IMG 0585 Foto Zoller Ursula Bühner begeistert mit SchachtelnPapier, Papier und noch einmal Papier

Sabine Zoller

Bad Herrenalb (Weltexpresso) -  „Ich bin Laie und kein Profi“, betont Ursula Bühner bescheiden, doch ihre Werke erzählen eine andere Geschichte: akribisch gearbeitete Schachteln, individuell, charmant, elegant und mit viel Liebe zum Detail gefertigt. Früher fertigte sie zudem Fotoalben auf Auftrag, ganz persönlich gestaltet. Ein Segelboot auf dem Cover, passend zu den Erinnerungen des Beschenkten und damit ein Unikat, das Geschichten bewahrt. Papier wird dabei bewusst nicht lackiert. Es bleibt, wie es ist: authentisch, lebendig, ehrlich.

Für Ursula Bühner ist es weit mehr als ein Werkstoff. Es ist Ausdruck von Fantasie, Erinnerung und Lebensfreude. Wer das Atelier der Rentnerin betritt, spürt sofort: Hier arbeitet eine echte Lebenskünstlerin. Alles ist tipptopp, ordentlich sortiert und dennoch voller kreativer Energie. Zwischen Karton, Kleister, Leim und Pinseln entstehen kleine Kunstwerke, die als Schachteln, Fotoalben, Leporellos und viele weitere liebevoll gestaltete Objekte anderen Menschen Freude bereiten.

Das Atelier in Bad Herrenalb ist zugleich Teil ihres Alltags. „Wenn ich hier koche, muss danach alles wieder weggeräumt werden“, sagt sie schmunzelnd. Nichts darf offen liegen bleiben. Alles wird sorgfältig in Schachteln verpackt, schon allein, damit ihre kunstvoll verarbeiteten Werke später nicht etwa nach frisch gekochtem Blumenkohl duften.

Ihr Arbeitsplatz ist professionell organisiert. Für Kartons verwendet sie einen speziellen Kleber, ähnlich einem Weißleim, für Papier klassischen Tapetenkleister, der frisch angerührt wird. Für Leinen und stabile Schachteln kommt reiner Weißleim zum Einsatz. Pinsel in allen Variationen gehören zur Grundausstattung, stets sauber gereinigt und akkurat in Stand gehalten. Akribie ist für Ursula Bühner keine Mühe, sondern Selbstverständlichkeit.

Exaktes Arbeiten ist ebenso unerlässlich wie eine sichere Hand. „Wenn nur ein winziges Tüpfelchen Weißleim auf das Papier kommt, ist das Objekt verdorben. Kleister bekommt man weg, Weißleim nicht“, so Bühner, die lediglich mit Papierschneidemaschine und Falzgerät arbeitet, denn alles andere ist Handarbeit. Der Arbeitsprozess ist zeitaufwendig. „Lange arbeite ich an einer Schachtel“, sagt sie. Zunächst wird der Korpus aufgebaut, damit alles hält. Danach folgt das Beziehen mit Papier. Beim Fotoalbum kommt zuvor noch ein Leinenrücken hinzu, der die Kartonteile verbindet.

Freche Motive gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie poetische Details. Kleine Figürchen, Tiere oder Szenen, die zur Schachtel passen: Badende neben einem Liegestuhl, gedacht für gesammelte Muscheln aus dem Urlaub. Jedes Objekt erzählt eine eigene kleine Geschichte. Und so wird aus Papier mehr als nur ein Werkstoff. Es wird zur Bühne für Fantasie, Erinnerung und Freude. Dafür nutzt sie Tiermotive, Blumen, Ornamente, Krawattenmuster, Motorräder und veredelte Designs, mal großflächig, mal filigran. Unterschiedliche Papierstärken, teils hängend gelagert, allesamt sorgsam sortiert. Über die Jahre hat sie viel Geschenkpapier gesammelt. Manches stammt aus dem Urlaub, anderes aus dem Internet, von Künstlerinnen und Künstlern, die ihre Motive zum Download anbieten.

Besonders angetan haben es ihr zudem Leporellos. „Das ist eine schöne Idee“, sagt sie. Nach einem Fest ein paar schöne Fotos einkleben und dem Gastgeber als kleines Dankeschön überreichen. Diese kleinen Präsentideen sind ihr genauso wichtig wie größere Arbeiten. Wenn jemand für einen Anlass, ein Thema und in einer gewünschten Größe eine Schachtel benötigt, macht sie Vorschläge und setzt das Projekt individuell um. „Ich freue mich, wenn sich jemand darüber freut“, sagt sie. „Ich habe vier Enkel und zwei Urenkel, und für sie bastle ich besonders gerne meine Schachteln.“

Papier bietet ihr unendliche Möglichkeiten, Fantasie einzubringen, Motive neu zu denken und Erinnerungen greifbar zu machen. Oder, wie sie selbst sagt: „Ich werfe kein Stückchen Papier weg.“ Denn jedes könnte irgendwann Teil eines neuen kleinen Kunstwerks werden. Das ist faszinierend und ein schönes Beispiel dafür, wie aus Leidenschaft zeitlose Kunst entstehen kann.

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© Sabine Zoller