

Thomas Tenzler

Leipzig (Weltexpresso) - Es gibt Krimis, die Spannung erzeugen wollen. Und es gibt Krimis, die einfach nur beobachten müssen, weil die Realität bereits absurd genug ist. Wolfgang Ainetters zweiter Politroman „Einigkeit und Recht und Rache“ gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Nach seinem erfolgreichen Debüt „Geheimnisse, Lügen und andere Währungen“ (2024) kehrt Ainetter zurück ins Berliner Regierungsviertel und zeigt erneut, dass politischer Betrieb oft näher an Satire als an Staatskunst liegt.



Der erste Satz gibt den Ton vor:
„Diese Geschichte ist ebenso wahr wie die Wahlversprechen von Friedrich Merz.“
Und gleich danach folgt der Warnhinweis:
„Warnhinweis für Politikerinnen und Politiker: Die folgenden Kapitel können verstörend wirken und Unbehagen beim Champagnertrinken auslösen.“
Man weiß also früh: Das wird kein klassischer Krimi.

Zwei Tote beim Bundespresseball

Der Plot ist ebenso elegant wie unerquicklich: Beim Bundespresseball im Berliner Hotel Adlon brechen Bundeskanzler und Finanzminister gleichzeitig zusammen – nach einem Glas Champagner. Kurz darauf sind beide tot.

Der Roman erzählt diese politische Katastrophe aus der Perspektive des Ermittlers André Heidergott, eines Wiener Polizisten im Berliner Regierungsviertel. Heidergott ist eine jener Figuren, die gleichzeitig Beobachter, Kommentator und Störfaktor sind – ein Ermittler mit Schmäh, Ironie und einer gewissen Lust am Spott.

Schon seine Selbstvorstellung klingt wie eine Mischung aus Krimiheld und Kabarettfigur:
„Ich, André Heidergott, bin gebürtiger Wiener und habe das größtmögliche Problem, das ein Wiener nur haben kann: Ich wohne nicht mehr in Wien.“

Heidergott arbeitet im politischen Berlin, jenem Ort, an dem laut Roman Karrieren ebenso schnell entstehen wie verschwinden.

„Der politische Tatort befindet sich meist in einem der vielen Hinterzimmer von Berlin-Mitte. Dort, wo Intrigen vorbereitet, Rufmorde exekutiert und Karrieren gekillt werden.“
Doch diesmal bleibt es nicht beim metaphorischen Mord.

Ein Krimi über das System Berlin

Die Stärke des Romans liegt weniger im klassischen „Whodunit“ als im Milieu. Ainetter lässt das politische Berlin laufen – mit all seinen Eitelkeiten, Ritualen und grotesken Nebenfiguren.

Ministerien, die Digitalisierung nicht schaffen, aber zuverlässig die Umlaufmappenindustrie fördern. Journalisten, die zwischen Distanz und Champagner schwanken.
Politiker, deren größte Angst nicht der Tod, sondern der Bedeutungsverlust ist.
Genau daraus entsteht der Humor.
Heidergott beschreibt seine Arbeit mit trockenem Sarkasmus:
„In meiner Zeit als Polizist in Berlin habe ich jede Menge Egomanen, Narzissten, Psychopathen, Soziopathen, Giftspritzen und Hochstapler kennengelernt.“

Das politische System erscheint dabei weniger als Ort großer Intrigen, sondern als Bühne für menschliche Schwächen.
Oder, anders gesagt:
Die meisten Figuren sind keine Bösewichte – sie sind schlicht überfordert.

Satire statt Abrechnung

Besonders süffig ist Ainetters Darstellung des politischen Betriebs rund um die ehemalige Ampelregierung. Der Roman ist keine Abrechnung – eher ein lakonisches Protokoll kollektiver Überforderung.
Niemand wird geschont, aber auch niemand dämonisiert. Die Figuren wirken vertraut: Politiker, Beamte, Journalisten, Lobbyisten – alle drehen sie ihre Runden zwischen Bundestag, Ministerien und Lobbyempfängen.
Und mittendrin: ein Ermittler aus Wien, der alles mit leichtem Spott kommentiert.

Insiderwissen als literarische Waffe

Dass der Autor selbst lange im politischen Betrieb gearbeitet hat, merkt man jeder Seite an. Wolfgang Ainetter war Ministersprecher und Kommunikationschef in einem Bundesministerium sowie zuvor Journalist und Chefredakteur.
Diese Erfahrung macht den Roman glaubwürdig:
Dialoge wirken authentisch, Abläufe stimmen – und viele Szenen fühlen sich weniger wie Fiktion als wie gut getarnte Realität an.
Der Roman lebt von diesem Insiderblick. Spannung entsteht nicht nur durch den Mordfall, sondern durch das politische Umfeld: ein System aus Eitelkeiten, Loyalitäten und taktischer Ahnungslosigkeit.

Erste Pressestimmen

Die ersten Reaktionen aus Medien und Politik fallen entsprechend begeistert aus.

Helge Fuhst, Chefredakteur der „Welt“-Gruppe, sagt:
„In seinem zweiten Polit-Krimi seziert Wolfgang Ainetter genüsslich mit seiner Insider-Kenntnis das Berliner Regierungsviertel. Spannend, bissig und erfreulich respektlos gegenüber den Mächtigen.“

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Der „Tagesspiegel“-Herausgeber Lorenz Maroldt schreibt:
„In dieser Krimi-Satire voll feiner Anspielungen und Anekdoten meint man nahezu allen zu begegnen, die im politisch-medialen Berlin etwas zu sagen oder zu verschweigen haben.“

Und die Journalistin Tanit Koch beschreibt das Buch als
„unterhaltsame Melange aus Berliner Boshaftigkeit und Wiener Lebensfreude.“

Ein Krimi, der genau hinschaut
„Einigkeit und Recht und Rache“ ist kein Roman, der die Demokratie retten will. Aber einer, der ihr sehr genau zusieht – besonders dann, wenn sie beim Walzer auf die eigenen Füße tritt.

Oder, um es mit den Worten des Prologs zu sagen:
„Alle Figuren, die im Roman vorkommen, haben eine eidesstattliche Versicherung abgegeben: Wir existieren nicht.“

Man glaubt es ihnen sofort.
Und gleichzeitig kein bisschen.

Termine – Leipziger Buchmesse
Wolfgang Ainetter stellt seinen neuen Politkrimi auch auf der Leipziger Buchmesse vor:
Donnerstag, 19. März 2026 – 10:30 Uhr
Forum Literaturlandschaft, Leipziger Messe
Halle 4, Stand C205

Donnerstag, 19. März 2026 – 20:00 Uhr
„Leipzig liest“
Jacques’ Wein-Depot Leipzig-Ost
Bernhard-Göring-Straße 31

Foto:
Umschlagabbildung

Info:
Wolfgang Ainetter, Einigkeit und Recht und Rache. Ein Kanzleramtskrimi
Haymon Verlag, Innsbruck/Wien, 2026
ISBN: 978-3-7099-8491-8
Taschenbuch, ca. 320 Seiten
Preis: 14,95 €