Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 24. September 2015, Teil 3

 

Margarete Frühling

 

München (Weltexpresso) - Moore sind in Mittel- und Nordeuropa Überreste von Urlandschaften. In vielen Mythen gelten sie als gefährlich, da es keine festen Wege gibt. Moore sind nicht Wasser oder Land sie liegen in ihrer Existenzform dazwischen. Aber sie sind auch Rückzugsgebiete für viele Tier- und Pflanzenarten.

 

Daneben gibt es dort aber auch eine ganz eigene Flora und Fauna. Der Sonnentau, der wegen des geringen Stickstoffgehaltes des Wassers seinen Stickstoff deckt, indem er mit klebrigen Tentakeln Insekten und Spinnen fängt, das Birkhuhn, bei dem die Hähne schon früh im Jahr mit der Balz beginnen, die selten gewordene Doppelschnepfe oder das Kranichpärchen, das seine Jungen aufzieht, sind solche Beispiele. Auch Schmetterlingen, Libellen, Kreuzottern, Wölfen und Bären - zumindest in den Mooren in Nordeuropa - dient das Hochmoor (im Film Regenmoor genannt) als Lebensraum und Rückzugsgebiet.

 

Leider sind die Moore durch Trockenlegung, Torfabbau und Ausweitung der Landwirtschaft stark bedroht und schon weitgehend vernichtet. Dies ist umso bedauerlicher, da die Moore kontinuierlich wachsen und vor allem die Moose unter Sauerstoff-Abschluss nicht vollständig verrotten, sondern als CO2-Speicher dienen. Zum Glück wird inzwischen in einigen Gegenden versucht, die alten Moorgebiete mit gutem Erfolg wieder zu renaturieren. Dabei werden in diesem Film die im Zuge der Renaturierung entstehenden Ökosysteme ausführlich dargestellt.

 

 

Der Naturfilmer Jan Haft, bekannt durch den Film "Das grüne Wunder - Unser Wald", hat zusammen mit seinem Kameramann Kay Ziesenhenne für "Magie der Moore" in 5 Jahren Drehzeit (zwischen 2010 und 2015) an 80 Drehorten in Deutschland, Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, der Tschechischen Republik und der Slowakei in verschiedenen Hochmooren in allen vier Jahreszeiten deren pflanzliche und tierische Bewohner beobachtet. Dabei zeigt er auch ein äußerst sensibles Ökosystem, das es unbedingt zu schützen gilt.

 

Durch modernste Kameratechnik mit Zeitlupen- und Zeitraffer- sowie wunderbaren Nah- und Flugaufnahmen sind atemberaubende Bilder entstanden. Daneben werden die nebelverhangenen Moore aber auch als ein Schauplatz von unheimlichen Mythen und Legenden vorgestellt. Besonders gelungene Aufnahmen sind z.B. von Doppelschnepfen oder von Kreuzottern aber auch die Balztänze der Birkhähne. Auch die Bilder von Tieren wie Bären - auch Jungbären -, Kranichen, Ameisen, Schmetterlingen oder Libellen und Pflanzen wie Sonnentau (beim Insektenfang), Rauschbeeren oder Pilze sind bemerkenswert.

 

Der Film ist unbedingt sehenswert, hat aber ein paar kleine Mängel: So ist der Kommentar von Axel Milberg zwar naturkundlich korrekt, klingt an manchen Stellen doch etwas sehr pathetisch. Dasselbe gilt leider auch für die Musik von Jörg Magnus Pfeil und Siggi Müller. An manchen Stellen ist der Film auch etwas unsystematisch geschnitten. So wird z.B. nicht klar, warum die Abschnitte über die Vernichtung der Moore im Mittelteil des Filmes zu sehen sind und danach sich einige Bilder und Fakten wiederholen. Es wäre darum sehr sinnvoll, wenn der Film an dieser Stelle geteilt und als 2teilige Dokumentation im Fernsehen gezeigt würde (der Bayerische Rundfunk ist einer der Produzenten).

 

Trotzdem ist es ein spektakulärer Film entstanden, der von der Film-Bewertungsstelle mit Recht als "Besonders wertvoll" ausgezeichnet worden ist, denn allein die Aufnahmen von Pflanzen und Tieren sind auf der großen Leinwand ein Augenwunder und ein Genuß, wie schön die Natur ist und wie sinnvoll sie angelegt ist.

 

Info:

Magie der Moore (2015)

Genre: Dokumentation

Filmlänge: 90 Minuten

Regie: Jan Haft

Sprecher: Axel Milberg

Verleih: Polyband Medien GmbH

FSK: ab 0 Jahren

Kinostart: 24.09.2015

 

Bild: Aus der Sonnentau-Pflanze entrollen sich mit Klebetropfen besetzte Fangblätter © nautilusfilm / Polyband Medien