c ChadDaoPlini in der Batschkapp

Barbara Altherr

Frankfurt (Weltexpresso) - Der australische Gitarrist und Komponist Plini hat sich als Ausnahmeerscheinung in der Musiklandschaft etabliert. Er steht für instrumentale Musik, die technisch anspruchsvoll ist, ohne ihre emotionale Zugänglichkeit zu verlieren. Plini steht exemplarisch für eine neue Generation von Musikern, die Genregrenzen als Einladung begreifen – nicht als Limit. Seine Karriere zeigt, dass instrumentale Musik im digitalen Zeitalter kein Nischenphänomen sein muss. Sie kann Millionen erreichen – wenn sie Substanz hat.

Geboren 1992 in Sydney, begann Plini Roessler-Holgate zunächst mit klassischer Akustikgitarre, bevor er sich dem progressiven Rock und Metal zuwandte. Zur E-Gitarre fand er im Alter von 15 Jahren, woraufhin er sich gleichermaßen in das Instrument und das Homeproducing einfuchste und von 2011 bis 2013 zunächst unter dem Künstlernamen Halcyon Musik veröffentlichte. Früh beeinflusst von Bands wie Dream Theater und Opeth, entwickelte er eine eigene Handschrift. Statt auf reine Virtuosität zu setzen, stellte er Atmosphäre und Komposition in den Mittelpunkt.

Seine frühen EPs – allen voran „Other Things“ (2013) – verbreiteten sich zunächst online und machten ihn in Musiker- und Gitarrenkreisen schnell zum Geheimtipp. Die internationale Aufmerksamkeit wuchs, als niemand Geringeres als Steve Vai ihn als „the future of exceptional guitar“ bezeichnete – ein Ritterschlag in der Welt der modernen Gitarrenmusik. Mit seinem Debütalbum „Handmade Cities“ gelang Plini 2016 der künstlerische Durchbruch. Das Werk verbindet progressive Strukturen mit melodischer Klarheit, komplexe Taktarten mit beinahe schwebender Leichtigkeit. Stücke wie „Electric Sunrise“ zeigen sein Markenzeichen: klare, singende Lead-Gitarren, unterstützt von atmosphärischen Synthesizer-Flächen und dynamischem Schlagzeug. Anders als viele Vertreter des Djent- oder Progressive-Metal-Genres verzichtet Plini weitgehend auf aggressive Härte. Seine Musik wirkt reflektiert, fast kontemplativ. Sie baut Spannungsbögen auf, ohne sich in technischer Selbstdarstellung zu verlieren.


Klangästhetik zwischen Technik und Emotion

Plinis Gitarrensound ist einmalig und sofort erkennbar – nicht wegen extremer Effekte oder spektakulärer Härte, sondern wegen seiner Balance. Klarheit, Raum, Melodie und kontrollierte Energie verschmelzen zu einer Klangidentität, die ihn aus der Masse heraushebt. Er ist hochmodern, aber nie kalt. Charakteristisch sind glasklare Clean-Passagen, komplexe Harmonien und ein Gespür für Raum.

Dabei nutzt er die Gitarre nicht nur als Rhythmus- oder Soloinstrument, sondern als erzählendes Medium. Mit späteren Veröffentlichungen wie der EP „Sunhead“ (2018) und dem Album „Impulse Voices“ erweiterte Plini sein Klangspektrum weiter. Elektronische Elemente, ausgefeilte Arrangements und ein noch stärkeres Gespür für Dynamik zeigen einen Künstler, der sich kontinuierlich weiterentwickelt. Er steht für einen Sound, der zugleich komplex und zugänglich ist, transparent statt brachial, melodisch statt demonstrativ. Sein Gitarrenton ist kein bloßes Stilmittel, sondern erzählerisches Werkzeug. Das auffälligste Merkmal seines Spiels ist die außergewöhnliche Transparenz. Selbst bei komplexen Akkordvoicings bleibt jede einzelne Note hörbar. Diese vokale Qualität verleiht seinen Instrumentalstücken emotionale Tiefe.

Ein weiteres Charakteristikum ist sein Gespür für Dynamik. Seine Musik atmet. Leise, atmosphärische Passagen stehen neben rhythmisch akzentuierten, druckvollen Parts, ohne dass der Sound jemals überladen wirkt. Plini spielt mehrere Instrumente, aber für seinen charakteristischen Sound ist vor allem seine Signature-Gitarre entscheidend: eine speziell von und für ihn entwickelte Strandberg-Gitarre.

Live überzeugt Plini mit Präzision und Spielfreude. Tourneen führten ihn schon durch Europa, Nordamerika und Asien. Der begnadete Gitarrist hat mit Jake Howsam Lowe (Gitarre), Simon Grove (Bass) und Chris Allison (Schlagzeug) eine Band, die ebenfalls durch ein hohes Level an Virtuosität besticht. Trotz wachsender Bekanntheit bleibt Plinis Bühnenpräsenz unprätentiös – im Mittelpunkt steht immer die Musik. Am 26.5. kommt Plini mit seiner Band nach Frankfurt in die Batschkapp. Mit dabei ist Sungazer, eine von Electronic Dance Music und Electrojazz beeinflusste Fusionband aus New York City.

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