Neuer Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) öffnet sein Büro im Römer

 

Claudia Schulmerich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Das sieht man auch nicht alle Tage, wie da einer offiziell seinen Dienst beginnt, den ihm die Frankfurter Wähler schon im März des Jahres beschert hatten, nachdem die ehemalige OB Petra Roth (CDU) vorzeitig um ein Jahr ihre Amtszeit verkürzt hatte, weil sie geglaubt hatte, ihren Nachfolger selbst aussuchen zu können, was ihr der Wähler verwehrte. Am 2. Juli war nun der erste Arbeitstag Peter Feldmanns im OB-Büro im Römer mit der Übergabe des Dienstausweises und Ring und Aschenbecher.

 

Das Erstere muß sein, auch wenn Peter Feldmann inzwischen so bekannt ist, daß er auch ohne Dienstausweis seine Pflichten erfüllen kann, einschließlich des Zugangs zum Römer, der durch eine Pforte und geschlossene Glastüren streng bewacht wird. Auswärtigen muß man das immer erklären, daß der Römer, ein gotischer Bau und im Krieg schwer zerstört, schon vor Jahrhunderten zum Rathaus der Stadt wurde, aber - so erzählt eine der Lesarten des Erwerbs - durch Abkauf des attraktiven Hauses gegenüber dem Dom von römischen Kaufleuten.. Warum diese Römer hier waren? Weil Frankfurt die wichtigste Messe- und damit wichtigste Handelsstadt in den deutschen Landen war.

 

Eigentlich hätte Peter Feldmanns Einzug in den Römer nur so etwas wie ein Fototermin sein sollen, aber der neue OB nutzte die Situation von soviel Journalisten und Fotografen, auf einige substantielle und auch aktuelle Ereignisse einzugehen. Und dann ein wichtiges Geschenk überreicht zu bekommen. Allerdings mußte er erst zuvor seine formale Berechtigung als OB unterzeichnen, nachdem er schon am Donnerstagabend unter viel Publikum die Amtskette von der scheidenden Petra Roth umgehängt erhielt. Das Amtszimmer des OB liegt im Ersten Stock, wo man erst durch ein länglichen Vorzimmer hindurchmuß - ja, mit Damen an den Schreibtischen – und dann aus dem Fenster direkt auf die Paulskirche als einen Ort blicken kann, wo Demokratie in Deutschland seinen Anfang nahm.

 

 

Die Besetzung des Philosophicums wurde am Sonntag in Zusammenarbeit von Bürgermeister Olaf Cunitz (Die Grünen) und ABG-Geschäftsführer Frank Junker friedlich beendet und Peter Feldmann konnte den Spagat hinlegen, sich in der Sache des nötigen Wohnraums in Frankfurt und der Mitbestimmung der Betroffenen mit den Besetzern zu solidarisieren, gleichwohl dies deutlich mit der Abweisung von illegalen Aktionen zu verbinden.In der Sache geht es bei dem seit Jahren leerstehenden Bau vom Frankfurter Stararchitekten der May-Ära, Ferdinand Kramer, den dieser in der Nachkriegszeit für Studenen schuf und der denkmalsgeschützt ist,jetzt aber abgerissen werden woll, sowohl um Wohnraumerhaltung für Geringverdienende, aber auch um Mitwirkung an der Aufbauarbeit eines Kulturzentrums an Stelle der alten Universität, die inzwischen fast vollständig am IG-Hochhaus als Campus Westend um- und angesiedelt ist. 

 

Man müsse eben vorher handeln, zuerst mit den Betroffenen sprechen und soziale Aspekte berücksichtigen, wäre so eine politische Strategie des neuen OB, der keinen Zweifel daran ließ, daß er sich sowohl in Wohnraumfragen wie auch denen der Beschäftigung von Arbeitnehmern auf deren Seite sieht. So wurde seine erste Amtshandlung auch ein Treffen mit den Betriebsräten von Neckermann, die um den Erhalt von 1340 Arbeitsplätzen kämpfen, bei denen Feldmann ihnen die politische Unterstützung gibt, die er vermag.

 

Die Reporter und vor allem die Fernsehleute waren lange vor Feldmann im Römer eingetroffen, denn nicht allein das Amtszimmer war wichtig, sondern das Heraufschreiten vom Foyer des Römers in die Galerie im ersten Stock ist das Symbolische, wo sich auf der Linken der Kaisersaal befindet mit allen Porträts der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und den preußischen Nachfolgern, die also auch einst diese Treppe hinaufschritten, und auf der Rechten das OB-Büro angesiedelt ist, vor dem die teilweise neue Besetzung den OB erwartete. So ist beispielsweise Martin Wimmer der neue Leiter des OB-Büros und man staunt schon, daß sich Peter Feldmann diesen aus Bayern, aus München, aus Schwabing holte. Der nun wiederum hat sein Büro auf den Römerberg hinaus, wo das Menschengewirr und die babylonische Stimmenvielfalt die Internationalität Frankfurts deutlich machen, aber eben auch, daß sich die Stadt hierfür öffnet und die Stadtregierung sich mittendrinnen befindet.

 

Daß allerdings der offizielle erste Tag etwas Besonderes und auch etwas besonders Symbolisches erhielt, lag an der Anwesenheit des Sozialdemokraten Franz Fey und den Geschenken, die er mitgebracht hatte. Dieser hatte selbst im Jahr 2007 vergeblich versucht, durch eine OB-Kandidatur das Weiterregieren der CDU zu verhindern und brachte nun nach 17 Jahren der Amtsherrschaft dieser Partei und ihrer Repräsentantin dem Sozialdemokraten Feldmann als neuem OB zwei Devotionalien des Nachkriegsbürgermeisters Walter Kolb (1946-1956), auf den sich alle Nachfolger parteiübergreifend gerne beziehen, weil er volksnah und aufbauwillig die Stadt aus den Trümmern schnell aufbauen ließ.

 

Das war wirklich ein bewegender Moment, wie also Franz Frey Peter Feldmann den Ring des SPD-Walter Kolb und seinen Aschenbecher überreichte, den dieser besonders gerne - „toll!“, sagte er – annahm. Franz Frey allerdings hatte den Ring nicht aus sozialdemokratischen Händen erhalten, sondern im Jahr 1997 vom ehemaligen CDU-Oberbürgermeister Walter Wallmann. Kolbs Witwe Aenne habe diese Gegenstände ihm einst übergeben, die er nun an die richtige Adresse weitergebe: „Bei Ihnen sind sie besser aufgehoben“. Daß nun Feldmann auf die naheliegende Provokation der Presseleute: „Ziehen sie ihn doch an!“, „Streifen Sie ihn doch über den Finger!“, nicht einging, zeigt, daß Feldmann schon die nötige Klugheit und Souveränität besitzt, populistischen Attitüden, die ihm danach als anmaßend und lächerlich um die Ohren gehauen werden, zu umgehen.

 

Genauso wie er clever-elegant und sachlich richtig auf den Hinweis, die Fußstapfen der Petra Roth seien zu groß für ihn, gekontert hatte, er habe größere Füße als diese, weil Männer in der Regel solche gegenüber Frauen haben, hat Feldmann auch diesen Amtsantritt souverän hingelegt. Wir allerdings fragten uns, warum Wallmann damals die Bürgermeister-Kleinodien nicht an Petra Roth weitergab. Weil Frauenhände zu klein sind für Männerringe? Dann allerdings wäre das Symbolische doch untergegangen gegenüber der Biologie und der Geschlechterfrage. So ganz stimmig ist diese Geschichte nicht, wenngleich wohltuend für Sozialdemokratenherzen nach 17 Jahren der Diaspora außerhalb des OB-Büros im Römer.