Veröffentlichungen des Paritätischen Gesamtverbandes, Teil 1068Redaktion
Berlin (Weltexpresso) - Unser neues Projekt „Nachhaltig satt" hat seinen Auftakt gefeiert! Am 27. Januar 2026 kamen rund 150 Akteur*innen aus Kitas, Schulen, anderen sozialen Einrichtungen und Verbänden zusammen, um gemeinsam mehr über klimagesunde Gemeinschaftsverpflegung zu lernen und zu diskutieren. Die digitale Auftaktveranstaltung bot Inputs aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, Praxiseinblicke und viel Raum für Austausch. Der Nachmittag machte deutlich: Eine nachhaltige Verpflegung ist nicht nur möglich, sondern bereits vielerorts auf dem Weg.
Klimagesunde Ernährung in Kitas und Schulen: Die Planetary Health Diet als Kompass
Saskia Wendt von KLUG e.V. (Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit) führte in das Konzept der Planetary Health Diet ein. Wenn wir über die Klimakrise sprechen, denken viele zunächst an CO₂-Emissionen und steigende Temperaturen. Doch das Konzept der planetaren Grenzen macht deutlich: Es geht um weit mehr. Diese biophysikalischen Grenzen sind sozusagen der Gesundheitsmesser unseres Planeten und sieben von neun Grenzen sind bereits überschritten. Sechs dieser Überschreitungen werden durch Ernährung, Landnutzung oder Landwirtschaft beeinflusst. Die Teilnehmenden erhielten darüber hinaus einen Überblick über den DGE-Qualitätsstandard für Kitas und die Optimierte Mischkost für die Kita-Verpflegung nach Kersting. Auch wenn es kleine Unterschiede gibt, legen alle Konzepte den Fokus auf überwiegend pflanzliche Lebensmittel, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und die Reduktion tierischer Produkte.
Warum Kita- und Schulverpflegung so wichtig ist
Die Kita ist oft die erste Lebenswelt, in der Kinder mit Gemeinschaftsverpflegung in Berührung kommen. Hier werden Geschmacks- und Ernährungspräferenzen für das ganze Leben geprägt. Ungesunde Ernährung im Kindesalter ist ein Risikofaktor für Übergewicht, Diabetes und andere Erkrankungen. Gesunde Ernährung wirkt daher präventiv.
Gleichzeitig bieten die Kita- und Schulverpflegung große Chancen:
- Gemeinsamer Ort zum Essen und zum Kennenlernen verschiedener (Ess-)Kulturen
- Gleicher Zugang zu gesundem Essen für alle Kinder – unabhängig vom Einkommen der Eltern
- Deutliche Nachhaltigkeitsvorteile durch zentrale Beschaffung und Zubereitung
Weitere Hebel: Von Lebensmittelabfällen bis Kommunikation
Wäre Lebensmittelverschwendung ein Land, wäre sie der drittgrößte Emittent weltweit. Ingo Birkle von der Kompetenzstelle zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen (KLAV) stellte einen Fünf-Schritte-Plan vor, um Abfälle systematisch zu reduzieren. Gerade in Kitas und Schulen – durch Überproduktion und Tellerreste – liegt großes Potenzial: Früherziehung, Nudging und eigenes Messen der Abfälle können viel bewegen.
Dominik Lanzl von a tip: tap e.V. machte deutlich: Seit den 1970er Jahren hat sich der Konsum von Flaschenwasser in Deutschland verzehnfacht – dabei haben wir sehr gutes Leitungswasser! Die Vorteile liegen auf der Hand: Kosteneinsparung, strengere Kontrollen als bei Flaschenwasser und CO₂-Einsparung durch weniger Transport und Verpackung. a tip: tap berät auch dazu, wie man „Lust auf Leitungswasser" macht – etwa durch infused Wasser mit Früchten und Kräutern.
Robert Kapa von FRÖBEL zeigte, wie die Umstellung auf klimagesunde Gemeinschaftsverpflegung gelingen kann. Mit einer 80%-Quote bei Biolebensmitteln und Partnerschaften, bspw. mit der Kantine Zukunft, der Sarah Wiener Stiftung und Acker e.V. ist FRÖBEL bereits weit vorangekommen. Ein eigener Leitfaden für Küchenteams – basierend auf DGE-Standards und Planetary Health Diet – dient als Fundament für alle Einrichtungen. Das ambitionierte Ziel: Bis 2030 sollen alle FRÖBEL-Einrichtungen, die selbst kochen, ovo-lacto-vegetarisch verpflegt werden.
Seine wichtigsten Learnings: Küchenkräfte in den Fokus nehmen, das Thema trägerseits platzieren, alle ins Boot holen, Zeit für Transformation einplanen und Kommunikation in alle Richtungen sicherstellen. Mit einem Budget von 1,70–1,80 € pro Kind pro Tag ist vieles erreichbar – durch einfache Rezepturen und den Fokus darauf, dass Kinder einzelne Lebensmittel kennenlernen.
Essen ist ein sensibles Thema – die Frage „Muss es Fleisch in der Kita geben?" kann schnell polarisieren. Die Veranstaltung gab konkrete Tipps: Bei Einrichtungen schaffen Einbindung und Freiwilligkeit Akzeptanz, Emotionen sollten ernstgenommen werden. Bei Eltern helfen Transparenz, Fakten und Beteiligung – etwa durch gemeinsame Rezeptsammlungen oder Aktionen. Wichtig: Auf Genuss fokussieren statt zu viel zu labeln, bildlich und anschaulich kommunizieren und persönliche Wege wie Elternabende nutzen.
Ausblick: Wie geht es weiter?
Die Auftaktveranstaltung war erst der Anfang! Die Teilnehmenden nahmen viele Netzwerkpartner*innen, Tipps, Ideen und Denkanstöße mit. Gleichzeitig wurden neue Herausforderungen sichtbar, aber auch Neugier und Aufbruchstimmung.
In den nächsten zweieinhalb Jahren wird „Nachhaltig satt" zahlreiche Online- und Präsenzangebote zu Themen wie Planetary Health Diet, Speiseplanung, Ernährungsbildung und Vernetzung anbieten. Bundesweit werden 30 Kitas und Schulen intensiv bei der Umstellung ihrer Verpflegung begleitet – von der CO₂-Bilanzierung über Schulungen bis hin zu einer klimagesunden Abschlussfeier vor Ort.
Weitere Informationen zum Projekt und zu kommenden Veranstaltungen finden Sie unter: www.nachhaltig-satt.de
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©Der Paritätische