Garten Eden 8480Drei künstlerische Positionen im „Garten Eden“ 


Hanswerner Kruse

Fulda (Weltexpresso) – Galerie und Projektraum des Fuldaer Kunstvereins verwandeln sich in einen „Garten Eden“, so der Titel der aktuellen Ausstellung. In den nächsten Wochen wird hier aber weder ein Paradies noch die Vertreibung daraus simuliert, „Eden“ ist als Ort allegorisch gemeint. Drei Künstlerinnen beleben ihn mit ihren zu Kunstwerken geronnenen Fantasien, schaffen einen offenen Raum, den jede und jeder auf eigene Weise betreten kann. 


Trotz des unangenehmen Wetters kamen im Laufe der Vernissage über 100 Leute. Sänger Johannes Michel sang zur Einstimmung über Einsamkeit und Licht: „These city lights / They make me blind / And I can’t find / No sleep tonight“ – und fand so den berührenden Ton für das verlorene Paradies.

Garten Eden 8467Im rustikalen Projektraum mit den unverputzten Wänden, braunen Balken und freihängenden Kabeln präsentiert uns Hanne Karch die meisten ihrer großen Acrylarbeiten. „Pines pink“ oder „carnival of trees“ entführen geradewegs in unwirkliche grellfarbene Wälder und Landschaften, in denen man vage baumartige und weitere florale Gebilde erkennt, umgeben von bunten Pfützen und Steinbrocken oder vereinzelten animalischen Erscheinungen. 

Die unbändigen Malereien können sich gegen die morbide Atmosphäre des Raumes durchsetzen, er bietet einen passenden Rahmen für die von ihr geschaffenen Traumlandschaften. Karchs emotionale Kompositionen berühren unmittelbar die Seele. „Sie öffnen einen weiten poetischen Raum, in dem Natur nicht als Kulisse erscheint, sondern als lebendiger, atmender Prozess“, sagte dazu Kollegin und Mitausstellerin Marlies Ziemke in ihrer Rede zur Eröffnung. 




Garten Eden 8513Die Rednerin selbst gestaltet Porträts von wirklichen Menschen, ebenfalls in kräftigen Tönen. Etwa die realistische Dame im „Treibhaus“ oder eine Schwarze Frau vor aufgelöstem Hintergrund: „Where woods have burnt“. Einige der Abgebildeten könnten unmittelbar aus den Werken der Kollegin Karch gekommen sein. Sie suche keine Idylle, meinte die Malerin in ihrem Kommentar, sie interessiere sich dafür, was brüchig sei, verletzlich, für das Unfertige. So provoziert sie mit kräftigen Farben meist Gefühle, die auf das Innere der dargestellten Menschen verweisen. 




Garten Eden 8491Zwischen den „Porträts“ in der Galerie hängen einige Gemälde Karchs und korrespondieren direkt mit ihren Arbeiten. Beide studierten gemeinsam an der Berliner Akademie und erfuhren die Malerei als ein Suchen – weniger als ein Abbilden. Auch die dritte „Eva“ im Bunde, Ulrike Schmelter, entwickelte sich dort. Sie offeriert ausschließlich See- und Meergemälde, zeigt strudelige aufgewühlte Objekte „By-the-sea“, reale Orte „Fjord in Mist“ bis zur nahezu programmatischen „Soul of Water“. Für sie sind Wasser und Wolken Spiegel innerer Zustände, Sehnsuchtsorte. „Ihre Bilder laden dazu ein, still zu werden und sich einzulassen - nicht nur auf das was man sieht, sondern auf Gefühle, die sich in der Begegnung mit ihren Landschaften zeigen“, so Ziemke. 

Alle drei Künstlerinnen sind seit ihrer gemeinsamen Akademiezeit in und mit ihren Werken auf der Suche - ihre „Gärten“ sind keine verlorenen Paradiese, sondern hybride Zustände und offene Situationen. So versteht sich diese Ausstellung weniger als Festlegung auf den „Garten Eden“ denn als Dialog – zwischen drei künstlerischen Positionen und den Blicken des Publikums.

Fotos
© Hanswerner Kruse 

Service:
„Garten Eden“ im Kunstverein Fulda bis 8. März, geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 15 - 18 Uhr
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