roseDie 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar 2026, Teil 12


Claudia Schulmerich

Berlin (Weltexpresso) - Ein unheimlicher Film und eine grandiose Sandra Hüller, die hier eine Frau spielt, die einen Mann spielt. Und wie der Regisseur erzählen wird, basiert auch dieser Film auf einer wahren Begebenheit. Genau am Geburtstag des Regisseurs wurde die Frau, die Vorbild für ROSE ist, als letzte Frau wegen Sodomie hingerichtet. Zwar war dies nicht ihr Vergehen, aber sie hatte, da sie als Mann durchgehen mußte und das beweisen mußte, sich Behelfsmittel verschafft, die heute als Dildo genannt, damals als Einführung von toten Gegenständen in Geschlechtsorgane eben Sodomie genannt wurden. Meine Güte. Dabei ist alles ganz einfach.

Wir sind in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Frauen zogen sich gerne die Hosen an, schütze sie das doch vor Vergewaltigungen in den gewaltigen Unruhen, die das noch nicht geeinte Deutschland in seinen zersplitterten Regionen durchlitt. Hier erfahren wir am Schluß, als dieser Frau der Prozeß gemacht wird, wie alles begann. Sie wurde Soldat, weil sie das in den Hosen besser schützte als alles andere. Neben ihr kam ein Mitkämpfer zu Tode, ein junger Mann, dem ein Gut gehören sollte, wenn der Vater starb, weshalb er den Erbschein mit sich trug. Den nahm Rose an sich und stellte sich so, wie sie bisher durchgekommen war und ausgemustert, den einheimischen Dorfbewohner vor. Die Haare halblang, das Gesicht gezeichnet durch einen Schuß, dessen Kugel sie um den Hals trug und damit dauernd im Mund herumspielt, die ganze linke Gesichtshälfte lädiert. Der Dorfälteste akzeptiert den Erben.

Der Hof ist eine Ruine, aber Rose kann anpacken und sucht sich die richtigen Helfer und aus dem verfallenen Gut wird ein sauberer Bauernhof. Da kommt der Dorfälteste daher und setzt Rose derart unter Druck, eine seiner Töchter zu heiraten, dass sie sich nicht wehren kann. Bald wissen wir, warum sie heiraten sollte. Nachdem die neue Ehefrau erst einmal beleidigt ist, dass ihr Mann sie nicht anrührt, zeigt sich, dass auch sie ein Geheimnis in sich trägt. Buchstäblich. Denn in angeblicher Frühgeburt wird ein Kind geboren. Wie das? Schon zuvor hatte Rose mit ihren Geräten den Beischlaf vollzogen, penetriert im Fachjargon, aber die Ehefrau merkt eben doch schnell, was hier los ist. Erst bekriegt sie ihren Mann, dann sprechen sie sich aus und werden ab jetzt als verschworene Gemeinschaft alles gemeinsam tragen.

Wie kam es eigentlich, dass alles aufflog? Gerüchte hatte es im Dorf immer schon gegeben und dann wurde der Herr, also Rose, durch Bienen derart gestochen, dass eine lebensbedrohliche Krankheit darauf wurde und als er zusammengebrochen war, hatte eine Magd zwischen die Beine geguckt. Die will nicht als Lügnerin dastehen und spricht immer weiter darüber, bis das Gesetz zuschlägt, eine körperliche Untersuchung stattfindet und anschließend die gerichtliche. Schon interessant, was als Begründungen für Unzucht alles herhalten muß. Längst hatte ja die Ehefrau ihr Kind geboren. Sie wurde als erste als Mitwisserin zu Tode gebracht. Mit Rose ging das nicht so einfach. Sie war nämlich mehrfach vergewaltigt worden und schwanger. Da konnte man sie nicht töten, das hätten die christlichen Kirchen nicht erlaubt. Die nach der Geburt vollzogene Hinrichtung an Rose allerdings schon. Die geht aufrecht in den Tod, wie sie alles im Leben sauber und ordentlich erledigt hatte. Die gesellschaftlichen Umstände, die waren gegen sie und sie ist kein Einzelschicksal. Heute findet eine solche Frau nicht mehr den Tod, aber geächtet ist sie allemal, wobei man auseinanderhalten muß, dass es hier nicht um quere Tatsachen, sondern um Geschlechtsverschleierung geht, aus dem einzigen Grund, nicht von Männern überfallen zu werden, also überleben zu können.