Veröffentlichungen des Paritätischen Gesamtverbandes, Teil 1077

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - Das Warten hat ein Ende: Die Bundesregierung hat am 10. Februar 2026 die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (Befragung zum Dunkelfeld der Gewaltbetroffenheit in Deutschland) veröffentlicht.


Die Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA) ist ein gemeinsames Projekt vom Bundeskriminalamt (BKA), Bundesministerium des Innern (BMI) und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Sie ergänzt die Zahlen der alljährlichen BKA-Statistik zu den angezeigten Fällen häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt. Die letzten Erhebungen der tatsächlichen Gewaltbetroffenheit in Deutschland liegen jedoch schon lange zurück - sie fanden zuletzt 2004 statt. 


Großteil von Gewalterfahrungen wird nicht angezeigt

Die aktuelle Dunkelfeldstudie zeigt nun: Ein Großteil von Gewalterfahrungen in Deutschland wird nicht angezeigt. Die Anzeigequoten sind unabhängig von der Form der verübten Gewalt durchgehend niedrig; sie liegt bei den meisten Gewaltformen unter zehn Prozent. Innerhalb von (Ex-)Partnerschaften liegen die Anzeigequoten psychischer und körperlicher Gewalt sogar unter fünf Prozent. 

Zentrale Ergebnisse laut BKA

  • Frauen sind in stärkerem Maße von sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking betroffen. Die 5-Jahresprävalenz – also die Betroffenheit in den vergangenen fünf Jahren – bei körperlicher Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften fällt jedoch bei Männern und Frauen nahezu gleich hoch aus.
  • Der Schweregrad der Gewalterfahrung ist bei Frauen über alle Gewaltformen hinweg (deutlich) höher als bei Männern.
  • Die Gewaltbetroffenheit hängt stark mit dem Alter zusammen: Jüngere Personen sind bei nahezu allen Gewaltformen (deutlich) häufiger betroffen als ältere Personen, insbesondere bei digitaler Gewalt und sexueller Belästigung.
  • Personen mit Migrationshintergrund weisen tendenziell eine höhere Gewaltbetroffenheit auf als Personen ohne Migrationshintergrund. Frauen mit Migrationshintergrund sind teilweise besonders stark betroffen.
  • Die Anzeigequoten sind über alle Gewaltformen hinweg niedrig.
  • In der LSBTIQ*-Gruppe ist die Gewaltbetroffenheit bei fast allen Gewaltformen höher als die der restlichen Bevölkerung.
  • Erfahrungen mit Gewalt in der Kindheit sind weit verbreitet. Jede zweite befragte Person berichtet von körperlicher Gewalt durch Erziehungsberechtigte, jede dritte befragte Person von psychischer Gewalt. Jede vierte befragte Person hat Gewalt zwischen den Erziehungsberechtigten miterlebt. Personen, die Gewalt zwischen Erziehungsberechtigten erlebt haben, wurden auch häufiger selbst Opfer von Gewalt durch Erziehungsberechtigte.
  • In regionalen Analysen konnten Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten festgestellt werden, wobei die Gewaltbetroffenheit in städtischen höher ist als in ländlichen Gebieten.

Hintergrundinformationen zur LeSuBiA Studie finden Sie hier


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Quelle: Bundesregierung/BKA