Ministerium für bildung Rheinland PfalzVeröffentlichungen des Paritätischen Gesamtverbandes, Teil 1098

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - Bundesweite Umfrage: Mehrsprachigkeit ist kein Randphänomen, sondern Alltag in nahezu allen Einrichtungen. Zwei Drittel der Einrichtungen können Förderbedarf nicht decken. Der Paritätische Gesamtverband  fordert mehr Zeit für die gezielte Unterstützung von Kindern und spezifische Fortbildungen. Eine bundesweite Umfrage unter mehr als 3.200 Kitas zeigt: Viele Einrichtungen kennen die Bedarfe der Kinder – aber ihnen fehlt die Zeit, um Kinder gezielt zu unterstützen.


Über 92 Prozent der Kindertageseinrichtungen betreuen Kinder, die zu Hause vorrangig eine andere Sprache als Deutsch sprechen. Mehrsprachigkeit ist damit kein Randphänomen, sondern Alltag in nahezu allen Einrichtungen. Doch nur 36 Prozent geben an, dass sie diese sprachliche Vielfalt auch gezielt fördern können. Weniger als die Hälfte der Einrichtungen traut sich überhaupt zu, die Sprachentwicklung mehrsprachig aufwachsender Kinder kompetent einzuschätzen.

„Kinder bringen mit ihrer Mehrsprachigkeit eine enorme Ressource mit, doch leider ist das System der Kindertagesbetreuung noch zu wenig darauf eingestellt. Dabei hilft ein guter Erstspracherwerb nachweislich auch beim Erlernen der deutschen Sprache", erklärte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Die Umfrage zeige deutlich, dass nicht mangelnde Diagnostik das Problem sei, sondern strukturelle Überlastung. Zwei Drittel der Einrichtungen geben an, den sprachlichen Förderbedarf mit dem vorhandenen Personalschlüssel nicht umsetzen zu können. Dieser Wert habe sich seit 2021 deutlich verschlechtert.

Die Fachkräfte setzen auf alltagsintegrierte Sprachförderung, Fortbildungen und eine stärkere Zusammenarbeit mit den Eltern. „Die Erfassung des Sprachstandes ist bereits heute gängige Praxis. Viele Fachkräfte kennen die Unterstützungsbedarfe der Kinder. Aber oft fehlt die Zeit, um allen Kindern gerecht zu werden", kritisierte Rock.

Der Paritätische fordert eine dauerhafte Bundesbeteiligung an den Kosten für gute sprachliche Bildung in Kitas. Einrichtungen mit vielen Kindern, die von Benachteiligung bedroht sind, benötigten deutlich mehr zeitliche Ressourcen und Funktionsstellen für sprachliche Bildung. Zudem müssten Materialien und Konzepte bereitgestellt werden, die Mehrsprachigkeit systematisch in den Kita-Alltag integrieren. Dafür brauche es bessere Voraussetzungen, dass Fachkräfte ihre Arbeit machen können, fordert der Paritätische.

Die Umfrage zeigt zudem massive Probleme beim Übergang in die Grundschule. Nur 35 Prozent der Kitas berichten von einer ausreichenden Verständigung mit den aufnehmenden Schulen. Besonders in Großstädten müssen Einrichtungen mit bis zu zehn verschiedenen Grundschulen zusammenarbeiten, was die Abstimmung zusätzlich erschwert.

An der Umfrage haben von Mai bis Juni 2025 mehr als 3.200 Kindertageseinrichtungen im gesamten Bundesgebiet teilgenommen. Die vollständige Expertise steht unter <Link> zur Verfügung.

Dokumente zum Download

Expertise: Sprachliche Förderung und Schulvorbereitung in Kindertageseinrichtungen (2 MB)

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