FRANKFURT GEHT AUS! 2016 Der Genußführer für die Mainmetropole, Teil 3

 

Eric Fischling

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Tja, da fangen wir uns in den eigenen Fallstricken. Denn wir wollten nicht die amerikanischen Textvorgaben der Genußredaktion weitertragen, noch eigene bringen. Hier aber bei den FLOPS kommt uns Herman Melvilles BARTLEBY einfach in den Sinn, der in solchen Situationen  „I would prefer not to“ stammelt.

 

Die Flops

 

Die Tester von FRANKFURT GEHT AUS! haben aber auch in diesem Jahr nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Die schlimmsten davon – durch mehrmalige Besuche bestätigt –, finden sich wie immer auf der Flop-Liste.

 

Ein Flop, wie er im Buche steht, ist etwa der Asia Spezial Imbiss auf der Friedberger Landstraße. Wer hier angesichts von schmutzverkrustetem Boden und einem undefinierbaren Mief in der Luft nicht die Flucht ergreift, wird mit öliger Suppe, pappsüßem Curry und muffig schmeckenden gebratenen Nudeln bestraft. Das ist deutlich und kann aber auch andersherum wirken: So was will man gerne überprüfen.

 

Regelrecht schockiert waren die Tester auch von den Zuständen im iKoi auf der Hanauer Landstraße: Im Gastraum stehen Berge von schmutzigem Geschirr in Wannen herum, während das Sushi teilweise ohne schützenden Deckel Runde um Runde auf dem Laufband dreht. Wer dann per fettverschmiertem Tablet-PC seine Order aufgegeben hat, kann sich zum Beispiel auf tranigen Lachs mit Gräten freuen. Da kann man wirklich nicht annahmen, daß die Tester bestochen sind. Zumindest nicht vom Wirt!

 

Besonders bitter ist der Absturz des Sushimoto – ein Restaurant, das die Redaktion fast 25 Jahre lang als einen der Top-Japaner des Jahres empfohlen hat. Doch diese Zeiten sind nun vorbei: Hier gibt es zerschlissene Speisekarten und Papierservietten wie im Schnellrestaurant. Beim Essen ist nicht alles schlecht, aber wenn, dann richtig: zum Beispiel matschige, geschmacksneutrale gegrillte Aubergine, alt schmeckende Katsuobushi-Flocken, pampiger Aal und Lachs als ein faseriges Stück trockener Fisch mit viel Bauchlappen und Silberhaut dran. Das Ganze zu horrenden Preisen.

 

Keine Freude hatten die Tester auch im Restaurant La Tagliatella im Shoppingzentrum Skyline Plaza, das mit jeder Menge Italo-Kitsch eingerichtet wurde. Das Carpaccio ist bis auf den Parmesan obendrauf völlig geschmacklos und das dazu gereichte Brot ein aufgeblasener Fladen und von Pizzabrot so weit entfernt wie Frankfurt vom Mittelmeer.

 

Eine Eiszeit ist bei Eis Milano auf der Schweizer Straße ausgebrochen: Die unmotivierten Mitarbeiter legen einen unfreundlichen Kasernenton an den Tag und die Becher sind nur noch aus Plastik, aber das alles wäre vielleicht noch verschmerzbar, wären da nicht mit langen gefrorenen Eisstücken gespicktes Eis und Fruchtsaft im Joghurtbecher gewesen, der sich offenbar aufgrund der hohen Temperaturen in den Zustand eines Sausers gewandelt hatte und dementsprechend auf der Zunge bitzelte.

 

Von der Gastronomie auf der Zeil ist man ja einiges gewohnt, aber das Indian Kitchen an der Konstablerwache bringt auch gestandene Tester aus der Fassung: Künstlich schmeckende Minzsauce ist hier Geschmacksträger für so einiges, darunter labbrige Pakoras und Samosas mit viel zu dickem Teig, der gleichzeitig zu hell und deutlich zu kross ist. Was das Chicken Vindaloo mit indischer Küche zu tun hat, erschließt sich hier auch nicht – exotische Gewürze und Schärfe sucht man vergebens.

 

Chinesisch-mongolisches Büffet zu günstigen Preisen wird im Shangrila in der Zoopassage geboten. Aber verkochtes, matschiges Gemüse in der Frühlingsrolle, trockene Garnelen im fettigen Teig-Mantel und saure Suppe im Teller? Darauf kann man gut verzichten. Genau wie auf das Sushi – riecht wie Hafenbecken, fühlt sich an wie Knorpel. Apropos: Auch im pakistanischen Imbiss Rizwan da Dhaba scheut man sich nicht, den Gästen kaum essbares Fleisch vorzusetzen. Dazu gibt’s Naan aus schmierigen Brotkörben.

 

 

Neu: auch der Lieferservice muß dran glauben

 

Zu guter Letzt haben die Tester festgestellt, dass man für schlechtes Essen noch nicht einmal mehr das Haus verlassen muss. Der Lieferservice Quickie bringt es bis an die Haustür. Hier treffen labbrige Pommes auf ausgedörrtes, dunkelbraunes, fettdurchzogenes Fleisch und verkochte Rigatoni auf extrem sahnelastige Gorgonzola-Sauce. Den Vogel ab schießt aber der Salat „California“, der hauptsächlich aus Weißkraut und bleichem Eisbergsalat besteht. Für einige Farbtupfer sorgen schwitzige Tomatenspalten und eine (!) Gurkenscheibe. Die dazu gelieferte Ente ist kalt und lässt sich kaum mit der Gabel aufspießen, so gummiartig ist die Konsistenz.

 

 

INFO:

 

Alles in allem wieder ein rundes Heft für nur 5,80 €, das übersichtlich von A-Z, von Top bis Flop für die nächsten 12 Monate einen sicheren und vor allem genussvollen Restaurantbesuch garantiert!

 

Die App

Ebenfalls am 10. Juli stehen die neuen Top-Listen und Kritiken auch für die Nutzer der FRANKFURT GEHT AUS!-App zur Verfügung. Wer die App schon hat, muss sie nur starten – das neue Heft lädt automatisch. Wer sie noch nicht hat, wird in Apples App-Store oder im Google Play Android Store fündig. Achtung: Käufer der neuen Ausgabe sparen über 70 Prozent beim App-Kauf und zahlen nur 1,59 € statt 4,99 €, wenn sie den Gutscheincode im Heft nutzen.