Serie: Die heute anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 28. Februar 2013, Teil 2

 

Romana Reich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Eine Filmkritik hat immer mit dem Begründungszwang zu tun, daß man Geschautes und Erlebtes im Kino unter verschiedenen Aspekten hinterfragt. Einer wäre, ob sich die Geschichte für eineinhalb Stunden Lebenszeit, wozu meist fast eine Stunde An- und Abfahrt hinzukommt, lohnt. Eine andere nach der Wahrheit, eine weitere nach den filmischen Mitteln, nach den Schauspieler....

 

DIE BESTIMMER – KINDER HAFTEN FÜR IHRE ELTERN

 

Bei diesem Film ist es ganz einfach. Man kann herzhaft lachen, weil die Situationskomik einen einfach dazu verführt. Dabei weiß man schon im Voraus, was gleich kommen könnte und tatsächlich auch eintritt. Das schwächt aber das Lachen nicht ab, sondern fördert es eher, denn man hat auch als Kinozuschauer gerne recht. In der Tat ist die Vorhersehbarkeit ein gleicher Anreiz wie ihr Gegenteil, daß alles anders kommt, als man denkt.

 

In diesem Film liegt der Schwerpunkt auf dem Wissen von Großeltern, Eltern und Kinder, wo die jeweiligen individuellen Schwachpunkte liegen, an denen man gut bohren kann. Aber, wie der von Regisseur Andy Fickman in Szene gesetzte Familienalltag, der eine Idee des Hauptdarstellers, Opa Billy Chrystal, dann abläuft, das bringt unerwartete Schauplätze und darum auch unerwartete Plots. Mit einem Wort: uns hat's gefallen, was die bekannten Schauspieler ablieferten: Ulknudel Bette Midler als unerwartet brave Oma, die aber auch mal alle fünf gerade sein lassen kann und im übrigen damit beschäftigt ist, die Fettnäpfchen, in die ihre Mann Artie Decker (Billy Chrystal) unaufhörlich tritt, wieder zu reinigen.

 

Marisa Tomei ist die ideologisch angelegte perfekte Mutter, der das Wohl der Kinder nach den psycho-ökologischen Ansprüchen wichtiger ist als der Wunsch der Kinder, Tom Everett gibt den Vater, der aber nicht so wichtig ist, weil die eigentliche Geschichte davon handelt, wie die Großeltern von ihrer einzigen Tochter so fern wie möglich von deren Kindern gehalten werden, damit sie nicht verderblichen Einfluß ausüben und gleichzeitig diese Eltern, nun Großeltern diese Abwehr spüren, aber auch von sich aus nichts getan haben, um überhaupt Kontakt mit den Enkeln herzustellen.

 

Das ändert sich nun durch zwei gleichzeitige Vorgänge. Mit dem einen beginnt der Film. Artie ist ein begnadeter Schwätzer. Er ist Stadionsprecher einer nicht besonders erfolgreichen, aber von ihren Fans liebgehabten Baseballmannschaft, dessen Funktion es ist, das Spielgeschehen zu kommentieren, aber eben auch die Emotionen der Zuschauer wachzurufen und die Spannung zu halten. Das kann Artie wie kein anderer. Dennoch wird er entlassen. Denn er ist in den modernen Medien nicht zu Hause, bloggt nicht, kennt Apps nicht und ist einfach zu alt, sagt ihm der Stadionbesitzer. Reif zum ausmustern. Für Artie bricht eine Welt zusammen.

 

Als weit weg die Tochter, die mit Mann und drei Kindern sowohl alle modernen Techniken wie auch die 'moderne' Erziehung sowie Beruf und Haushalt unter einen Hut bekommen muß, die Chance ergreifen soll, zusammen mit ihrem Mann auf dessen 'Dienstreise' zu gehen und also endlich einmal nicht die Mutter, sondern wieder die Frau an seiner Seite sein könnte, fallen die Schwiegereltern, also seine Eltern, aus. Also soll sie ihre fragen, von denen sie weiß, daß die das nie und nimmer tun werden, denn sie sind ja noch nicht einmal zur Hochzeit gekommen. Oder wie war das?

 

Aber für den arbeitslos gewordenen Artie ist das die richtige Herausforderung, seinen Enkeln Mores beizubringen. Und so weiter und so fort. Was nämlich jetzt abgeht, bei allen drei Kindern, an Chauvinismus dem Alter gegenüber und an Ignoranz der kindlichen Bedürfnisse bei den Großeltern, das gibt sich gegenseitig nichts, oder auch alles! Versprechen kann man, daß die Probleme von Kindern und Jugendlichen hier alle durchgespielt werden, von den Ängsten im Dunklen und erfundenen Figuren, bis zur Leistungshysterie, die das Leben kaputt macht und Stottern muß der Mittlere auch nicht mehr.

 

Doch, das ist liebevoll und auch realitätsnah erfunden. Und dennoch: Bei aller menschlicher Problematik und dem Überwinden von Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, uns hat einfach dieses Haus am besten gefallen. Ein Haus, das jeden Besucher mit Namen begrüßt, kaum tritt er über die Schwelle. Das hat schon was. Und gleichzeitig erlebt man die Tyrannei einer solchen Hausmaschine und möchte ihm den Saft abdrehen und tut es auch. Steckt viel drin in diesem Streifen, der ein Familienfilm ist, weil alle etwas abbekommen, aber auch alle etwas mitnehmen.