Alex Finlay legt bei Goldmann einen wirklich spannenden Thriller vor
Claudia Schulmerich
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Warum kommt jetzt ein Krimi nach dem anderen mit englischen Titeln auf den Markt? Gerade bei diesem, den man wirklich weiterempfehlen kann, ist der englische Titel deshalb so töricht, weil erstens die deutsche Übersetzung viel unheimlicher klingt und zweitens der Massenmörder dies jeweils einer jungen Frau zuraunt, die er als einzige und das gleich zweimal im Abstand von 15 Jahren leben läßt, im übersetzten Text natürlich auf Deutsch: „Gute Nacht, Du hübsches Ding.“ und drittens der englische Originaltitel ganz anders lautet. Echt doof also.
An der wirklich spannenden Geschichte gibt es ansonsten nur eins auszusetzen, das sagen wir gleich. Der Mörder taucht erstmals nach Seite 220 auf! Also im zweiten Teil der 397 Seiten. Und wird zudem als Nebenfigur überhaupt nicht weiterverfolgt. Aber ab jetzt gibt es nur positive Rückmeldungen über dies Buch, wenn man unter einem Thriller eine spannende Geschichte erwartet, wo einem Leute begegnen, die einen nicht langweilen, die sogar, statt Schattenfiguren zu bleiben, richtige Persönlichkeiten entwickeln, in einem Gefühle erwecken, so dass man ihnen auf Seiten der Ermittler auf jeden Fall Glück beim Mörderfinden wünscht oder, falls sie zu den Verdächtigen gehören, dass sie es nicht sind, die mit dieser Mordserie zu tun haben.
Zweimal werden in der selben Stadt, Linden, New Jersey, zum Schließen des Geschäftes um 22 Uhr die noch Anwesenden, in der Überzahl junge Frauen, niedergeschossen, einmal in einem Blockbuster-Videoverleih Silvester 1999, und gerade jetzt im April 2015 in einer Eisdiele, im Abstand von 15 Jahren also, wobei es jedesmal eine Überlebende gab, der der Massenmörder ins Ohr flüsterte: „Gute Nacht, Du hübsches Ding“. Allerdings hatte die erste Überlebende, Ella dies nie der Polizei erzählt, anderen auch nicht. Also muß doch der zweite Mörder mit dem ersten identisch sein?
Der Schuldirektor, dessen Schülerin Ella damals war, ruft sie an, als er im Krankenhaus die jetzige Überlebende, Jessica Duvall, Jesse genannt, aufsucht. Auch sie war Schülerin seiner Schule und ist eine ungewöhnlich gewiefte junge Frau, die Journalistin werden will und schon jetzt Meisterschaft im Recherchieren erreicht. Aber jetzt liegt sie im Krankenhaus und es ist wirklich eine gute Idee, dass er mit Ella, die Psychotherapeutin ist, jemanden zu Jesse schickt, die dieselbe Situation erlebt und überlebt hat. Und die beiden können auch miteinander, ja Ella wird die einzige sein, der Jesse Näheres erzählt, weil sie erst nach und nach mit der Wahrheit rausrückt.
So richtig heimisch fühlt man sich in diesem Krimi aber erst, als die FBI-Agentin Sarah Keller auftaucht. Sie erhält frühmorgens um 5 Uhr 30 die Nachricht zu einem Einsatz, was nicht weiter schlimm ist, sie hat eh eine Stunde wach gelesen. Gesund allerdings ist das nicht, denn sie ist im 8. Monat schwanger und wie diese Sarah Keller trotzdem ihren Beruf ausübt, nötigt einem absolut Respekt ab, zumal für sie alles gut ausgeht und die Zwillinge zur Welt kommen. Überblickt man vom Ende her noch einmal die Handlung, fällt einem auf, dass es wieder einmal Frauen sind, die zum einen ermordet werden, aber zum anderen die Handlungsträger, die Mutigen und Wißbegierigen sind und auch die, die hier den aktuellen Fall lösen, womit der Altfall gleich mitgelöst ist.
Damals hat man einen jungen Mann verdächtigt, kurz festgenommen, freigelassen und erst danach das Mordinstrument, ein Messer, in seinem Schulspind gefunden. Doch da war er schon verschollen. Seine Mutter war auch verschwunden und der gewalttätige Vater konnte dem zweiten Sohn nichts mehr tun, weil dieser zu einer Pflegefamilie kam und auch deren Namen annahm. Chris ist jetzt Rechtsanwalt und wird zum Pflichtanwalt für die der neuen Morde Verdächtige und Festgenommene. Dies ist just Jesse, die Überlebende. Während die Leserin dies von Anfang an anzweifelt, ist Sarah Keller auch bald dieser Meinung, doch die Männer bei der Polizei finden diese Lösung lange überzeugend.
Es liegt also auch an Ella, die an die Unschuld von Jesse glaubt, die Morde aufzuklären. Das ist ein Ritt über den Bodensee, bei denen folgende Personen die Handlung tragen: Chris, der Bruder und Anwalt von Jesse, der weiß, dass sein Bruder unschuldig ist und auf seine Rückkehr wartet; Ella, die von ihrer reichen und reichlich kühlen Mutter Eloise genannt wird, die man aber irgendwie verstehen kann, weil Ella ihrem Zuhause gegenüber das kleine opponierende Mädchen bleibt und natürlich Sarah Keller, die persönlich Blessuren auf sich nehmen muß, aber mutig und entschlossen den Mörder und seinen Gehilfen entlarvt.
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Umschlagabbildung
Info:
Alex Finlay, Good Night, Pretty Girl, Thriller, Goldmann Verlag, Januar 2026
ISBN 978 3 442 49570 2