Im chinesischen Chongqing entsteht Einkaufszentrum für europäische Markenprodukte

Uwe Peter Timm

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Von der zweiten Jahreshälfte an haben europäische Unternehmer Gelegenheit, sich den rapide wachsenden chinesischen Markt auf Zeit und Kosten sparende Weise zu erschließen.

Dann nämlich startet mit dem Euro Brand Center in Chongqing, einer der größten Städte des Landes und in der bevölkerungsreichen Südwestregion gelegen, ein Handelsplatz, der Online-Umsätze mit stationärem Geschäft verbindet. Derzeit entsteht dort eine Shopping Mall nach dem Vorbild des KaDeWe in Berlin und der Galeries Lafayette in Paris, das den immer anspruchsvoller werdenden chinesischen Konsumenten Einkaufserlebnisse auf 76000 Quadratmetern Verkaufsfläche bietet. Betreiber ist die Firma Xin Yue Cheng. Das in der Pilotzone für die Förderung von E-Commerce gelegene Euro Brand Center sucht derzeit in Europa Lieferanten europäischer Markenprodukte.

Der E-Commerce-Sektor boomt in China. Die Online-Umsätze wuchsen im vergangenen Jahr um 49,7 Prozent auf 388 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 10,6 Prozent an den gesamten Einzelhandelsumsätzen des Landes. Doch auch der stationäre Umsatz hat zugelegt: allein im Juni 2014 um 10,7 Prozent. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres betrug das Wachstum 10,8 Prozent, verglichen mit der Vorjahresperiode.

Auch wegen der Politik der chinesischen Regierung, Importe zu fördern, lohnt es sich für deutsche Unternehmer, das Handelszentrum zu beliefern. Anfang März 2014 nämlich wurde die Stadt Chongqing durch die Zollverwaltung des Landes als eine von insgesamt sechs Pilotstädten für internationalen Online-Handel ausgewählt. Produkte, die über das Euro Brand Center in handelsüblichen Mengen an Konsumenten verkauft werden, unterliegen gemäß dem Gesetz dem vergünstigten Importtarif für Postversendungen.

Getränke und Nahrungsmittel beispielsweise, die für gewöhnlich beim Import mit bis zu 77 Prozent Zoll belegt werden, genießen stattdessen den Steuersatz für Postversendungen: zehn Prozent. Produkte, deren nominelle Zollgebühr weniger als 50 RMB betragen (Produkte mit Wert bis zu 499 RMB, das entspricht zirka 75 Euro), können sogar steuerfrei eingeführt werden. Jeder Konsument kann derzeit pro Jahr Produkte im Wert von bis zu 20000 RMB (zirka 3000 Euro) mit Vergünstigung kaufen. Kunden müssen deshalb beim Kauf ihren Personalausweis vorlegen. Die Vergünstigung gilt für eine ganze Reihe von Produkten.

Überdies unterstützt ein professionelles Team des Betreibers die Unternehmen bei allen Prozessen von der Logistik über die Lagerung bis hin zu Werbung und Vertrieb. Auch um administrative Angelegenheiten wie Zollformalitäten und Lizenzen kümmern sich die Fachleute.

Die an chinesische Konsumenten in ganz China gerichtete Online-Plattform des Euro Brand Centers wird am 1. August 2015 ans Netz gehen. Da das Unternehmen mit lokalen chinesischen Banken kooperiert, bilden deren Kunden die Online-Community, die schon jetzt rund 500 000 Mitglieder zählt. Hersteller, die ihre Produkte über Outlets vertreiben wollen, profitieren von strategischen Partnern des Euro Brand Centers: Die Chongqing Grain Group unterhält 300 Retail-Shops in Südwest-China und die China Xingbang Group betreibt gegenwärtig 1500 Läden im gesamten Land.

Gründer des Euro Brand Center ist Zhang Dengwen, ein in Chongqing geborener Familienunternehmer, der in den vergangenen zehn Jahren eine Gruppe mit sechs Unternehmen aufgebaut hat. Sie sind in verschiedenen Branchen aktiv, beschäftigen insgesamt 300 Mitarbeiter und erwirtschafteten 2014 nach Angaben des Eigentümers einen Jahresumsatz von umgerechnet rund 160 Millionen Euro. Zhang investierte in den Bau des Shopping-Centers für europäische Importprodukte 71 Millionen Euro. Als strategischer Partner steht Zhang mit Kevin Martin ein deutscher Manager zur Seite, der langjährige internationale Erfahrung hat. Martin ist Geschäftsführer und Managing Director der Oakland Capital, einer Beratungs- und Investmentgesellschaft aus Frankfurt am Main. Er hat viele Jahre in der an Chongqing grenzenden Provinz Sichuan gelebt und war unter anderem für das Europabüro der Stadtregierung Shenzhen in Nürnberg in der Investmentförderung tätig. Zhang hat ihn mit der strategischen Akquise von Ankermietern beauftragt.

Das Euro Brand Center hat den Anspruch, zur führenden Handelsplattform in Südwestchina mit seinen 233 Millionen Konsumenten zu werden. Erreicht werden soll dieses Ziel nicht zuletzt mit einer breiten Range hochwertiger und innovativer europäischer Produkte von modischen Textilien über Lederwaren, Baby- und Kinderartikel, Kosmetik, Elektronik, Haushaltsutensilien bis hin zu Delikatessen und Spirituosen. Produzenten können traditionell als Lieferanten für das Shopping Center fungieren, wobei das Euro Brand Center auch den After-Sales-Service für Kunden und die Wartung oder Rücknahme von Produkten übernimmt. Alternativ sucht das Euro Brand Center nach Marken, für die es in China als Hauptdistributor tätig sein kann - eine besonders für mittelständische und kleine Hersteller interessante Option. In diesem Fall übernimmt das Euro Brand Center auch die Abwicklung von Lizenzen zur Einfuhr des Produktes und die Marktentwicklung innerhalb Chinas. Der Handelsplatz ist als Win-Win-Situation konzipiert und bietet somit Europäern und Chinesen gleichermaßen Vorteile.

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Die Shopping Mall für europäische Premium-Produkte im Modell