P1050208Fahrende Musiker in Ingelheim

Eva Mittmann

Ingelheim (Weltexpresso) - Nach alter Tradition spielten fahrende Musiker im Mittelalter bei Festen auf. Diese Tradition lässt das RMF wieder aufleben. Die Auftritte dauern jeweils 30 Minuten und anschließend hat dann das Publikum 30 Minuten Zeit, sich mit Wein, Getränken und Speisen zu versorgen. „Denn Zechen und Essen sind seit jeher eine willkommene Ergänzung zum geselligen Musizieren“, wie es im Programm des RMF heißt. (Ob dies ein wirklich gelungenes Konzept sein kann, wäre zu hinterfragen.)


Diesmal sind vier unterschiedliche Bands am Start: Als Erstes die Gruppe „3 on the Bund“. Das sind Roísín Ryan (Fidle & Gesang), Seán Kelliher (Gitarre & Banjo), Rebecca Mc Carthy Kent (Fiddle, Piano & Gesang) und Simon Pfisterer (Uilleann Pipes & Flöten) – diesmal ohne Harfenistin Aisling Lyons. Schon nach den ersten Klängen fühlen wir uns in Pubs in der Nähe der wilden Küste Schottlands versetzt – es fehlen (nach schottischer Tradition) nur noch die klappernden Löffel, sie zu begleiten. Bestechend ist die treibende Mischung der Rhythmen von Fiddle (Roísín Ryan), Pipes (Simon Pfisterer) und Gitarre (Seán Kelliher). Jedoch will das Publikum in diesen ersten dreißig Minuten noch nicht so richtig warm werden mit den Sounds der rauen nordischen Küste.

P1050221Schnell sind diese ersten dreißig Minuten vorbei und nach der ersten Pause betritt die zweite Band die Bühne: Die Busquitos! Das sind Jelle van Tongeren (Violine), Thomas Streutgers (Saxophon), Lex Reerink (Gitarre) und Mattieu Cleijne (Bass & Gesang). Ein Spektakel der Extra-Klasse – von der ersten Sekunde an! Es ist, als habe das Publikum auf diese spezielle Art der Erlösung der Ernsthaftigkeit schon viel zu lange gewartet. Denn sie sind perfekte Komiker. Allein ihr Outfit: diese grellbunten Anzüge im Comic-Style verheißen bereits nichts als Spaß! Und so soll es dann auch sein: Sie verzaubern das Publikum, das sie von Anbeginn mit in ihren Auftritt einbeziehen, von der ersten bis zur letzten Sekunde! Wie ihnen das gelingt? Mit Humor natürlich. Zum Beispiel formieren sie ungleiche Tanzpaare (z.B. kleiner Mann - große Frau), die per se zusammen komisch wirken, weil sie nicht so recht zusammenpassen wollen. Zudem sind sie stets im direkten Kontakt zum Publikum, das sie mit witzigen Einlagen und Überraschungseffekten dazu bringen in schallendes Gelächter auszubrechen. Alle sind begeistert. Wie köstlich ist diese Art von Humor! Leider sind dadurch „ihre“ dreißig Minuten gefühlt viel zu schnell vorüber!

P1050246Nach einer nächsten Pause sind dann Zydeco Annie und ihre Swamp Cats zu hören mit Anja Baldauf (Akkordeon), Helt Oncale (Fiddle & Gesang), John McCulough (Kontrabass & Gesang) und Stefan Baldauf (Perkussion und Gesang). Trotz intensiver Bemühungen der Bandmitglieder und ihrer Frontfrau Anja am Akkordeon in fortissimo will jedoch der Funke nicht so recht überspringen und es erscheint letztlich wie eine Erlösung, als nach der Pause endlich “The Speedos“ die Bühne betreten und mit ausgesucht lässigem Humor die Stimmung retten, sodass schlussendlich alle Besucher gut gelaunt die Heimreise antreten können. Unterwegs werden unter Garantie noch viele der Konzertbesucher ein stilles, geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen tragen. Möglicherweise denken sie an kurze Szenen der „Busquitos“ oder der „Speedos“ zurück?



Fotos:
© Michael Dellermann

 Info:
 
https://www.wasem.de/

https://www.busquitos.com/

https://www.zydecoannie.de/

https://thespeedos.de/

https://www.3onthebund.com/