wdr süssAuch Hessen hat Grund zur Trauer 

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Im Nachhinein muß man den Mut bewundern, mit welcher Selbstverständlichkeit Rita Süssmuth (CDU) in der damaligen CDU die Selbstverständlichkeit, eine Frau zu sein und die gleichen Rechte wie Männer zu haben, vortrug und lebte. Den Heutigen muß man dazu sagen, daß diese CDU in der Nachkriegszeit und auch zu Zeiten von Helmut Kohl eine extrem konservative Partei war, wozu gehörte, daß Politik Männersache ist und Frauen dann höchstens politisch verantwortlich da mitsprechen dürfen, wo es um Frauen geht. So wurde Rita Süssmuth unter Kohl 1986 das neue Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit übertragen, sie wurde zur ersten Bundesfrauenministerin der Bundesrepublik Deutschland, die sich vor allem um die beruflichen Chancen von Frauen kümmerte. Sie selbst war Professorin für  Erziehungswissenschaft und mit einem Professor für Pädagogik und Geschichte verheiratet. 

Daß sie schon schnell von Kohl weggelobt wurde und zur Bundestagspräsidentin gewählt wurde, empfand sie als Machtverlust. Das war es auch. Allerdings machte sie aus dem damaligen Repräsentationsamt durchaus eine Institution, die auch zur aktuellen Politik Stellung bezog. Sie war übrigens von 1986 bis 2001  Bundesvorsitzende der Frauen Union und von 1987 bis 1998 Mitglied im Präsidium der CDU.

Auch die erste Ministerin der BRD kam aus der CDU, die mit Adenauer lange die Bundesregierung stellte. Es war Elisabeth Schwarzhaupt, die von 1961-1966 Gesundheitsministerin wurde, einem neu geschaffenen Museum. Dieses Ministerium wurde später mit Familie, Jugend...zusammengelegt und ist in unseren Tagen längst wieder ein eigenständiges Ministerium. Heute ist in Hessen kaum mehr bekannt, weshalb Rita Süssmuth für Hessen wichtig wurde. Deshalb geben wir gerne weiter, was der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst , Timon Gremmels, zum Tod von Rita Süssmuth äußerte:„Süssmuths außergewöhnliches Engagement für das Deutsche Polen-Institut prägte Hessen nachhaltig!“

Er reagiere mit großer Trauer  auf den Tod der früheren Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth:  „Rita Süssmuths außergewöhnliches Engagement für das Deutsche Polen-Institut mit Sitz in Darmstadt prägte Hessen nachhaltig und bleibt als bedeutendes Vermächtnis bestehen. Als Ehrenpräsidentin brachte sie die Idee des Deutsch-Polnischen Hauses entscheidend voran und stärkte damit den deutsch-polnischen Dialog auf vorbildliche Weise. Ihr Wirken zeugt von Weitsicht, Verantwortungsbewusstsein und einem tiefen Einsatz für gesellschaftlichen
Zusammenhalt. Rita Süssmuth haben vor allem auch HIV- und Aids-Betroffene viel zu verdanken. Sie war eine starke Stimme der Vernunft und hat in der damaligen politischen Debatte stets rational und zugleich empathisch entschieden. Sie trug entscheidend dazu bei, dass Forschung, Aufklärung und Selbsthilfe im Umgang mit HIV und Aids in Deutschland früh gesellschaftliche Anerkennung und politische Unterstützung fanden.“

Ihr besonderes Engagement hängt wiederum mit ihrem Ehemann zusammen, der Lehrstuhlinhaber am Historischen Seminar der Heinrich-Heine-Universität war, wo das Polnische Institut beheimatet ist und der 2020 starb.

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