Serie: „Asterix und die Kelten“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Teil 1/3

 

Felicitas Schubert und Gerhard Wiedemann

 

Saarbrücken (Weltexpresso) – „Asterix, den kennt doch jeder“, ist so eine Antwort, die zeigt, daß die von den beiden Franzosen René Goscinny und Albert Uderzo geschaffenen Comic-Helden Volksgut geworden sind. Die rundherum famose Ausstellung in der Gebläsehalle der technischen Wunderwelt des 19. Jahrhunderts der Völklinger Hütte bringt nun die Bilderwelt des Asterix-Mythos in Zusammenhang mit den archäologischen Funden aus der Zeit des Gallischen Krieges und der gallo-römischen Epoche. Mal als Beweis, mal als Hinweis.

 

Den insgesamt 128 großformatigen Zeichnungen an den Wänden aus insgesamt 34 Asterix-Bänden, sind also in den Vitrinen rund 400 Gegenstände des damaligen Gebrauchs gegenübergestellt, die man beispielsweise in „Asterix und die goldene Sichel“ im Bild  verfolgen kann. Zur Auflockerung hängt an den umliegenden in lichte Höhen führenden Wänden das Asterix-Personal im Superformat und natürlich in bunten Farben. Passend in diese Industriehalle des 19. Jahrhunderts und passend zum Ausstellungsthema, wird immer wieder Historienmalerei dieser Zeit in Kopien den Comicseiten gegenübergestellt wie beispielsweise „Vercingetorix wirft seine Waffen nieder“ von Lionel-Noel Royer aus dem Jahr 1899, was Asterix der Gallier,  Band 1, Blatt 1 von 1959 entspricht.

 

Wenn dann noch – wie hier -  eine Goldmünze mit dem Abbild des Vercingetorix aus dem Jahr 52. v.Chr. zur Verfügung steht, dann verbinden sich Geschichte und ihre Verarbeitung in der Gegenwart in geglückter Form. Die Münze ist echt, das Bild über 2000 Jahre später eine heroisch-kitschige Angelegenheit und die Asterixzeichnung, gerademal 60 Jahre später, Ausdruck einer distanziert-ironischen, aber politisch auf den Seiten der Unterdrückten stehenden Auffassung der Moderne, die Geschichte „komisch“ verarbeitet, reduziert in der Kunst, reduziert in den verwickelten und verzwickten historischen Details, aber ganz und gar eindeutig im gesellschaftlich-politischen Gehalt.

 

Übrigens hätten wir uns eines dieser auf Wohnzimmerbilder geschrumpften Historienbilderkopien wenigstens einmal an einer der riesigen Wände als Original gewünscht, damit deren Größe wie beispielsweise das angeführte Bild von 3,21 x 4,82 Metern den gewollten Eindruck von geschichtlicher Bedeutung sinnlich erfahrbar hätte machen können. Denn die Haltung des besiegten Galliers in diesem Gemälde ist just die Ausgangsposition für das ganze Unternehmen von Asterix und Obelix: mit Aplomb schleudert der besiegte Vercingetorix dem siegreichen Cäsar seine Waffen vor – im Comic wird daraus auf - die Füße, so als ob er wisse, daß der Widerstand gegen die Römer und der Kampf mit ihnen im kleinen Dorf der Gallier, das die Zeichner unbenannt im Nordwesten Galliens, heute Bretagne ansiedeln, weitergehe.

 

Wir haben uns aufgemacht und in der Ausstellung Besucher befragt, um mehr darüber zu erfahren, wie fundiert dieses „Asterix kennt doch jeder“-Phänomen – weltweit   - wirklich ist. Natürlich ist das nicht repräsentativ, informativ dennoch. Wer also ist Asterix? Felix, acht Jahre: „Da waren zwei Männer in einem Dorf. Die waren von den Römern umzingelt. In ihrem Dorf gab es einen Zauberer, der hatte einen Zaubertrank hergestellt, wo sie sehr sehr stark werden, wenn sie den trinken. Und dann haben sie den getrunken und haben halt gegen die Römer gekämpft. Die waren unbesiegbar. Mit dem Zaubertrank. Sogar Cäsar hielt die für Götter.“

 

Und was erwartet sein 68jähriger Opa Hans? „Ich erwarte eine einigermaßen lebensnahe Darstellung der Verhältnisse von damals. Es geht ja hier immer nur um Streit zwischen den Galliern und den Römern, und Asterix und Obelix sind ein Symbol dafür, daß Cäsar es nicht geschafft hat, daß kleine Dorf K, um das es hier geht, je zu besiegen. Aber dafür haben sie es leider geschafft, Vercingetorix zu besiegen und damit war eigentlich der Gallische Krieg vorbei.“ Unsere Rückfrage: „Und was ist jetzt mit den Kelten?“, beantwortete er: „Ja, was ist mit den Kelten? Gallier sind ja nur eine spezifische Abart der Kelten und damit war auch die Herrschaft der Kelten in ganz Gallien zu Ende, als Cäsar den Gallischen Krieg siegreich beendet hat.“

 

Werner, schon lange Pensionär hat über 20 der Asterixbände und zählt die handelnden Figuren aus den Comics lückenlos auf. „Wann das alles spielt, und ob es überhaupt mit der Geschichte übereinstimmt, weiß ich nicht. Ich bin nur der Fachmann für die Comics. Wäre toll, wenn ich nach der Ausstellung mehr über die richtigen Gallier wüßte. Und warum überhaupt Kelten? Werner könnte sich zusammentun mit einem weiteren Besucher Rolf: „Nein, an mir sind die Asterixbände vorbeigegangen. Ich kenne natürlich die Figur und den Obelix auch, schon durch den Gerhard Depardieu. Aber ich bin Geschichtsstudent mit dem Schwerpunkt Alte Geschichte. Das ist alles meine Zeit. Ich will hier die Comics ein bißchen überprüfen, was an Ihnen dran ist.“ Fortsetzung folgt.

 

 

Bis 9. April 2012 in der Gebläsehalle

 

Katalog: Asterix & Die Kelten. Les Celtes, Edition Völklinger Hütte. Der zweisprachige Katalog, dessen Titelbild wie das Plakat Asterix vor der gewaltigen Völklinger Anlage zeigt, bringt einerseits auf 96 Seiten eine große Anzahl von Farbdrucken einzelner Comics, stellt diese andererseits durch die Abbildung von in der Ausstellung gezeigten original keltischen Exponaten aus Bodenbearbeitung oder Kriegsutensilien und Rüstungen in einen Belegzusammenhang, der beweist, daß die beiden Schöpfer sich in den Bänden der Les Èditions Albert René auf Historisches bezogen haben.

 

www.asterix.com

www.voelklinger-huette.org