walealSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 12. Februar 2026, Teil 7

Reza Memari

Berlin (Weltexpresso) – Vor fünfzehn Jahren sah ich einen Dokumentarfilm über Buckelwale und entdeckte etwas Faszinierendes: Diese großartigen Geschöpfe haben tatsächlich „Sänger“ in ihren Gruppen, auch wenn die Wissenschaft bis heute nicht versteht, warum sie singen oder was ihre Lieder wirklich bedeuten. In diesem Moment stellte ich mir einen jungen Buckelwal vor, der sein Lied nicht finden kann. Es ist zutiefst menschlich, die eigene Stimme finden zu wollen, und dieses Bild wurde zum Grundstein für DER LETZTE WALSÄNGER.

Was als hingekritzelte Notizen begann, wuchs zu etwas viel Größerem heran: einem wachsenden StoryUniversum über Mut, Zusammenarbeit und den Schutz der Ozeane. Im Zentrum steht Vincent, unser Wal, der entdecken muss, dass seine Stimme wertvoll ist. Diese Unterwasserwelt zum Leben zu erwecken war nur durch die Zusammenarbeit mit über 300 außergewöhnlichen Menschen möglich: Texturkünstlerinnen und Künstler, Animatorinnen und Animatoren, Storyboard-Artists, Entwicklerinnen und Entwickler, Modeller, Rigger, Lightning Artists, Produktionsteams, Synchronsprechende und viele andere aus Deutschland, Tschechien, Kanada und darüber hinaus. Jede Person im Team steckte ihr Herzblut in den Film, und ich glaube, diese Leidenschaft spürt man auf der Leinwand.

Der Storyboard-Prozess war bereits eine lange und entscheidende Reise für sich. Gemeinsam mit meinem ehemaligen Regie-Partner von „Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper“ („Richard the Stork“), Toby Genkel als Head of Story, begann unser visionäres Storyboard-Team mit groben Beatboards, die nur die wichtigsten StoryMomente abdeckten. So bekamen wir ein Gefühl für den Flow der Story und den Umfang der Produktion. Daraus entwickelten wir das vollständige Animatic, das wir mehrfach überarbeiteten, bis wir den finalen Schnitt erreichten. Während dieses Prozesses feilte ich kontinuierlich am Drehbuch und wir nahmen die Stimmen bereits während des Storyboardings auf, um die Performances und das Timing zu formen. In enger Zusammenarbeit mit Production Designer Sebastian Gadow und meinen Co-Regisseuren Steven Majaury und Pavel Hrubošwollten wir die natürliche Majestät der Wale und des Meereslebens ehren. Gleichzeitig sollte etwas entstehen, das sich sowohl zeitlos als auch emotional authentisch anfühlt. Von Anfang an wusste ich, dass ich nicht zu „cartoony“ werden wollte, denn das geht für mich auf Kosten emotionaler Tiefe und echter Fallhöhe. Unser visueller Ansatz balanciert Realismus mit gerade genug Stilisierung, damit sich das Publikum tief mit diesen Charakteren und ihrer weiten, geheimnisvollen Heimat verbinden kann.

Die Character Designer Gerlinde Godelmann und Oliver Kurth ließen sich von der Schönheit der echten Tiere inspirieren und adaptierten sie wunderschön für das Animationsmedium. Dabei bewahrten sie die natürliche Würde und machten sie gleichzeitig emotional ausdrucksstark. Diese Grundlage ermöglichte es unseren Charakteren, sowohl authentisch als auch zutiefst nahbar zu wirken. Wir entschieden uns dafür, technologisches Neuland zu betreten und die Unreal Engine für den Großteil unseres Renderings zu verwenden. Gemeinsam mit Technical Director Johannes Hezer und seinem Team bauten wir unsere eigene Echtzeit-Pipeline von Grund auf.

Die Unterwasserwelt selbst wurde zu einem Charakter mit sich ständig bewegenden Partikeln, tanzenden Lichtreflexen, sich verschiebenden Lichtstrahlen und dem Zusammenspiel zwischen riesigen Walen und winzigen Meereslebewesen. Unter der Leitung von Animationsregisseur Steven Majaury studierten unsere Animatorinnen und Animatoren rund um den Globus alle verschiedenen Meerestiere und ihre Bewegungen. So entstanden einprägsame Performances, die den natürlichen Bewegungsformen treu blieben. Diese Hingabe zur Authentizität half dabei, jede Kreatur sowohl mit Genauigkeit als auch Persönlichkeit zum Leben zu erwecken. Einer der 7 kniffligsten Aspekte war der Umgang mit den Größenunterschieden. Wenn Kreaturen, die 16 Meter lang sind, neben solchen stehen, die nur 10 Zentimeter groß sind, wird es sowohl herausfordernd als auch bereichernd, Kameraeinstellungen zu finden, in denen ein gigantischer Buckelwal mit einem winzigen Seepferdchen spricht.

Gemeinsam mit Kameramann Jaromír Malý erkundeten wir jeden Winkel, um diese dramatischen Größenkontraste einzufangen und dabei die Intimität zwischen den Charakteren zu bewahren. Visuelle Effekte, Beleuchtung und Rendering stellten einige unserer größten Herausforderungen dar. Wasser zu rendern gehört zu den schwierigsten Aufgaben in der Animation, und unsere FX-Teams haben wahre Wunder vollbracht, nicht nur mit dem Wasser, sondern mit allen visuellen Effekten im Film. Die Beleuchtung war eine weitere enorme Aufgabe aufgrund der Grenzen der Unterwasser-Sichtbarkeit. Wir mussten unseren eigenen visuellen Look dafür entwickeln, wie unsere Unterwasserwelt aussehen sollte, und ich finde, das ist uns gelungen. Das Rendern all dessen war schließlich eine riesige technische Herausforderung mit unseren großen Charakteren, dem enormen Cast, gigantischen Sets, und Milliarden von Partikeln und Effekten.

Musik und Sound spielen natürlich zentrale Rollen in einem Film über singende Wale. Gemeinsam mit dem isländischen Komponisten Daníel Bjarnason schufen wir eine Filmmusik, die sowohl die Kraft als auch die Zärtlichkeit des Walgesangs einfängt. Diese Musik fühlt sich so gewaltig an wie der Ozean und doch so intim wie ein geflüstertes Geheimnis. Wir arbeiteten auch mit dem isländischen Sänger Ásgeir zusammen, um den richtigen Klang für die Walgesänge selbst zu finden und diese einzigartige Mischung aus immenser Kraft und zarter Verwundbarkeit zu erreichen, die diese Geschöpfe so außergewöhnlich macht. Unsere Sound Designer und Foley-Künstler brachten unglaublichen Einsatz in dieses Projekt ein. Sie gingen sogar in Schwimmbäder, um Unterwasser-Bewegungen nachzustellen: von den kleinsten Meeresgeschöpfen bis zu den größten Ozean-Monstern. Diesen Film zu machen war für mich selbst eine Reise, meine eigene Stimme zu finden.

Wie Vincent navigierte ich durch Momente der Unsicherheit und Selbstzweifel. Der kreative Prozess lehrte mich, das Unbekannte zu umarmen, auf Zusammenarbeit zu vertrauen und Freude an der Reise selbst zu finden, anstatt nur das Ziel im Blick zu haben. Ich wurde selbstbewusster in meinem Schreiben und in der Regieführung, lernte aber auch, gelassener mit dem Prozess umzugehen. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass ein Film über inneren Frieden und Harmonie genau diese wunderschöne Teamarbeit erforderte. Meine Hoffnung ist, dass das Publikum das Kino mit Vincents Erkenntnis verlässt: dass die eigene Stimme zählt, dass Mut die Angst überwinden kann und dass wir gemeinsam etwas Schönes schaffen können. In einer Welt, in der es so einfach geworden ist, stillschweigend und passiv zu bleiben, ist DER LETZTE WALSÄNGER eine Einladung, die Stimme zu erheben und für das zu singen, was wirklich zählt: Freiheit, Frieden und unsere unersetzlichen Ozeane. 

Foto:
©Verleih

Info:
Stab
Regisseur und Drehbuchautor Reza Memari
Ko-Regisseure Steven Majaury, Pavel Hruboš
Besetzung
Flemming Stein VINCENT
Philipp Reinheimer WALTER
Laura Pfister DARYA
Philippa Jarke ORA

Abdruck aus dem Presseheft