Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 25. September 2014, Teil 6

 

Corinne Elsesser

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Ist das nun die Geschichte einer zwangsverordneten shiv‘á, worauf der deutsche Titel „Sieben verdammt lange Tage“ hinweist? Oder die Geschichte des Scheiterns einer Ehe, die sich im englischen Originaltitel „This is where I leave you“ andeutet?

 

 

Sieben verdammt lange Tage (Originaltitel: This is where I leave you)

 

Beides ist in diesem Film so eng miteinander verwoben und witzig und lockerleicht verknüpft, dass vom heiligen Ritus des Trauerns nicht mehr viel bleibt.

 

Die Inszenierung kann als eine jüdische Antwort auf den im März angelaufenen Film „Im August in Osage County“ von John Wells verstanden werden. Auch dort ging es um ein Familientreffen in der Provinz anlässlich des Todes des Vaters. Während jedoch in Osage County ein Theaterstück von Tracy Letts als Drehbuchgrundlage diente und die diversen Familiengeheimnisse dramatisch ans Tageslicht gezerrt wurden, kommt in Upstate New York die Unterhaltung immer wieder ins Spiel. Die Probleme werden dadurch zwar keineswegs gelöst, doch lässt sie der typische New Yorker Humor ein wenig lösbarer erscheinen.

 

Die vier Kinder der Bestsellerautorin Hillary Altman (Jane Fonda) kommen zur Beerdigung des Vaters nach Hause und werden dort von dessen Vermächtnis überrascht. Sie müssen eine siebentägige Trauerzeit (shiv‘á) absolvieren. So jedenfalls behauptet es die einnehmend stark auftretende Mutter, die sich freut, ihre vier Kinder wieder einmal um sich zu haben. Es gibt kein Entkommen und das sieben Tage lang.

 

Die erwachsen gewordenen Geschwister haben sich längst auseinandergelebt und sind in ihrem eigenen Leben jeder auf seine Art mehr oder weniger gescheitert. Die Ehe von Judd (Jason Bateman) ist kurz zuvor an einem Seitensprung seiner Frau zerbrochen und zu allem Unglück kam die Nachricht vom Tod des Vaters hinzu. Auch die Ehen seiner Geschwister, des älteren Bruders Paul (Corey Stoll) oder der Schwester Wendy (Tina Fey). erweisen sich nicht gerade als glückliche Beziehungen. Der jüngste Bruder Philip (Adam Driver) gibt sich großspurig, kommt zu spät zur Beerdigung mit seinem Porsche vorgefahren und präsentiert am nächsten Tag seine attraktive Freundin (Connie Britton), die eben kein Fotomodell, sondern seine Psychoanalytikerin ist. Die Geschwister streiten und verraten sich. Sie führen einander vor und treffen immer wieder auf alte Bekannte aus ihrer Kindheit, denen sie eher nicht begegnen wollten.

 

Im Mittelpunkt glänzt Jason Bateman als zweitältester Sohn Judd. Um den aus Serien der 1980er Jahre bekannten Schauspieler ist es in den letzten Jahren stiller geworden und er scheint hier ein kleines Comeback zu feiern. Jane Fonda entwickelt als dominante sexbesessene Diva unter der Regie von Shawn Levy eine umwerfend bezaubernde Präsenz auf der Leinwand. Bei all dem Glamour um die Witwe mit Starallüren gerät leicht in Vergessenheit, dass ihr Ehemann ein rechtschaffener Geschäftsmann war, der in der Provinz von Upstate New York ein Sportartikelgeschäft betrieben hat. Und so religiös, wie die Mutter behauptet, war er doch eigentlich gar nicht.

 

Info:

Sieben verdammt lange Tage (Originaltitel: This is where I leave you)

Regie: Shawn Levy

USA, 2014