iu6NKVK2UDWer hätte sich träumen lassen, dass die neue Schülerbewegung 'Fridays for Future' den Stab des Protests neu aufgreift

Heinz Markert

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Eine Generation, der die Zukunft geraubt wird, steht mit Fridays für Future auf. Recht hat sie. Sie ist das Aufstehen, das es braucht. Es gibt doch immer noch Zeitgenossen, die meinen, dass sie das heilige Recht auf Ausbeutung der Natur und der Ressourcen hätten, mit billigem Benzin - ohne böse Ökosteuer -, Brettern auf sechsspurigen Autobahnen und Düsen in der Stratosphäre.
 
„There ist no Planet B“

Eine neue Jugend sagt zu jeglichem Wegschauen und Ignorieren der Naturzerstörung: Nein; und zwar sehr entschieden. Sie wissen genau, worum es ihnen geht. Ein Tunneldenken haben sie nicht. Sie verbinden den Kampf für das lebenserhaltende Klima der Erde, für eine intakte Öko- und Biosphäre, mit dem Ruf nach Gerechtigkeit und Fairness für alles, was im System der Natur lebt und webt - und kranken muss.

Es wird scharf skandiert, man merkt, sie sind außer sich ob der Saumseligkeit und Überheblichkeit der Erwachsenenwelt, speziell in der Politik. Die Politik redet in Talkshows im Kreis, hält ihr Ziel bis 2022 nicht ein. Vom Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römer redet die aufbegehrende Jugend herunter in einer Sprache, die elaboriert ist und von Informiertheit getragen. Um den Gerechtigkeitsbrunnen herum war das Beipflichten und Nicken Älterer zu beobachten. Sie klatschten sichtlich entschlossen für die Forderungen der Jugendlichen.

Diese erkennen allerhand Widersprüche und Inkonsequenzen im System der Erwachsenen: Atom wird ausgeschaltet, dann aber kommt wieder Kohle. Das riecht offen nach veraltetem Geschäftsmodell. Sowas merkt jedes kleine Kind. Eine Greisenkultur der Alt-Interessenvertreter - sie heißen jetzt öffentlich: die alten weißen Männer - will sich verewigen. 120 000 wurden für den Kohleabbau von ihrem Lebensgrund vertrieben. Greenpeace wollte die Kohle aufkaufen und abwickeln, hieß es von der Umfassung des Gerechtigkeitsbrunnens herab.

Die Kohle muss so schnell wie möglich beendet werden. Die neuen Riesenleitungen werden nur für die letzte Kohle gebaut. Diese verstopft (blockiert) die Leitungen für die erneuerbaren Energien. Die Erneuerbaren werden von der Natur nahezu umsonst geliefert. Sie müssen lediglich abgegriffen werden. Die Zeit läuft davon. 25 Prozent der Abgase stammen aus der Gülleindustrie. Der Luftverkehr zahlt auf innerdeutschen Flügen keine Kerosin- und keine Mehrwertsteuer. Auch die Agrarindustrie wird subventioniert für den schädlichen Anbau durch eine extrem mechanisierte, die Äcker und das globale Klima belastende Agrarwirtschaft. Deutschland wollte beim Klimaschutz Vorbild sein.

„ÖPNV statt SUV“ (Slogan)

Eine Erkenntnis steht über allem: der Planet wird verprasst. Inmitten des Profitwahns wuchs eine neue Non-Profit-Generation heran. Auch Sozialpolitik ist ihr kein Fremdwort. Es braucht tiefgreifende Veränderungen. Die Grundlagen des Lebens haben sich ohne Not verschlechtert. Alternativen werden dauernd ausgebremst, Rechts marschiert gegen die Menschlichkeit auf, Handelskriege drohen und die Ausbeutung des Menschen ist auf höchstem Niveau. Es gibt 4,5 Millionen Sklaven auf der Welt. Paketboten sind die neuen Sklaven der Digitalindustrie. Das natürliche Klima aber ist faktisch zum höchsten Rechtssubjekt aufgestiegen, während der Mensch die Axt an seine Grundlagen legt.

EU-Recht wird vom Fossilen Imperium torpediert, unter Beihilfe der Gewählten und eines profillosen Nachtschattengewächses à la Andreas Scheuer. Die Politiker würden am liebsten die neue Schülerbewegung verbieten, während sie eigentlich selbst kämpfen müssten, gegen die Widerstände; sie tun es aber nicht, also: „wir müssen es machen“, war der Ruf.

Das Klima wurde zur höchsten Instanz, es übersteigt nun alles; „weil uns die Zeit davonläuft“; ohne die Rettung der Ökosphäre für das vielfältige Leben geht bald nichts mehr. Daher wird im Demonstrationszug gefragt: "What do You want? - als Antwort kommt: "Climate Justice!" - When do You want this? - zurückgerufen wird: "Now!" So hallte es vielfach während der Demonstration an Häuserwänden wider, die an der Bockenheimer Warte begann und auf dem Römer endete; unmittelbar einsichtige und daher in kurzer Zeit eingeübte Bewertungen der Lage, zu denen Schülerinnen und Schüler natürlicherweise fähig sind ohne lange räsonieren zu müssen, wurden immer wieder mit Vehemenz skandiert, in Nullkommanichts haben sie ihre Rolle und ihren Auftrag begriffen, sich professionalisiert.

„Wir sind die letzte Generation, die noch die Möglichkeit hat, die Folgen der Klimakrise abzuschwächen“

Für Freitag, den 15. März, ist der Globale Klimastreik ausgerufen. Dann demonstrieren die Schülerinnen und Schüler ab 12 Uhr weltweit für den Schutz des Klimas, in 72 Ländern und 800 Städten. So auch in Frankfurt am Main.

Übrigens ist auch das Menschheitsklima umgekippt. Das Weltsystem kippte unlängst aus den Schuhen. Seit Beginn des Jahres 2016 mehrten sich fast urplötzlich die Überschriften zu einem gesteigerten Level an brisanten Meldungen in den Zeitungen. Es begann sich etwas zusammenzubrauen, die globale Verfassung der Human-Mentality kam ins Trudeln. Das wurde im Familienkreis um den damaligen Jahreswechsel diskutiert, ohne dass lange zu zögern war. Geschwister merken, da gerät was aus dem Ruder. Was die Schülerinnen und Schüler treibt, ist objektiv in Verhältnissen begründet. Nur das legitimiert Materialismus, nicht der Konstruktivismus von Politkommissaren. Es musste kommen, wie's gekommen ist.

Hinzu kam seit jenem Bruch auch das Aufkommen der verrückten alten Männer in der Weltpolitik. Es sind die alten weißen Männer, die auf dem abnehmenden Ast nicht von der Macht lassen wollen oder sie verspätet reklamieren. Manchmal sind diese Alten noch jung. Sie sind letztlich auch nur Werkzeuge der Großkonzerne und der geballten Geldmacht, die aus dem abgezweigten Erfolg der Beschäftigten gespeist wird. Die Großkonzerne oktroyieren der Welt immer mehr Waffen und Techniken auf, die unser Planet nicht aushält. (‚Die Diktatur der Konzerne‘, Thilo Bode). Für die Rohstoffgewinnung wird der Mutter Erde die Haut aufgerippt. Es bräuchte tausend Jahre bis das wieder halbwegs geheilt ist.

Nach einer Auskunft Schopenhauers ist der Philister ein Mensch ohne geistige Bedürfnisse. So kam es dass, als der Demonstrationszug gerade am Eschenheimer Turm vorbeigezogen war und vor dem neuen Protzbau, der gerade gegenüber in seinen letzten Zügen komplettiert wird, hielt, zwei deutsche Arbeiter mit der Bemerkung zu hören waren, dass das Jungvolk doch nur schwänzen wolle. So kennt man seine Arbeiter: eher etwas zur Xenophobie geneigt und bereit, Regenwaldbäume mit der Kettensäge umzulegen und Demonstranten von den Schloten zu holen. Greta hat bei ihnen keine Chance. „Angst vor Greta“, lautete kürzlich eine Überschrift.

Internationaler Aktionstag von Fridays for Future

Heute, am 15.03.2019, findet der wohl größte Klimastreik der Geschichte (wie angekündigt) statt. Hessenweit werden 25 000 Schülerinnen und Schüler erwartet. Die Proteste sind deutschlandweit für 180 Städte angekündigt. Drücken wir den Teenagern die Daumen, dass sie weltweit millionenstellig zusammenkommen können. Die aufgeklärten Staatsbürger, die zum kritischen Denken befähigt sind, brauchen immer wieder eine Sternstunde der Mobilisierung, damit sie ihre Bestimmung als wache Menschen erfüllen können.

Auf der letzten Frankfurter Demo lief auch eine Gruppe Leninisten mit, die sich an FFF anhängen wollten. Sie geben Übereinstimmung mit den Anliegen der Jüngsten vor. Das ist zu bezweifeln. Der Leninismus hat in der praktischen Auswirkung mit einem frechen, dreisten und autoritären Gehabe zu tun, wenngleich Lenin selbst noch ein ehrbarer Mann gewesen sein könnte. Stalinismus ist Linksfaschismus, Lenin hat ihm den Boden bereitet. Er wollte „schlagen auf die Köpfe für den Tempel des Glücks“. Leninisten wollen nicht einsehen, dass der Sozialismus nicht nur nicht mit Gewalt etabliert werden kann, sondern auch wieder abgewählt werden oder gar gestürzt werden muss, wenn er auf der ganzen Linie versagt, wie z. Zt. in Venezuela. Die Regierung Venezuelas unter Madura ist durch und durch korrupt und unfähig.

Info:
Fridays für Future, Demonstrationszug in Frankfurt am Main, 15.03.2019, 12 Uhr; Start: Bockenheimer Warte, Ziel: Römer