wendersDie 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar 2026, Die Jury, die die Bären des Wettbewerbs vergibt, Teil 2

Claudia Schulmerich

Berlin (Weltexpresso) - Das gehört zu den wichtigsten Rechten der BERLINALE- Festivalintendantin Tricia Tuttle, die Jury für den Wettbewerb selbst auszuwählen. WELTEXPRESSO hatte diese schon vereinzelt genannt, vor allem den Juryvorsitzenden WIM WENDERS schon vorgestellt: https://weltexpresso.de/index.php/kino/36289-wim-wenders-wird-jurypraesident-der-berlinale-2026.

Bildschirmfoto 2026 02 13 um 01.04.40Er sitzt einer Jury vor, die so international über die Erde verstreut ist, wie selten. Die Besetzung trägt dem Rechnung, dass der asiatische Film eine noch größere Bedeutung erhält und der südostasiatische Film mit Aplomb die Weltbühne betritt. Daß Frauen und Männer quasi paritätisch dabei sind, gehört heute zu den Selbstverständlichkeiten. Anderes nicht. Die Anzahl der Jurymitglieder, die aus den Bereichen Regie, Schauspiel, den Gewerken im Filmbetrieb, auch Produzenten und Filmkritik stammen, soll eine Blockade bei Abstimmungen verhindern und ist deshalb eine ungerade Zahl: hier sieben.


Dies sind die Jurymitglieder:

• Wim Wenders (Jurypräsident) – Deutschland; Regisseur, Autor und Fotograf.
• Min Bahadur Bham – Nepal; Regisseur und Produzent.
• Bae Doona – Südkorea; Schauspielerin.
• Shivendra Singh Dungarpur – Indien; Regisseur, Produzent und Archivar.
• Reinaldo Marcus Green – USA; Regisseur, Drehbuchautor und Produzent.
• HIKARI – Japan; Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin.
• Ewa Puszczyńska – Polen; Produzentin. 


die folgende Preise verteilen

• Goldener Bär für den Besten Film (an die Produzent*innen)
• Silberner Bär Großer Preis der Jury
• Silberner Bär Preis der Jury
• Silberner Bär für die Beste Regie
• Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle
• Silberner Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle
• Silberner Bär für das Beste Drehbuch
• Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung


Traditionell gibt es am Tag der Eröffnung, 12. Februar, eine Pressekonferenz, auf der die Festivalleiterin  Tricia Tuttle die Jury vorstellt. Diesmal hat sie sie flott und inhaltsreich befragt, danach kommen die Fragen aus dem Plenum. Den größten Beifall fand Wim Wenders, was nicht wundert, denn er ist quasi hier zu Hause. Aber die Zeit ändert auch Filme. Er weiß, dass gerade sein Film DER HIMMEL ÜBER BERLIN heute so nicht mehr möglich wäre, weil Berlin heute eine andere Stadt geworden ist.

Kurzgefaßt waren die Antworten auf die Frage, was für die Jurymitglieder am Kino, an den Filmen faszinierend ist, dass sie ihnen ihr Leben widmen, für den Inder Singh Dungarpur ist es das Schönste auf der Welt. Auch die Polin Ewa Puszczyńska weiß um die Kraft des Kinos. Für sie bedeutet Kino das Zeigen von Gefühlen und das Anschauen von Leben anderer, die eigene Perspektiven verändern kann. Wim Wenders gibt das Kino die Kraft zu leben, zu überleben. Filme könnten die Welt verändern.

Andere sagten, mit den Filmen könne man die Welt entdeckten, die unterschiedlichen Gesellschaften und ihre Bräuche kennenlernen. Es sei so interessant, die Welt aus den Augen der Charaktere in den Filmen zu betrachten. Es sei aber auch gut, für zwei Stunden dem Alltag zu entrinnen. Eine Botschaft weiterzugeben. Positive Gefühle zu entwickeln, so dass man mit einem kleinen bißchen mehr Mut das Kino verläßt, als man es betreten hat. Einer sagt sogar: „Mein Leben ist eine Abfolge von Leben, von Stimmen, die ich aus den Filmen sehe und höre.“

Doch beharren zwei, wenn wir einen Film sehen , besteht die Chance, wie in der Literatur, sein Leben zu ändern. Habe ich getan. Die Filme haben Mitgefühl mit den Menschen.

Und dann gab es die obligatorische Palästinafrage. Ohne sich mit der Politik Israels gemein zu machen, ja sie sogar in Grund und Boden zu verachten, ist man für die einen schon eine Antisemitin, während man für die anderen Palästina vernachlässigt. Dabei geht es um die gegenwärtige israelische Regierung, die unsereins nur entschieden ablehnen kann. Aber die israelische Bevölkerung darf man nicht mit der Regierung gleichsetzen. Die vielen Demonstrationen in Israel gegen diese Regierung beweisen das. Und gerade weil es in Deutschland sehr viel mehr Palästinademonstrationen gibt, als welche für diese Politik Israels, ist die Behauptung eines Anwesenden, der weder Name noch Zeitung nennt, falsch: es gäbe nie Solidarität mit Palästina. Die er nun hier einfordert. Die Antworten winden sich um das Problem von Politik und Kunst. Gerade Wim Wenders sagt dabei Sachen, die man gerne mit ihm diskutieren möchte. Aber darum geht es jetzt nicht. Sondern um das Verhalten des Fragenden. Er gab nämlich das ihm überlassene Mikrofon einfach nicht zurück. Der Helfer, der es zum nächsten Fragesteller tragen sollte, versuchte es vergeblich; als ich eine Nahedabeisitzende aufforderte, den Fragenden auf das Mikrophon hinzuweisen, schüttelte sie den Kopf. Sie hatte wirklich Angst. Wovor eigentlich? Das konnte ich nicht fragen, auf jeden Fall eskalierte die Situation gerade, als der beherzte Nachbar des Fragenden ihm einfach das Mikrophon aus der Hand nahm und weitergab. So was aber auch.

Eine wichtige Antwort gab die polnische Ewa. Sie sagte, wir sähen nur die Spitze des Eisbergs von Konflikten, was für Europa die Ukraine und Gaza bedeuten, auch noch der Iran, aber weder Afrika, noch was in manchen Ländern Asiens passiert, können wir einordnen und auch noch dagegen protestieren. Die Welt ist derzeit im Kampfmodus. Überall.
Min Bahadur Bham aus Nepal sagte, er sei die erste Generation, die als Filmschaffender wirklich eigenständig arbeitet, alle waren zuvor auf Bollywood fixiert. Die neue Art des Kinos, von Japan bis Iran, greift über auf Südostasien, die auf einmal neue Narrative in die Welt zu bringen. Er sei stolz und geehrt, hier Juror zu sein. „Es war für das ganze Land eine Ehre und aufregend, dass ich in die Berlinale Jury sitze.“

Dann wurde es wieder privater. Es war halt einfach Wenders der meist Befragte, der sagte: „Jeder Film verändert einen selbst als Regisseur. Man hat Neues entdeckt, darum ist es ein phantastischer Beruf.Ich bin dankbar dafür und lernte weiter.“ Aber als Mensch ist er in den selben Schuhen, ist derselbe Mensch wie zu Zeiten von Der HIMMEL ÜBER BERLIN. „Geht es Euch auch so?“.

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