filmfestival Max OphülsDie Preisträger:innen des 47. Filmfestival Max Ophüls Preis, Teil 2/2

Redaktion

Saarbrücken Weltexpresso) - MAX OPHÜLS PREIS: BESTER MITTELLANGER FILM. Der Preis für den besten Film aus dem Wettbewerb Mittellanger Film ist mit 5.000 Euro dotiert. Preisstifterin ist die saarländische Ministerin für Bildung und Kultur Christine Streichert-Clivot. Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTER MITTELLANGER FILM geht an den Film HARIKA von Beran Ergün.

Begründung:
Kino braucht Mut. Den Mut, laut zu sein, emotional, ehrlich, dramatisch. Manchmal besteht dieser Mut aber eben auch darin, einfach hinzusehen. Menschen Menschen sein zu lassen und mit zartem Blick und offenem Herzen zuzuschauen. Und so ist dieser Film für uns als Publikum ein großes Geschenk in einer Zeit, in der so viele daran arbeiten, zu spalten und Unterschiede zu schaffen.
Liebevoll nehmen uns die Filmemacher:innen an die Hand und mit auf einen Spaziergang an den Ort, der ihre Heimat ist. Wie ein Kaleidoskop entblättern sie in präzisen Einstellungen und abseits von klischierten Narrativen das Bild einer Community, in der die Menschen gemeinsam lachen, spielen, in Erinnerungen schwelgen, einander zuhören und umeinander sorgen. Und ja, auch hier passieren Dramen, zum Beispiel sterben Hunde. Aber wenn wir so miteinander leben wie die Menschen hier, am Ende der Glückauf-Straße, können wir das verkraften…

Jury Wettbewerb Mittellanger Film / Kurzfilm: Florian Dietrich, Thea Ehre, Mariam Shatberashvili


MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS MITTELLANGER FILM

Der mit 5.000 Euro dotierte Publikumspreis Mittellanger Film wird von der Sparkasse Saarbrücken ausgestattet und stellvertretend an die Produktionsfirma des Projektes vergeben.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS MITTELLANGER FILM geht an den Film MEIN NAME AKIM (Produktion: ifs Internationale Filmschule Köln, Produzentinnen: Annalena Liesner und Alina Naomi Theis).


MAX OPHÜLS PREIS: BESTER SCHAUSPIELNACHWUCHS

Für herausragendes schauspielerisches Talent spricht eine dreiköpfige Schauspiel-Jury im Vorfeld des Festivals bis zu sechs Nominierungen aus. Im Fokus stehen Schauspiel-Talente aus den Wettbewerben Spielfilm und Mittellanger Film, die bislang nicht mehr als drei größere Rollen in fiktionalen Projekten übernommen haben. Aus den Nominierten kürt die Schauspiel-Jury zwei Preisträger:innen. Das Preisgeld beträgt jeweils 3.000 Euro und wird gestiftet von der Sparkasse Saarbrücken sowie den Festivalpat:innen.
Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTER SCHAUSPIELNACHWUCHS geht an Tommes Diallo in CHAMPIONS UND WIR (Regie: Paul Hordych).

Begründung:
Mit großer Offenheit und bemerkenswerter Frische nimmt uns das Spiel dieses Schauspielers mit in ein emotionales Spannungsfeld aus Scham, Begehren, Loyalität und Selbstzweifeln. Nach außen wirkt das Leben der Figur zunächst geordnet: ein junger Mensch, eingebettet in vertraute Strukturen, getragen von Zugehörigkeit, familiärer Nähe und einer wichtigen Freundschaft. Doch ein übergriffiger Moment überschreitet eine Grenze und bringt etwas ins Wanken, das sich nicht einfach verdrängen lässt. Gleichzeitig wird eine Beziehung bedeutsam, die mehr ist als bloße Freundschaft – und die innere Ordnung weiter herausfordert. Mit einem ausdrucksstarken, nuancierten Spiel macht der Schauspieler diese inneren Konflikte jederzeit spürbar, ohne sie zu erklären oder zu vereinfachen. Wir sind ganz nah an der Figur, erleben ihre Überforderung ebenso wie ihre Sehnsucht nach Akzeptanz. Diese besondere Nähe, dieses ehrliche, sensible und lange nachwirkende Spiel, macht die außergewöhnliche Leistung aus, die wir heute auszeichnen.


Der zweite MAX OPHÜLS PREIS: BESTER SCHAUSPIELNACHWUCHS geht an Emilia Warenski in BLEISTIFTSTRICHE (Regie: Alice Prosser).siehe Foto

Begründung:
Noch bevor die Geschichte es ausspricht, lesen wir es im Gesicht: ein Erwachen, ein vorsichtiges Öffnen, ein neugieriger Blick auf eine Welt, die bisher nicht denkbar schien. Mit minimalen Gesten, kaum wahrnehmbaren Veränderungen im Körper und einer bemerkenswerten Präsenz wird erfahrbar, wie Sehnsucht entsteht nach Abwechslung, nach Liebe, nach einem anderen Leben.
Diese Entwicklung vollzieht sich in kleinen, präzisen Schritten: Nichts davon ist aufgesetzt oder behauptet, alles wirkt organisch, tastend, verletzlich. Die Gefühlswelt dieser Figur wird für das Publikum unmittelbar spürbar, gerade weil sie so zurückhaltend und zugleich so klar gespielt ist.
Diese außergewöhnliche Sensibilität, diese Mischung aus Zurücknahme und emotionaler Offenheit, verdanken wir einer Schauspielerin, die es versteht, innere Prozesse sichtbar zu machen.

Schauspiel-Jury: Bradley Iyamu, Susanne Ritter, Kirstin Wille


MAX OPHÜLS PREIS: BESTER KURZFILM

Der Preis für den besten Kurzfilm ist mit 5.000 Euro dotiert. Gestiftet wird er von der Stadtwerke Saarbrücken GmbH.
Der MAX OPHÜLS PREIS: BESTER KURZFILM geht an den Film DIE GEMEINEN KLEINIGKEITEN von Florian Moses Bayer.

Begründung:
Es ist nicht immer leicht, ein Mensch zu sein. Und es ist nicht immer leicht, Teil dieser Gesellschaft zu sein. Mit scharfem Blick für die leisen Momente zeigt uns dieser Film, wie oft manche von uns erniedrigt, verletzt und angegriffen werden - weil sie nicht der vermeintlichen Norm entsprechen.
Den Filmemacher:innen und dem großartigen Cast gelingt es, uns zumindest für die Kürze dieses Films die Perspektive wechseln zu lassen und mitzuempfinden, was es bedeutet und wie viel Kraft es wohl braucht, sich diesen alltäglichen Angriffen entgegenzustellen. Trotz des ernsten Themas schafft der Film es doch, sich durch Humor und wundervoll lebendige Nebenfiguren eine skurrile Leichtigkeit zu bewahren. Komisch, bitter, aber immer auch dazu ermutigend, die Opferrolle, die einem von der Gesellschaft zugeschrieben wird, abzulehnen und selbstbestimmt, im besten Falle in Solidarität mit anderen, voranzuschreiten.

Jury Wettbewerb Mittellanger Film / Kurzfilm: Florian Dietrich, Thea Ehre, Mariam Shatberashvili


MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS KURZFILM

Daneben wird ein Publikumspreis im Wettbewerb Kurzfilm verliehen, der von der Energie SaarLorLux AG mit 5.000 Euro ausgestattet wird. Der Preis geht stellvertretend an die Produktionsfirma des Projektes.
Der MAX OPHÜLS PREIS: PUBLIKUMSPREIS KURZFILM geht an den Film DIE GEMEINEN KLEINIGKEITEN (Produktion: Filmakademie Wien, Produzent:innen: Chris Dohr, Liza Enzinger).


MAX OPHÜLS PREIS: TREATMENT DEVELOPMENT – ZDF/DAS KLEINE FERNSEHSPIEL

Zum zweiten Mal wird der Preis zur Förderung starker Ideen im Debütbereich verliehen. Gemeinsam mit der Redaktion ZDF/Das kleine Fernsehspiel und einem unabhängigen Vorjurymitglied wurden fünf Projekte nominiert, deren Filmschaffende bereits mit Kurz- oder mittellangen Filmen in einer früheren Festivalausgabe vertreten waren und nun ihr Debüt realisieren möchten. Während der Festivalwoche führten die Nominierten Feedback- und Auswahlgespräche mit Loren Müller und Jakob Zimmermann von der ZDF-Redaktion, die im Anschluss die Preisträger:in bestimmen. Der/die Gewinner:in erhält einen Entwicklungsvertrag mit der Redaktion im Wert von 10.000 Euro zur Ausarbeitung des Treatments.

Über die Nominierungen entschieden Alex Schaad (Regisseur, Drehbuchautor), Jakob Zimmermann (Redakteur ZDF/Das kleine Fernsehspiel) und Svenja Böttger (Geschäftsführung & Künstlerische Leitung FFMOP).


Der MAX OPHÜLS PREIS: TREATMENT DEVELOPMENT – ZDF/DAS KLEINE FERNSEHSPIEL geht an Maja Bresink für ICH WILL ETWAS, DAS NUR MIR GEHÖRT.

Begründung:
Diese Idee hat uns mit ihrer großen emotionalen Dringlichkeit gewonnen. Ein Stoff, der keine Angst vor Konflikt hat. Er leuchtet die dunkelsten Gefühle und Abgründe der Hauptfigur aus - und versucht trotzdem, Trost zu spenden. Ein dramaturgisch herausfordernder Stoff, der einen Balanceakt erfordert. Wir trauen der Verfasserin zu, dass er gelingt und freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.

Jury: Loren Müller, Jakob Zimmermann

Foto:
Emilia Warenski in BLEISTIFTSTRICHE
©Filmfestival Max Ophüls